Recht + Steuern -

Nachfolge im Betrieb Erfolgreiche Unternehmensnachfolge mit Private Equity

Immer mehr Unternehmer – auch aus dem Handwerk – müssen sich mit der Frage beschäftigen, wie sie einen Nachfolger für ihr Unternehmen außerhalb der Familie finden. Eine Option ist der Verkauf an einen Finanzinvestor.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Betriebsübergabe und Nachfolge
Unternehmensnachfolge im Handwerk
Jedes Jahr steht in tausenden von Handwerksunternehmen eine Betriebsübergabe an. -

Für den Fall, dass die Unternehmensnachfolge nicht familienintern geregelt werden kann, gibt es grundsätzlich drei Optionen:

  1. Fortführung des Unternehmens durch das eigene Management ( Management Buyout oder kurz MBO) oder durch ein Fremdmanagement (Management Buyin oder kurz MBI)
  2. Verkauf des Unternehmens an einen strategischen Investor (z.B. einen Wettbewerber)
  3. Verkauf des Unternehmens an einen Private Equity Investor (nachfolgend PE Investor genannt).

Umsatzschwelle zwischen 20 und 30 Millionen Euro

Nachfolgend werden die Voraussetzungen für und der Ablauf einer erfolgreichen Unternehmensnachfolge mit einem PE Investor dargestellt. Entgegen der Annahme, dass dafür nur große oder gar börsennotierte Unternehmen in Betracht kommen, sind mittelständische Unternehmen mittlerweile zu einer wichtigen Zielgruppe von PE geworden. Eine gewisse Mindestgröße ist jedoch erforderlich, damit die Gewinnerwartungen des Investors auch erfüllt werden können. Die Umsatzgrenze verläuft dabei in der Regel zwischen 20 und 30 Millionen Euro.

Für eine Übernahme beziehungsweise Mehrheitsbeteiligung durch einen PE Investor kommen Unternehmen in Betracht, die über eine gute Ausgangslage verfügen – etwa hinsichtlich ihrer Produkte oder ihrer Wettbewerbssituation. Defizite beim Management oder bei der Finanzierung des Unternehmens können häufig mithilfe des PE Investors überwunden werden.

Durch den Einstieg des PE Investors werden häufig die Entwicklungsmöglichkeiten des Unternehmens gestärkt, die ohne Zufluss der Mittel des PE Investors in der bisherigen Gesellschafterstruktur oftmals nicht bestanden hätten. Diese können in neue Märkte oder Produkte investiert, oder dazu genutzt werden, um kompatible Unternehmen zu erwerben.

Unternehmer bleibt häufig beteiligt

PE Investoren legen keineswegs immer Wert darauf, sämtliche Anteile am Zielunternehmen zu erwerben. Häufig ist sogar ausdrücklich gewünscht, dass der Unternehmer eine Minderheitsbeteiligung am Unternehmen behält. Für den Handwerksunternehmer ist das von Vorteil. Er kann damit selbst entscheiden, inwieweit er auch nach vollzogener Übernahme weiter im Unternehmen engagiert bleiben möchte. Entscheidet er sich dafür, wird ihm häufig über einen Sitz im Aufsichtsrat oder im Beirat der Gesellschaft weiterhin ein Informations- und Mitspracherecht bei wichtigen Geschäftsentscheidungen eingeräumt.

Erfolgreiche Unternehmensnachfolge mit Private Equity

Struktur und Ablauf einer Unternehmensnachfolge im Mittelstand mit Hilfe von Private Equity lassen sich gut anhand des folgenden Fallbeispiels veranschaulichen:

Ein mittelständisches Familienunternehmen zählt in seinem (regionalen) Markt zu den Marktführern und weist seit Jahren eine stabile Umsatz- und Ertragslage aus. Im Rahmen eines strukturierten Verkaufsprozesses wurden neben strategischen Investoren insbesondere auch Finanzinvestoren angesprochen.

Die Familiengesellschafter hatten sich schließlich bewusst dafür entschieden, ihr Unternehmen an einen PE Investor zu verkaufen. Der ausschlaggebende Punkt hierfür war, dass gerade der Verkauf an einen PE Investor gewährleistete, dass das Unternehmen in seiner ursprünglichen Form erhalten werden konnte und die Möglichkeit für weiteres Wachstum geschaffen wurde.

Der bisherige Familiengesellschafter und Geschäftsführer ist in der Geschäftsführung geblieben und hat sich zu 20 Prozent am Unternehmen rückbeteiligt. Er profitiert dadurch in zweierlei Hinsicht – indem er an den Wachstumschancen partizipiert, die sich durch den Einstieg des Finanzinvestors ergeben, und auch weiterhin operativ tätig bleiben kann.

Auf der anderen Seite ist die Unternehmensnachfolge bereits gesichert. Ein Prozess wie dieser dauert in der Regel von der Investorenansprache bis zum Vollzug der Übertragung sechs Monate.

Die Erfahrung zeigt, dass für eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge – vom Beginn der Planung bis zur vollständigen Umsetzung – rund drei Jahre nötig sind. Innerhalb der drei Jahre sollte das Unternehmen auf die Nachfolgesituation vorbereitet werden. Zudem sollte im Familienkreis des Alteigentümers Einigkeit darüber erzielt werden, welche der eingangs dargestellten Varianten für die Unternehmensnachfolge in Betracht kommt.

Der Autor

Dr. Michael Sörgel

Dr. Michael Sörgel LL.M. ist Rechtsanwalt und Partner bei Heuking Kühn Lüer Wojtek.

Seine Schwerpunktgebiete sind das Gesellschaftsrecht sowie M&A. Er berät und vertritt nationale und internationale Unternehmen in allen Aspekten dieser Rechtsgebiete.

Mehr zum Thema
© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten