Bayerischer Handwerkstag -

Koordinierungsstelle Emotionen erkennen, Schlüsse ziehen, Gesundheit fördern

Künftig will eine Koordinierungsstelle der Krankenkassen Handwerksbetriebe bei der Gesundheitsförderung ihrer Mitarbeiter unterstützen.

Rund 40 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland arbeiten in Klein- und Kleinstunternehmen. Dabei nutzt nur ein Fünftel der Betriebe gesundheitsfördernde Aktivitäten. Wie die betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) speziell Handwerksbetriebe erreichen und was sie dabei leisten kann, zeigten die gesetzlichen Krankenkassen in Bayern (ARGE) gemeinsam mit dem Bayerischen Handwerkstag (BHT) in der Veranstaltung „Der Mensch im Mittelpunkt – Grundlage für Ihren Unternehmenserfolg“.

Belastungen verringern

Körperliche Arbeit gehört in Handwerksbetrieben oft zum Alltag. Mit BGF-Maßnahmen lassen sich Belastungen der Beschäftigten verringern und die persönlichen Ressourcen stärken. Allerdings fehlen kleinen und mittelständischen Unternehmen oftmals die Erfahrung und innerbetrieblichen Mittel zur Umsetzung. Hier setzt die bayerische BGF-Koordinierungsstelle der Krankenkassen an: Sie unterstützt mit ihrem Online-Beratungsportal Handwerksbetriebe bei Analyse, Aufbau und Evaluation gesundheitsfördernder Maßnahmen.

Ziel der kostenfreien Beratung ist es, kleine und mittlere Betriebe niedrigschwellig, standortnah und individuell mit BGF zu erreichen. Dass Handlungsbedarf besteht, machte Gerhard Fuchs, Vorstand der Audi BKK, klar: „Vor allem körperliche und psychische Leiden führen zu Fehlzeiten in Unternehmen.“

Werner Winter, Fachbereichsleiter betriebliches Gesundheitsmanagement der AOK Bayern, stellte die BGF-Koordinierungsstelle vor. Diese bietet eine individuelle, kostenfreie und wettbewerbsneutrale Beratung. In der Regel telefonisch, bei Bedarf aber auch persönlich vor Ort.

Gesund und arbeitsfit

Franz Xaver Peteranderl, Präsident des Bayerischen Handwerkstages, betonte: „Der Fachkräftebedarf im Handwerk ist groß, gut ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind auf dem Arbeitsmarkt schwierig zu finden. Deshalb ist es wichtig, dass die Betriebsinhaber und ihre Mitarbeiter lange gesund und arbeitsfit bleiben. Betriebe können bei der Akquise und Bindung von Mitarbeitern punkten, indem sie verstärkt auf betriebliche Gesundheitsförderung setzen.“

Dass die Gesundheitsförderung in Betrieben sowohl Arbeitnehmern als auch Arbeitgebern nützt, hob Prof. Dr. Stephan Gronwald, Dekan der Fakultät Angewandte Gesundheitswissenschaften, hervor. Der Experte für betriebliches Gesundheitsmanagement und Arbeitssicherheit zeigte auf, wie Emotionen die Arbeit beeinflussen und mit Stress, Belastungen und Erkrankungen zusammenhängen: „Emotionen geben wichtige Infos, ob und welche Ziele und Bedürfnisse gerade bedroht sind.“

Mit einfachen Maßnahmen zur Kommunikation und zur Verbesserung des Miteinanders könne man – ohne großen Aufwand und vor allem selbstständig – körperliche und psychische Belastungen von Arbeitnehmern im Arbeitsalltag mindern und damit die Arbeitsproduktivität steigern. „Handwerksbetriebe setzen solche Dinge schnell um. Allerdings muss der Chef voll dahinterstehen“, betont Gronwald.

Andreas Mayr, Geschäftsführer der Schreinerei Ludwig Mayr aus dem oberbayerischen Manching, berichtete, dass Gesundheitsvorsorge und regelmäßiges Coaching in seinem Unternehmen seit Jahren fest implementiert seien: „Die Mitarbeiter nehmen es gut an. Man braucht aber Geduld.“ Das bestätigt auch Günter Steinmetz, Chef der gleichnamigen Zimmerei im mittelfränkischen Uffenheim: „Die Mitarbeiter waren erstmal skeptisch.“ Steinmetz ließ sie zu Themen wie Arbeit, Befinden und Wertschätzung befragen.

Die Ergebnisse gaben auch dem Chef zu denken: „Da musste ich teilweise erstmal schlucken. Dennoch flossen sie in die Organisation des Betriebs ein. Die ARGE der gesetzlichen Krankenkassen in Bayern kooperiert mit dem BHT mit dem Ziel, Maßnahmen der BGF flächendeckend zu etablieren. Die ARGE-Kooperationsgemeinschaft hat folgende Mitglieder: AOK Bayern, BKK-Landesverband Bayern, IKK classic, Knappschaft, Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau als landwirtschaftliche Krankenkasse und Pflegekasse sowie der Verband der Ersatzkassen (vdek).

Weitere Informationen gibt es im Internet unter bgf-koordinierungsstelle.de/bayern

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten