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Steuertipp Enteignung eines Grundstücks: Finanzamt außen vor?

Veräußert ein Immobilieneigentümer eine Immobilie, die er nicht zu eigenen Wohnzwecken nutzt, innerhalb von zehn Jahren nach dem Kauf mit Gewinn, werden auf diesen Gewinn nach § 23 EStG Steuern fällig. Es liegt ein privates Veräußerungsgeschäft vor. Doch was passiert steuerlich, wenn die Immobilie vom Staat innerhalb des Zehnjahreszeitraums enteignet wird?

Für das Finanzamt ist die Antwort auf diese Frage glasklar: Entsteht durch die Entschädigungszahlung aufgrund der Enteignung ein Gewinn, liegt ein privates Veräußerungsgeschäft nach § 23 EStG vor und der Gewinn ist ein Fall für das Finanzamt.

Finanzgericht Münster verneint Besteuerung nach Enteignung

Das Finanzgericht Münster sieht das jedoch anders. Da bei der Enteignung einer Immobilie der rechtsgeschäftliche Wille des Immobilieneigentümers zum Verkauf der Immobilie fehlt, liegt keine Veräußerung im Sinne des § 23 EStG vor. Folge: Das Finanzamt geht trotz der Erzielung eines Gewinns innerhalb des Zehnjahreszeitraums leer aus (FG Münster, Urteil vom 28. November 2018, Az. 1 K 71/16 E).

Steuertipp: Leider hat nun der Bundesfinanzhof noch ein Wörtchen mitzureden. Es wurde die Revision zugelassen. Bis zur Entscheidung der Münchner Richter sollten betroffene Steuerzahler in vergleichbaren Fällen einen Einspruch gegen die Besteuerung eines Verkaufsgewinns einlegen und gleichzeitig einen Antrag auf Ruhen des Verfahrens stellen. dhz

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