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Energieverbrauch im Winter senken So machen Sie Ihr Haus winterfest

Nur die Heizung zu warten reicht nicht: Wer sein Haus jetzt nicht fit macht für die kalte Jahreszeit, riskiert Schäden und hohe Energiekosten. Was sinnvoll ist und wie viel Geld man mit den einzelnen Tipps sparen kann.

Wenn es draußen kalt wird, holen wir unsere dicken Jacken und Mützen raus. Aber auch das Haus muss auf Schnee und Eis vorbereitet werden. Dämmungen, Dichtungen, Heizungen und Außenbereiche sollten überprüfen werden, aber auch das eigene Heizverhalten.Wer jetzt richtig vorsorgt, kann viel Geld und Ärger sparen.

Wärmedämmung ist an vielen Stellen sinnvoll

Eine richtige Dämmung hält die Wohnung in der kalten Jahreszeit warm und spart Energiekosten. Verantwortlich für kalte Wohnungen im Winter sind undichte Fenster, fehlende Dämmungen der Kellerdecken oder schlecht isolierte Dächer. Wer Tauwasser an der Innenseite der Fenster oder Zugluft bemerkt, sollte handeln. Ein Austausch der Fenster oder eine Dämmung der Außenwände hilft nicht nur im Winter die Kälte draußen zu halten, sondern schützt auch im Sommer vor der Hitze.

Laut der Deutschen Energieagentur (dena), können durch energiesparende Fenster und eine gut gedämmte Gebäudehülle in unsanierten Häusern bis zur Hälfte der Heizkosten eingespart werden.

Vor dem Winter Gummidichtungen an Fenstern und Türen prüfen

"Aber nicht nur die Dämmung, sondern vor allem die zahlreichen Öffnungen am Haus sollten überprüft werden", sagt Kai-Uwe Holtschmidt. Er ist Leiter der Berufsbildungsstätte der Bauinnung München und weiß, worauf es beim Energiesparen im Winter ankommt.

Bei Türen und Fenstern ist es ratsam, alte Gummidichtungen zu erneuern oder die Schließung neu einrichten zu lassen, vor allem beim Kunststoffrahmen. Für eine fachmännische Montage sollte ein Experte gerufen werden.

Bei Holzfenstern können Hausbesitzer auch selbst aktiv werden. "Da sich Holz verzieht, entstehen oft kleinere Spalte am Fensterrahmen. Diese Ritzen können mit Dichtstoffen aus dem Baumarkt wieder geschlossen werden", sagt Holtschmidt.

Richtig lüften spart Energie

Im Winter ist das Heizen eines der Themen mit dem größten Sparpotenzial. Die Heizungen laufen den ganzen Tag auf Hochtouren. Aber ab und an muss auch frische Luft durch die Wohnung wehen.

Wer permanent kalte Luft durch ein gekipptes Fenster strömen lässt, treibt die Heizkosten unnötig in die Höhe. Um Geld zu sparen sollte für kurze Zeit das komplette Fenster geöffnet werden. Dieser Tipp ist einfach, aber effektiv. " Am besten morgens kurz Stoßlüften, also die Heizung abdrehen und dann zehn Minuten frische Luft reinlassen", rät Holtschmidt.

Stoß- Statt Dauerlüften kann bis zu 240 Euro im Jahr sparen

Der Tipp: co2online gibt Empfehlungen, wie viele Minuten man in welchen Monaten gemäß der angenommenen Witterung lüften soll: im Oktober 12 bis 15 Minuten, im November 8 bis 10 Minuten, Dezember bis Februar 4 bis 6 Minuten.

Was bringt das?
co2online geht von einer Ersparnis von 12,5 Prozent bei den Heizkosten aus. Das macht in einem unsanierten Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern Wohnfläche und Gasheizung mit einem Gesamtverbrauch von 22 500 Kilowattstunden 240 Euro pro Jahr (2812,5 Kilowattstunden). Bei einer Ölheizung sind es etwa 140 Euro. Bei einem vergleichbaren, aber teilsanierten Gebäude mit einem Verbrauch von 18 000 Kilowattstunden sind 190 Euro mit Gasheizung und 110 Euro mit Ölheizung Ersparnis möglich (2250 Kilowattstunden).

Der Deutsche Mieterbund rechnet mit Einsparmöglichkeiten von bis zu 200 Euro pro Heizsaison für eine vierköpfige Familie in einer entsprechend großen Wohnung, in der bisher die Fenster dauerhaft auf Kipp stehen im Winter.

Beim Heizen auf einer Standardtemperatur bleiben

Außerdem sollte man für jeden Raum eine Wohlfühltemperatur einrichten und sie dann so belassen, egal ob bei 17 oder 22 Grad. Die Heizung immer rauf und runter zu drehen ist unnötige Energieverschwendung.

Ein Grad kühler spart bis zu 115 Euro bei einer Gasheizung

Der Tipp: Wer die Heizung minimal runterdreht, verliert nicht an Komfort. Er spart aber Geld. Die optimale Temperatur von Wohnräumen liegt laut der Deutschen Energie-Agentur (dena) bei 19 bis 21 Grad. Im Schlafzimmer kann es weniger sein, aber nicht unter 16 Grad.

