Konstanz -

Energiesparen ohne Alternative

Veranstaltung in Volkertshausen zeigte Möglichkeiten auf - Energiewende nur im Kollektiv erreichbar

Ein voller Erfolg waren die 3. Volkertshauser Energiespartage. Kreishandwerksmeister Rainer Kenzler von der Kreishandwerkerschaft Westlicher Bodensee hatte zusammen mit Architekt Joachim Binder, dem Diplom-Bauingenieur und Sachverständigen Herwig Mayer und Robert Schäfer, Abteilungsleiter Immobiliencenter der Sparkasse Singen-Radolfzell, in der „Alten Kirche“ eine Informationsveranstaltung organisiert, die regen Zulauf hatte.

„Heizen und Energiesparen sind gerade in der kalten Jahreszeit ein großes Thema, deshalb macht eine solche Veranstaltung im Februar auch Sinn“, erklärt Kenzler die Beweggründe der Organisatoren. Zusammen mit weiteren Experten standen sie den Besuchern mehrere Stunden lang Rede und Antwort. Die Fragen kreisten immer wieder um Themen wie Fördermittel und staatliche Zuschüsse, Wärmedämmung, energiesparende Heizsysteme und neue Energieeinsparverordnung (EnEV 2009).

Volkertshausens Bürgermeister Alfred Mutter führte in seinem Grußwort Erfolge seiner Gemeinde in Sachen Energiesparen auf und kündigte an, dass bei Neubauten, wie beispielsweise einem Schulanbau und einer neuen Halle, ebenfalls auf diese Kriterien gesetzt werde: „Grundsätzlich lassen sich 40 Prozent der Energiekosten durch effiziente Maßnahmen einsparen, wir werden unseren Beitrag dazu leisten“, so Mutter.

Als Gastreferent erwartet worden war eigentlich der Träger des alternativen Nobelpreises, Bundestagsabgeordneter Hermann Scheer, der jedoch auf dem Weg nach Volkertshausen einen Autounfall hatte und von Andreas Markowsky adäquat vertreten wurde. Für den geschäftsführenden Gesellschafter der Ökostromgruppe Freiburg, ein Unternehmen, das professionelle Bürgerbeteiligungen im Bereich erneuerbare Energien auf das regionale Umfeld fokussiert, führt am Energiesparen kein Weg vorbei: „Der Kampf um die fossilen Energieträger, allen voran Öl, hat begonnen. Wir müssen mit Energie vernünftiger umgehen“, forderte er.

Markowsky spüre in Deutschland aber eine latente „Angst vor Veränderung“, vor allem vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft. „Die Menschen müssen in ihren Köpfen einen Schalter umlegen, dann können wir es gemeinsam schaffen“, zeigte er sich zuversichtlich, künftig den Energiebedarf in Deutschland nur noch über regenerative Energiequellen decken zu können.

Die abschließende Podiumsdiskussion unter Leitung des kommissarischen Südkurier-Chefredakteurs Stefan Lutz, an der neben dem Präsidenten der Handwerkskammer Konstanz, Bernhard Hoch, auch EnBW-Repräsentant Andreas Renner, Bundestagsabgeordneter Peter Friedrich und Solarcomplex-Vorstand Bene Müller teilnahmen, ging ebenfalls der Frage nach, ob eine Energiewende in Deutschland zu schaffen sei.

Bene Müller ist davon überzeugt: „Wenn wir alle geschlossen daran arbeiten, dann schaffen wir es bis zum Jahr 2020.“ Unter lautstarkem Protest von Atomgegnern verteidigte Lobbyist Renner den verzögerten Atomausstieg: „Ich bin für eine Übergangslösung, weil wir nicht von heute auf morgen einfach so aussteigen können.“ Ohne Atomenergie sei auch der steigende Bedarf in Deutschland nicht zu decken. „Wir schaffen aber auch ständig Zusatzverbrauch“, erinnerte Renner daran, dass es früher weit weniger Elektrogeräte gegeben habe.

Der Energieverbrauch lasse sich auch durch eine fachmännisch ausgeführte, umfassende energetische Sanierung von Gebäuden erreichen, erklärte Kammerpräsident Hoch. Er rät Eigentümern dazu, „von außen nach innen“ vorzugehen, das heißt, zuerst die Gebäudehülle zu dämmen und danach die Heizung zu modernisieren. Er rät allen Interessierten, „sich im Vorfeld bei Fachleuten aus dem Handwerk, zum Beispiel Gebäudeenergieberatern, darüber zu erkundigen“.

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