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St. Moritz und Sils-Maria Engadin: Auf der Höhe des Glücks

Der Jetset liebt St. Moritz. Künstler lieben Sils-Maria. Mit 322 Sonnentagen im Jahr macht das Engadin aber jeden glücklich.

Wer daran riecht, schüttelt sich das erste Mal. Wer sich überwindet und trotzdem einen Schluck von der Mauritiusquelle trinkt, schüttelt sich ein zweites Mal. Das Heilwasser aus St. Moritz ist stark eisenhaltig – das riecht und das schmeckt man. Bereits vor 3.500 Jahren sind die Heilquellen im Oberengadin entdeckt worden. Im Jahr 1535 soll der berühmte Naturheilarzt Paracelsus Europas höchstgelegene Heilquellen besucht haben. Das kohlensäurehaltige und mineralreiche Wasser sollte wegen seines Eisengehalts gegen Blutarmut helfen. Später setzte sich die äußere Anwendung durch – etwa in Form von Heilbädern zur Durchblutungsförderung und Blutdruckregulierung. Die Bädertradition hatte ihre Hochzeit dann im 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts.

Von der regionalen Gastronomie verwöhnen lassen

Heute kann man zwar immer noch im Forum Paracelsus vom St. Moritzer Sauerwasser kosten, doch im Engadiner Hochtal steht nicht mehr die Überwindung, sondern der Genuss im Vordergrund. Alljährlich findet im Juli in St. Moritz die "Tavolata" statt. In diesem Jahr zum ersten Mal an drei Tagen. Neben "food market" und Barbecue ließen sich Einheimische und Gäste an einer 400 Meter langen Tafel von der regionalen Gastronomie verwöhnen (tavolatastmoritz.ch). Auf dem Markt können beliebte Mitbringsel wie das Bündner Fleisch probiert werden. Weil das Rindfleisch luftgetrocknet wird, heißen die Metzgereien hier auch Fleischtrocknereien. Auch die Salsiz, eine ebenfalls luftgetrocknete Wurstspezialität und die Engadiner Nusstorte sind typisch für die Region.

St. Moritzersee

Wer mehr mit den "Ohren" genießen will, der kann sich beim Festival da Jazz (festivaldajazz.ch) erfreuen. Seit zehn Jahren spielen im Sommer Stars wie Herbie Hancock, Michel Legrand, Nigel Kennedy oder Jamie Cullum auf. Viele dieser Konzerte finden im legendären Dracula Club von Rolf Sachs statt, den sein Vater Gunter Sachs in den 1970er- Jahren gegründet hat.

Auf rund 580 Kilometern Wanderwegen im Engadin können die Genusspfunde dann wieder abtrainiert werden. Ein schöner Wanderberg ist der Muottas Muragl. Mit der Standseilbahn aus dem Jahr 1907, der ersten im Kanton Graubünden, kommt man auf 2.454 Meter. Oben eröffnet sich ein herrlicher Panoramablick auf die Oberengadiner Berge und Seenplatte. Wanderwege – wie der Pa­norama- oder der Klimaweg – führen von dort ab. Das "En" in Engadin steht für "Inn". Engadin könnte soviel bedeuten wie "Garten des Inn". Der Fluss entspringt am Malojapass und durchfließt die drei Seen Silsersee, Silvaplanersee und St. Moritzersee.

Denkmalgeschützter Jugenstilsaal des Hotels Edelweiss

Zwischen dem Silser- und dem Silvaplanersee liegt Sils-Maria. Ein rechter Gegenpol zum mondänen, zehn Kilometer entfernten St. Moritz. Was St. Moritz für Stars und Sportler, ist Sils-Maria für Dichter, Denker und Künstler. Friedrich Nietzsche verbrachte von 1881 bis 1888 den Sommer in Sils-Maria. Das Höhenklima in dem weiten Tal und die durchschnittlich 322 Sonnentage im Engadin taten dem chronisch kranken Philosophen gut. Er konnte sich jedoch nur ein Zimmerchen in einem Haus direkt neben dem Hotel Edelweiss leisten. Dieses Haus beherbergt heute das Nietzsche-Museum. In seinem düsteren, kleinen Zimmer ließ Nietzsche eine grüne Tapete anbringen. Man nimmt an, dass er sehr lichtempfindlich war und zu Migräneanfällen neigte.

Nietzsche Haus Sils-Maria

Ein Franken Miete war für den Professor, der in den 1880er Jahren seinem Beruf nicht mehr nachgehen konnte, viel Geld. In einem besonders kalten Winter verbrachte er dann doch einige Tage im Hotel Edelweiss. Daran erinnert ein Auszug aus dem Gästeregister des Juni 1883 neben der heutigen Rezeption. Öfters nahm Nietzsche hingegen seine Mahlzeiten im Jugendstil-Speisesaal des Hotels ein. In diesem denkmalgeschützten Raum lassen sich viele Details entdecken. Zum Beispiel sind die gemalten Mohnblumen an den Wänden im vorderen Teil geschlossen, wohingegen sie im hinteren Bereich, der über mehr Fenster verfügt, geöffnet sind. Die Liste der Besucher, die die Ruhe und Gelassenheit von Sils-Maria suchten, ist aber viel länger: Die Schriftsteller Hermann Hesse und Thomas Mann, um nur zwei von ihnen zu nennen.

Fensterblick von Chagall verewigt

Maler Marc Chagall hat den Blick aus dem Fenster seines Zimmers im ersten Stock des Hotels Privata in seinem Werk verewigt. Die Häuser am Marktplatz von Sils-Maria stehen genauso heute noch dort. Auch andere Elemente, die er aus dem Engadin kannte wie schneebedeckte Dächer, Schlitten oder Kirchturmuhren, hat Chagall immer wieder in seinen Werken verarbeitet. Vielleicht ist Chagall auch mit Europas höchstgelegener Kursschifflinie gefahren. Auf 1.800 Metern verkehrt die "Segl Maria" auf dem Silsersee.

Hotelempfehlungen

St. Moritz

Art Boutique Hotel Monopol
  • 4 Sterne direkt in der Fußgängerzone
  • Rooftop-Spa und Wellness mit Seeblick und Dachterrasse
  • italienisch-mediterranes Restaurant MONO
  • zwei Gehminuten zur Chantarella- Talstation auf die Corviglia
  • Kunst im Hotel, z.B. von Robert Mars und Hunt Slonem
  • monopol.ch

Sils-Maria

Hotel Edelweiss

  • 4 Sterne
  • Traditionshaus mit mehr als 140 Jahren Geschichte
  • original erhaltener Jugendstil- Speisesaal von 1876
  • hotel-edelweiss.ch
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