Was bringt das?
Jedes Grad weniger spare rund sechs Prozent Heizenergie ein, erklärt die gemeinnützige Beratungsgesellschaft co2online in Berlin. Das haben Stichproben bestätigt. Bei einem durchschnittlichen unsanierten Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern und 22 500 Kilowattstunden Verbrauch pro Jahr lassen sich mit einer Gasheizung 1350 Kilowattstunden und damit etwa 115 Euro pro Jahr einsparen. Bei Heizöl macht es 65 Euro aus. Im teilsanierten Altbau mit 18 000 Kilowattstunden Verbrauch sind bei einer Gasheizung 1080 Kilowattstunden und 90 Euro möglich, mit Ölheizung 55 Euro.

Einzelne Räume können auch unterschiedlich stark beheizt werden. Im Wohnzimmer mögen es die meisten wärmer, im Schlafzimmern kühler. Das ist auch kein Problem, so lange die Türen dann auch immer zu bleiben. Wenn sie abends lange aufstehen, findet sofort ein Wärmeaustausch statt. "Wenn immer wieder warme und kalte Temperaturen in einem Raum zusammentreffen, bildet sich Feuchtigkeit und es kann Schimmel entstehen", warnt Holtschmidt.

Aber auch andere Umwelteinflüsse sind für Schimmel verantwortlich. Vor allem in unsanierten Gebäuden findet man die dunklen Flecken in Zimmerecken oder am Fenster. Wenn die betroffenen Stellen auch durch regelmäßiges Lüften nicht besser werden, kann eine bessere Dämmung helfen.

Thermostatventil installieren: Rund 155 Euro im Jahr sparen

Der Tipp: Über einen programmierbaren Temperaturregler lässt sich die Wunschtemperatur einstellen, er kann aber auch zeitweise die Heizung abstellen oder die Wärmezufuhr an den Raum mindern - etwa bei Abwesenheit oder nachts, wenn man unter der warmen Decke liegt. Selbst in Mietshäusern können Bewohner ihre eigenen Thermostatventile installieren, diese gibt es ab rund 30 Euro im Handel.

Was bringt das?
Laut co2online lassen sich mit programmierbaren Thermostaten etwa zehn Prozent Energie einsparen. Bei einem Einfamilienhaus mit 150 Quadratmeter Fläche und acht Heizkörpern kann das Austauschen der über 15 Jahre alten Thermostatventile gegen programmierbare Modelle 155 Euro im Jahr Ersparnis bedeuten. Der Preis für die neuen Geräte beträgt 10 bis 50 Euro pro Heizkörper.

Heizung regelmäßig warten

Auch die Heizungsanlage birgt unnötige Kosten. Wenn die Anlage älter ist und nicht regelmäßig gewartet wird, geht Wärme ungenutzt verloren. Ein Anzeichen dafür ist zum Beispiel ein warmer Heizungskeller. Dagegen hilft zum Beispiel ein neuer Heizkessel. Nach Informationen der dena kann sich ein Austausch bereits nach 15 Jahren lohnen.

Oft helfen aber auch kleinere Maßnahmen, um die Heizkosten zu reduzieren. Wer zum Beispiel "gluckernde Heizungen" im Haus hat, sollte sie entlüften.

Heizkörper entlüften spart etwa 20 Euro im Jahr

Der Tipp: Befindet sich Luft in den Heizkörpern, können diese nicht richtig warm werden. Obendrein gluckern sie auch noch. Daher sollte man vor Beginn der Heizsaison die Heizkörper entlüften - indem man das Entlüftungsventil an der Seite aufdreht.

Was bringt das?
co2online schätzt, dass jährlich 20 Euro Ersparnis bei den Heizkosten durch das Entlüften möglich sind. Das entspricht einer angenommenen Einsparung von 1,5 Prozent.

Die Außenanlagen nicht vergessen

Nicht nur das Innere des Hauses sollte auf den Winter vorbereitet werden, sondern auch Garten, Balkon und Dach haben einige kälteempfindliche Stellen.

Wasserleitungen im Außenbereich können bei Minusgraden leicht gefrieren. Rohre in den Hauswänden oder im Erdreich sollten rechtzeitig abgedreht werden. Wenn doch mal ein Rohr platzt muss sofort ein Fachmann bestellt werden, um Feuchtschäden zu vermeiden.

Dachrinnen von Herbstlaub befreien

Durch das Herbstlaub verschmutzen die Dachrinnen schnell. Wenn dann noch die Fallrohre verstopfen, läuft das Wasser in den Rinnen über und kann Schäden an der Fassade verursachen. Daher sollten sie regelmäßig gereinigt werden.

Wer professionelle Hilfe beim energieeffizienten Umbau seines Hauses sucht, kann sich gleich an mehrere Stellen wenden. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) vermittelt zum Beispiel Energieeffizienz-Experten. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau fördert Einzelmaßnahmen, wie zum Beispiel den Austausch eines Heizkessels. Wer eine Vor-Ort-Beratung von einem Experten in Anspruch nimmt, erhält eine staatliche Förderung von bis zu 400 Euro. (mit Inhalten aus dpa)

Dieser Beitrag wurde aktualisiert am 11.10.2016

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