Energetisches Sanieren: Steuervorteile schon in diesem Jahr möglich

Der Finanzausschuss des Deutschen Bundestags hat grünes Licht für die steuerlichen Förderpläne der Bundesregierung zum energetischen Sanieren gegeben. Für das Handwerk und für das Baugewerbe dürfte dieser Entwurf für einen Auftragsboom sorgen. Von Bernhard Köstler

Energetisches Sanieren: Steuervorteile schon in diesem Jahr möglich

Aus diesem Grund sollten Unternehmer der Handwerks- und Baubranche auf diesen Boom aufspringen und das energetische Sanieren in ihre Leistungspalette aufnehmen. Zeit, geeignetes Personal einzustellen, sich zu spezialisieren und Mitarbeiter schulen zu lassen, ist vorhanden.

Die gute Nachricht: Die schnellere Abschreibung für Vermieter bzw. der Sonderausgabenabzug für Eigenheimbesitzer winkt nun nicht erst für Sanierungsmaßnahmen, die ab 1. Januar 2012 beginnen, sondern bereits für Maßnahmen ab dem 6. Juni 2011 (Deutscher Bundestag, Pressemitteilung v. 29.6.2011).

Sonderabschreibung für Vermieter

Vermietet ein Steuerzahler eine Immobilie zu Wohnzwecken und lässt energetische Sanierungsarbeiten durchführen, stuft das Finanzamt die Sanierungskosten derzeit als Herstellungskosten ein und erkennt Werbungskosten im Rahmen der Restgebäudeabschreibung an.

Beispiel zur derzeitigen Rechtslage

Vermieter Huber lässt energetische Sanierungsarbeiten an einer zu Wohnzwecken vermieteten Immobilie durchführen. Kostenpunkt: 10.000 Euro. Die restliche Gebäudeabschreibung für diese vermietete Immobilie beträgt 30 Jahre.

Folge: Die 10.000 Euro Sanierungskosten sind über 30 Jahre verteilt als Werbungskosten abziehbar, konkret nur schlappe 333 Euro pro Jahr. Der Anreiz, energetisch zu sanieren, hält sich angesichts dieser mickrigen jährlichen Steuerersparnis in Grenzen. Nach dem aktuellen Gesetzentwurf sollen Vermieter durch steuerliche Vergünstigungen einen Anreiz bekommen, energetische Sanierungen durchführen zu lassen. Für zu Wohnzwecken vermietete Immobilien, die vor dem 1. Januar 1995 hergestellt wurden, sollen Vermieter die Kosten für energetische Sanierungsarbeiten auf zehn Jahre verteilt als Werbungskosten abziehen dürfen.

Beispiel zur geplanten Rechtslage

Vermieter Huber aus unserem Beispiel dürfte nach der geplanten Änderung nach § 7e Einkommensteuergesetz also 1.000 Euro Werbungskosten pro Jahr geltend machen.

Die kürzere Abschreibungsdauer darf nur in Anspruch genommen werden, wenn für dieselbe Maßnahme keine zinsverbilligten Darlehen und keine steuerfreie Zuschüsse in Anspruch genommen werden und wenn Vermieter keinen Anspruch auf steuerliche Vergünstigungen nach den §§ 7h und 7i Einkommensteuergesetz haben. Voraussetzungen sind zudem, dass ganz bestimmte energetische Maßnahmen beauftragt werden (Grenzwerte für Jahres-Prämienenergiebedarf und Transmissionswärmeverlust).

Ob diese Maßnahmen erfüllt sind, muss durch eine Bescheinigung einer sachkundigen Person im Sinn des § 21 der Energieeinsparverordnung nachgewiesen werden. Die steuerlichen Vergünstigungen winken für energetische Sanierungsmaßnahmen, mit denen nach dem 31. Dezember 2011 begonnen wird.

Auch Eigenheimbesitzer begünstigt

Steuerliche Vergünstigungen winken auch Eigentümern, die in ihrem Eigenheim energetische Sanierungsarbeiten durchführen lassen. Begünstigt sind Maßnahmen, die nach dem 31. Dezember 2011 begonnen werden.

Die Sanierungskosten dürfen über zehn Jahre verteilt als Sonderausgaben abgezogen werden.

Beispiel: Frau Müller möchte an ihrem Eigenheim energetische Sanierungsarbeiten durchführen lassen. Kosten: 20.000 Euro. Sie lässt die Sanierungsarbeiten a) im Herbst 2011 bzw. b) im März 2012 durchführen. Folge: Nach derzeitiger Rechtslage wären die Sanierungskosten reines Privatvermögen und somit steuerlich nicht abziehbar (Variante a). Lässt Frau Huber die Arbeiten erst 2012 durchführen, winkt ihr in den nächsten zehn Jahren pro Jahr ein Sonderausgabenabzug von 2.000 Euro.

Fazit: Kommt dieses Gesetz wie geplant, dürfen sich Handwerker und Unternehmer der Baubranche auf einen kräftigen Auftragsboom freuen. Voraussetzung ist jedoch, dass energetische Sanierungsarbeiten in die Leistungspalette aufgenommen werden.