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Digitaler Heizungsaustausch E.on startet Plattform für Handwerkerservice

Online-Plattformen, die Handwerkerleistungen vermitteln, liegen im Trend. Nun will E.on mit einem neuen Partner den Einbau von Heizungen anbieten. Das Handwerk sieht seine partnerschaftliche Zusammenarbeit infrage gestellt und bringt ein eigenes Angebot ins Spiel.

Immer mehr Verbraucher erledigen ihre Einkäufe online, buchen ihren Urlaub im Netz oder schließen Versicherungen über Plattformen im Internet ab. Mehrere digitale Anbieter wollen über ihre Plattformen inzwischen auch an der Vermittlung von Handwerkerdienstleistungen Geld verdienen.

Nun hat der Energieversorger E.on mit dem niederländischen Partner Guidion ein Joint Venture in diesem Bereich gestartet, wie das Portal „energate“ berichtet. Zu den Referenzen von Guidion zählen die Deutsche Telekom, Vodafone und der niederländische Versorger Eneco.

"Rundum-Sorglos-Paket" geplant

Unter dem Namen „Home.on“ mit Sitz in Aachen sollen demnach schon bald verschiedene Handwerkerleistungen angeboten werden. Zunächst im Bereich Heizungseinbau, später sollen Services rund um Smart Home und erneuerbare Energien folgen.

Wer eine Heizung über das neue Portal sucht, soll die Anlagen bekannter deutscher Hersteller wie etwa Viessmann oder Vaillant angeboten bekommen. Wahlweise nicht nur zum Direktkauf, sondern auch zur Miete wie es etwa auch Thermondo anbietet. Dabei soll es sich um ein Rundum-Paket handeln, von der Beratung über den Verkauf bis zur Vor-Ort-Installation vom Fachhandwerker.

Schnelles Wachstum geplant

Auf Nachfrage von Energate erklärte ein Sprecher von E.on, dass derzeit das Team aufgebaut werde und Partner aus dem Handwerk an Land gezogen würden. In den nächsten Monaten sei ein schnelles Wachstum geplant, dass auch weitere Standorte vorsehe, um eng mit dem lokalen Handwerk zusammenzuarbeiten.

Das neue Joint Venture sind nicht die ersten Aktivitäten von E.on, um das SHK-Segment digital für sich zu nutzen. So kooperiert E.on bereits mit dem Online-Heizungsanbieter Thermondo, an dem der Konzern auch finanziell beteiligt ist. Im Gegensatz zu dieser Kooperation soll das neue Joint Venture jedoch eine wichtige Säule des operativen Geschäfts werden, wie ein E.on-Sprecher energate erklärt.

Partnerschaft steht infrage

Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima sieht die neuen digitalen Plattformen durchaus kritisch: "Der SHK-Markt erlebt gegenwärtig zahlreiche Umbrüche. Dabei sind leider auch Entwicklungen zu beobachten, die die einst partnerschaftliche Zusammenarbeit von Marktakteuren mit unserem Handwerk infrage stellen", sagt Michael Hilpert, Präsident des ZVSHK.

Gleichzeitig ist Hilpert optimistisch, dass sich die lokalen Betriebe gegenüber den breitaufgestellten Anbietern behaupten werden. Mit der neuen Situation gehe der ZVSHK selbstbewusst um. "Das große Plus unserer Betriebe ist der Vertrauensvorsprung im Kundenverhältnis. Sie dominieren den Point of Sale im Markt", sagt Hilpert.

Eigenes Angebot entgegenstellen

Möglicherweise könnte der ZVSHK Anbietern wie Thermondo, E.on und Co. bald ein eigenes Angebot entgegenstellen. Zumindest hält Hilpert dies für eine Option. "Unsere Aufgabe ist, diese Position weiter zu stärken. In diesem Zusammenhang ist es vorstellbar, eigene Angebote zu platzieren. Angebote in allen Bereichen, die vom Handwerker in eigener unternehmerischer Regie dem Kunden als Mehrwert vermittelt werden können. Sei es in Form der Beschaffung oder jeglicher anderer Erweiterung des Angebotsportfolios", so Hilpert weiter. sg

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