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Kohle-, Erdgas- und Ölimporte kosten 68 Milliarden Euro Energiebilanz: Deutschland hängt am Tropf von Russland

Im deutschen Energiemix haben die erneuerbaren Energieträger 2018 ihren Anteil weiter ausgeweitet. Wichtigste Energiequelle bleibt aber das Mineralöl.

Laut Jahresbericht der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen deckten Biomasse, Solar­- und Windenergie, Wasserkraft sowie Geothermie im vergangenen Jahr 14 Prozent des gesamten inländischen Energieverbrauchs ab. Mit einem Anteil von 34,3 Prozent steht aber Mineralöl weiter an erster Stelle, gefolgt von Erdgas (23,7), Stein- und Braunkohle (21,3) sowie Atomkraft (6,4).

Insgesamt stammten bei der Energiegewinnung jedoch nur 30 Prozent aus heimischen Ressourcen. Den Rest bezieht Deutschland aus dem Ausland. Dabei hat sich Russland zum mit Abstand wichtigsten Lieferanten ent­wickelt. 36,3 Prozent der Rohölimporte kommen von dort, zusammen mit den anderen Staaten der ehemaligen Sowjetunion beträgt der Anteil sogar fast 53 Prozent. Insgesamt 68 Milliarden Euro wurde in Deutschland vergangenes Jahr für den Import von Kohle, Erdgas und Öl ausgegeben.

Dabei lag der Energieverbrauch in Deutschland 2018 auf dem niedrigsten Niveau seit Anfang der 1970er-Jahre. Mit einer Gesamthöhe von 12.963 Petajoule (PJ) oder 442,3 Millionen Tonnen Steinkohleneinheiten (Mio. t SKE) war er zudem um 3,5 Prozent niedriger als 2017. Verantwortlich für diese Entwicklung sind nach Angaben AG Energiebilanzen die deutlich gestiegenen Energiepreise, die milde Witterung sowie ein starker Anstieg der Energieeffizienz. Ohne den Einfluss der milden Witterung wäre der Energieverbrauch um 2,4 Prozent gesunken.

Deutliche Effizienzsteigerung

Überrascht zeigte sich die AG Energiebilanzen vom sprunghaften Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Energieproduktivität um 5,2 Prozent (temperaturbereinigt: + 4,0 Prozent). Diese Kenngröße für den effizienten Umgang mit Energie berechnet sich aus dem Energieaufwand je Einheit Wirtschaftsleistung. Das langjährige Mittel liegt bei etwa 2 Prozent.

Die Entwicklung des Verbrauchs, aber auch strukturelle Veränderungen beim Energiemix hatten zur Folge, dass sich die energiebedingten CO2-Emissionen in Deutschland 2018 um 34 Millionen Tonnen verminderten. Das entspricht einem Rückgang um 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch unter Berücksichtigung des Temperatureffekts ist die Minderung mit knapp 4 Prozent bzw. 27 Millionen Tonnen noch deutlich.

Der Verbrauch von Mineralöl verminderte sich 2018 um 5,0 Prozent auf 4.443 PJ (151,6 Mio. t SKE). Mit Ausnahme der Flugkraftstoffe verzeichneten alle Mineralölprodukte einen Rückgang: Diesel um 3,1 Prozent, Benzin um 1,4 Prozent.

Verbrauch von Flugkraftstoffen steigt

Mit 16 Prozent war der Absatzrückgang beim leichten Heizöl besonders stark, allerdings gebe es Hinweise darauf, dass die Verbraucher angesichts hoher Preise zunächst ihre Vorräte aufgebraucht haben und der tatsächliche Verbrauch höher liegt als der Absatz des Handels. Bei den Flugkraftstoffen stieg der Verbrauch um 2,3 Prozent.

Der Erdgasverbrauch lag 2018 bei 3.071 PJ (104,8 Mio. t SKE) und damit um 1,6 Prozent unter dem Vorjahr. Hauptgrund: Vergangenes Jahr war es um rund 7,5 Prozent wärmer als 2017 und um 12,3 Prozent milder als im langjährigen Durchschnitt.

Der Verbrauch an Steinkohle erreichte nach einem Rückgang um 11,2 Prozent auf 1.301 PJ (44,4 Mio. t SKE) das niedrigste Niveau in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Der Abwärtstrend spiegelt den Ausbau der erneuerbaren Energien in der Stromerzeugung wider. Ende 2018 wurde der industrielle Steinkohlenbergbau eingestellt. Zukünftig muss Deutschland seinen Bedarf an Steinkohle durch Importe decken.

Der Verbrauch von Braunkohle sank zum sechsten Mal in Folge und erreichte eine Höhe von 1.465 PJ (50,0 Mio. t SKE). Der Rückgang lag bei 2,9 Prozent. Bis 2020 wird sich der Einsatz von Braunkohle zur Stromerzeugung infolge der Überführung von Anlagen in die Sicherheitsbereitschaft um 13 Prozent gegenüber 2015 vermindern.

Bei der Kernenergie kam es zu einem leichten Minus von 0,4 Prozent. Insgesamt leistete die Atomkraft vergangenes Jahr noch einen Beitrag von 829 PJ (28,3 Mio. t SKE) zur Energiebilanz.

Viel Sonne für Photovoltaik

Die erneuerbaren Energien profitierten vom Leistungszubau – speziell bei der Photovoltaik – sowie von den teils extremen Wetterverhältnissen und steigerten ihren Anteil am Energieverbrauch um 1,1 Prozent auf 1.809 PJ (61,7 Mio. t SKE). Die Zahl der Sonnenstunden erreichte ein Rekordniveau, so dass die gesamte Energienutzung durch Photovoltaik einen Zuwachs von 16,5 Prozent verbuchen konnte.

Auch die Windenergie verzeichnete ein Rekordjahr und steigerte ihren Beitrag um 5,6 Prozent. Demgegenüber sorgte die extreme Niederschlagsarmut für einen Einbruch von fast einem Fünftel bei der Wasserkraft (ohne Pumpspeicher). Die Biomasse, deren Anteil am Beitrag der erneuerbaren Energien aktuell bei 53,6 Prozent liegt, verzeichnete vornehmlich auf Grund der milderen Witterung ein Minus von 2 Prozent. Die Geothermie verharrte auf dem Vorjahresniveau.

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