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Strom- und Druckluftfresser aufdecken Energiemanagementsystem: Strom sparen praktisch angewendet

Um Energiekosten zu sparen, befinden sich kleine und mittlere Handwerker mit häufig bereits bestehenden Gebäuden im Nachteil. Denn oft sind enorme Verbrauchsmengen erforderlich, damit sich Investitionen lohnen, die den Energiebedarf senken. Neue Technologien bringen Bewegung in den Markt. Ein Schlüsselwort heißt Energiemanagementsysteme (EMS).

Druckluft ist die teuerste Energiequelle und nur wenige Handwerker kommen ohne sie aus. So auch Stefan Krämer. Sein Metzinger Metallbaubetrieb stellt Leitern, Podeste und Absturzsicherungen für Maschinen und Anlagen her. 60.000 Euro im Jahr bezahlt der 40-Mann-Betrieb südlich von Stuttgart für Strom. Ein Drittel davon macht alleine die Druckluft aus, obwohl Krämer mit 180 kWh am Tag nicht viel verbraucht. Zudem hat er wie fast jeder Betrieb das Problem von Leckagen.

Wie viel ihn diese kosten und ob die undichten Stellen größer werden, weiß Krämer, seit er ein spezielles EMS verwendet, das für Gebäude im Bestand und Firmen wie seine ausgelegt ist. "Wir machen jeden Sonntag eine 15-minütige Testmessung und sehen montags, wie viel Strom wir für die undichten Stellen verbrauchen, wenn niemand damit arbeitet", so Krämer. Die Leckage bedeutete für ihn früher im Schnitt 3.000 Euro im Jahr Verlust, das hat der Metallbauer mehr als halbiert. Eine Druckluftanlage ganz ohne Leck gebe es leider nicht.

Betriebsstromkosten fast halbiert

"Mit einem kaputten Ventil verlieren Anlagen schnell 65 Kubikmeter Druckluft im Jahr. Und wir haben erlebt, dass ein kleines Leck im Druckluftschlauch eine Firma 2.500 Euro an verlorener Druckluft gekostet hat", erzählt Emsyst-4.0-Anbieter Friedrich E. Riempp, dessen Team die Druckluft-Testanlage entwickelt und installiert hat.

Auch den größten Stromfresser im Betrieb hat der Metzinger durch die Messung per sensorgestützter ­Softwarelösung erkannt: Die Hallenbeleuchtung benötigte früher 54.000 kWh im Jahr, das machte 40 Prozent seiner Betriebsstromkosten aus. Somit konnte er ausrechnen, wie schnell sich die Umstellung etwa auf LED-Beleuchtung rechnet. Viel Potential bietet auch die Hallenheizung. Denn Krämer bezahlt 12.000 Euro im Jahr für seine Gasrechnung. So schalten mittlerweile zwei Deckenheizungen in Rolltornähe ab, sobald das Tor offensteht.

Energiemanagementsysteme (EMS)

Sobald ein EMS bestimmte Voraussetzungen erfüllt, wird es staatlich gefördert. Die Liste der Kriterien ist lang: Von der innovativen Energiemessung auch in inhomogenen Zählerstrukturen über moderne IT-Kommunikation bis zu intelligenten Auswertungen. Mit Stärken in verschiedensten Auswahlkriterien, haben die meisten EMS ihren Schwerpunkt entweder in Anlagen oder Gebäuden. Dann gibt es noch einige EMS, die für Solarmodule oder andere Quellen erneuerbarer Energien wie Blockheizkraftwerke gedacht sind. Alle Themen parallel bearbeiten die wenigsten, zumal es nicht nur um Dokumentation und Monitoring geht, sondern um interaktive Kommunikation aller Erzeuger- und Verbraucherstellen innerhalb eines Systems.

Für Gebäude und Produktionen im Bestand eignen sich nur die wenigsten EMS. Obwohl es rund 30 staatlich anerkannte Systeme gibt. Nur zwei EMS für Bestandsanlagen sind darauf ausgelegt, neben den eigentlichen Aufgaben auch Lastspitzen abzufangen, die sich etwa bei Krämer auf bis zu 70 kWh belaufen. In beiden Kategorien kommt nur das EMS von Krämers Elektrik-Dienstleister Riempp vor. Dieser hatte aus der Erfahrung mit rund 100 Industriekunden ein System entwickelt, das bestehende Leitungen nutzt: Indem es jede Art von Verbraucher, Regler, Zähler, Sensoren, Automationen über funkbasierte Technik einbindet und verwaltet.

Ein EMS mit Einstiegskosten ab 25.000 Euro amortisiert sich laut Hersteller in gut 20 Monaten. Bei Energiekosten von 30.000 Euro im Jahr entlasten sich Betriebe mit herkömmlichen EMS um rund 700 Euro im Monat, schätzt Manfred Frenzl vom bayerischen Zentrum für Technologie und Transfer. Laut der Stiftung für Ressourceneffizienz und Klimaschutz ist die Investition durch die interne Verzinsung im Schnitt nach drei Jahren rentabel, wenn die Lebenszykluskosten attraktiv sind und nicht nur der Angebotspreis. Krämer, der über fixe Kosten Planungssicherheit erzielen wollte, war 2013 über die steigende EEG-Umlage auf das Suffizienzthema aufmerksam geworden.

Attraktive Kontrollsysteme

So eignet sich eine EMS-Lösung für Metallbauer ab einem Energieverbrauch von rund 30.000 Euro im Jahr. Nach oben keine Grenze. Zudem ist diese Technik interessant, wenn Betriebe mit Druckluft arbeiten. Egal, wie viele und welche Maschinen laufen, im Fall von Lastspitzen sind die Kontrollsysteme immer attraktiv. Sie korrespondieren auch mit Erzeugerquellen (Sonne, Wind, Biogas), Speichern und Ladestationen für E-Mobilität oder Akkus von Staplern und Werkzeugen. Da Riempp sein Emsyst bundesweit vertreibt und installiert, ist er an kooperierenden Elektro-Fachbetrieben interessiert.

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