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Brauer und Mälzer Kevin Pagenkopfs Weg in die Selbstständigkeit

Mit seinem Wunschberuf in die Selbstständigkeit gehen – dieses Ziel hat sich Kevin Pagenkopf gestellt. Der 33-jährige Brauer und Mälzer verwirklicht sich derzeit ­seinen Traum von einer eigenen Brauerei mit angeschlossener Gastwirtschaft in Gera.

Schon als Schüler war er begeistert vom Beruf des Brauers und Mälzers. Er hat in den Ferien in der Köstritzer Schwarzbierbrauerei gearbeitet und schließlich dort auch seine Lehre absolviert. "Die Tradition des Brauhandwerks – die Vielseitigkeit und die Rohstoffe sowie der Weg von Gerste, Hopfen und Hefe hin zu fertigem Bier – hat mich schon immer begeistert." Nach seiner Arbeit in der Brauerei und weiteren beruflichen Stationen fasste er im vergangenen Jahr den Entschluss: Ich mache mich selbstständig.

Geholfen haben ihm dabei vor allem die Unterstützung Thüringer Zentrum für Existenzgründung und Unternehmertum (ThEx) sowie die verschiedensten Fördermöglichkeiten, beispielsweise über den Europäischen Sozialfond, die GFAW und viele weitere.

In der Stadt der Bierhöhler fündig geworden

Nach langer Suche fand er ein geeignetes Objekt im Steinweg in Gera. "Die Stadt der Höhler, die früher zur Bierlagerung genutzt wurden, bot sich da hervorragend an. Es gibt aus meiner Sicht keinen besseren Standort, um die Brautradition hochzuhalten", ist er sich sicher.

Kevin Pagenkopf kaufte eine gebrauchte Brauanlage und ist derzeit dabei, seine kleine Brauerei mit angeschlossener Schankwirtschaft einzurichten. Kein einfaches Unterfangen. Genehmigungen einholen, Auflagen berücksichtigen und geeignete Handwerker finden – das braucht seine Zeit. "Ich hoffe es ist bald soweit. Wenn alles klappt, können wir im April Eröffnung feiern", freut er sich schon darauf.

Mit vier Zutaten ganz eigenen Geschmack finden

Man merkt Kevin Pagenkopf die Begeisterung für seinen Beruf an. Ganz traditionell möchte er brauen. Gerstenmalz, Hopfen, Hefe und Wasser – mehr als diese vier Zutaten braucht es nicht. Bevor jedoch sein Bier den ganz eigenen Geschmack erhält, gehört noch mehr dazu. "Mittels Osmose bereiten wir das Wasser auf, verschiedene Hefestämme sorgen für den ganz eigenen Geschmack. Und das Gerstenmalz stellen wir dann auch selbst her", erläutert er. Zweimal wöchentlich möchte er nach der Eröffnung brauen, wobei als Endergebnis jeweils 800 bis 1.000 Liter Bier stehen.

Nach einer Woche Gärung und vier bis fünf Wochen Lagerung ist der beliebte Gerstensaft dann fertig. Neben den Sorten "Ger’sch Hell" und "Ger’sch Dunkel" sind auch saisonale Biere geplant, wie beispielsweise ein Märzen im März oder Bockbier im Mai.

Bräustübl, Seminare und vieles mehr

"Natürlich können Interessierte beim eigentlichen Brauvorgang, der etwa acht Stunden dauert, mir über die Schulter schauen", lädt er schon jetzt ein. Neben der Brauanlage wird es außerdem ein uriges Bräustübl geben, in dem neben den selbst gebrauten Bieren (die es auch zum Mitnehmen gibt) ebenso andere alkoholfreie und alkoholische Getränke im Angebot sein werden. Für das leibliche Wohl ist mit rustikalen Brotzeiten und verschiedenen Häppchen gesorgt. Nicht zuletzt plant er die Durchführung von Brauseminaren für alle Interessierten.

Kevin Pagenkopf ist einer von lediglich noch acht bei der Handwerkskammer für Ostthüringen eingetragenen handwerklichen Brauern und Mälzern in Ostthüringen. Umso schöner ist es, dass er den Mut gefasst hat, in diesem seltenen Handwerksberuf den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen und damit die Tradition des handwerklichen Brauens und Mälzens hochzuhalten.

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