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Zertifizierte technische Sicherheitseinrichtung Elektronische Kassen: Mit TSE manipulationssicher aufgezeichnet

Swissbit erhielt eines der beiden ersten TSE-Zertifikate. Hubertus Grobbel erläutert im Interview, was die Umsetzung für einen Hersteller bedeutet.

Herr Grobbel, es gibt eine Übergangsfrist bis 30. September, weil der Markt die neuen Anforderungen an TSE nicht pünktlich bedienen konnte. Woran lag das?
Hubertus Grobbel: Die Vorlage der Spezifikationen durch das Bundesfinanzministerium, die Finanzdirektionen und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hätte deutlich früher kommen können. Dadurch war die TSE als Fiskalmodul schon von Beginn an auf einem kritischen Pfad. Die rechtzeitige Implementierung war mit großer Anstrengung zu schaffen. Bei Bestellung im März wird der Steuerpflichtige vom Kassenhersteller und dem Fachvertrieb verlässlich mit unserer TSE ausgerüstet sein. Insofern ist erst die Übergangsfrist der Garant für Rechtzeitigkeit. Das war ein notwendiger Schritt mit Augenmaß seitens des Bundesfinanzministeriums.

Welche Anforderungen mussten Sie erfüllen, um die Zertifizierung des BSI zu erhalten?
Grobbel: Die technischen Anforderungen wurden vom BSI in den Technischen Richtlinien TR-03153, TR-03145, PP-CSP (EAL4+) und PP-SMAERS (EAL 2) festgelegt. Diese insgesamt vier Zertifizierungen haben wir zum 20. Dezember 2019 erfüllt.

Wurde die TSE-Lösung bei Ihnen im Haus entwickelt?
Grobbel: Ja, wir haben diese auf Basis unserer Erfahrungen mit integrierten Sicherheitslösungen in Verbindung mit höchst zuverlässigen Flash-Speichermedien realisiert.

Wie setzen Sie Anforderungen um?
Grobbel: Entscheidend ist die frühe Einbindung in die Entstehung einer Lösung, da hier seitens des BSI ein technologieoffener Ansatz gewählt wurde, der Freiheiten gibt, aber im Gegenzug auch erfordert, dass Kundenziele von Anfang an berücksichtigt werden.

Wo liegen da die Schwierigkeiten?
Grobbel: Generell gilt: Je präziser die Vorgaben, desto klarer ist die Lösung definiert. Es ist ein vieldimensionaler Vorgang, der in ein unscheinbares Produkt als SD, microSD oder USB in der Größe einer Büroklammer mündet.

Wie lange hat der Umsetzungs­prozess gedauert?
Grobbel: Das war ein über dreijähriger Prozess, in dem es viel mit Behörden, Verbänden, Kassenherstellern, aber auch im Hinblick auf den Endnutzer Prozesse und Schnittstellen abzustimmen gab. Nicht zu vergessen der breite Feldtest des DFKA. Das erfolgreiche Durchlaufen aller Prozesse war uns ein großes Anliegen. Denn zertifiziert heißt nicht automatisch marktreif.

Was sollten Unternehmer jetzt tun?
Grobbel: Unternehmer sollten die Übergangsfrist nutzen und das Gespräch mit ihrem Kassenhersteller und vielleicht auch mit ihrem Steuerberater suchen.

Was genau versteht man unter einer zertifizierten technischen Sicherheitseinrichtung (TSE)?
Grobbel: Bis spätestens zum 30. September 2020 müssen elektronische Aufzeichnungssysteme über eine zertifizierte technische Sicherheitseinrichtung verfügen, die aus drei Bestandteilen besteht: einem Sicherheitsmodul, das gewährleistet, dass Kasseneingaben mit Beginn des Aufzeichnungsvorgangs protokolliert und später nicht mehr unerkannt verändert werden können, einem Speichermedium, auf dem die Einzelaufzeichnungen für die Dauer der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist gespeichert werden und einer einheitlichen digitalen Schnittstelle, die eine reibungslose Datenübertragung für Prüfungszwecke gewährleistet. Das hört sich kompliziert an, ist es in gewisser Weise auch, aber in der Anwendung so einfach wie eine SIM-Karte einzusetzen und nicht wahrnehmbar.

  Was sind die technischen Voraussetzungen für eine TSE?
Grobbel: Die TSE von Swissbit nutzt Standardschnittstellen für Speichermedien wie USB, microSD und SD. Dadurch können Kassenhersteller auch bestehende Systeme aufrüsten. Das war allen Beteiligten sehr wichtig, dass Kassensysteme nicht aufgrund der Fiskalgesetzgebung entsorgt werden müssen, sondern nachgerüstet werden können.

Was bedeutet die TSE-Pflicht für Handwerksunternehmer? Müssen sie sich eine neue Kasse kaufen oder können sie ihre alte Kasse umrüsten?
Grobbel: Unternehmer sollten beim Lieferanten ihrer Kasse nachfragen, ob eine Umrüstung möglich ist. Wir haben alles getan, damit jedes System aufrüstbar ist. Der Kassenhersteller muss aufgrund der ganz neuen Anforderungen seine Software in vielen Belangen neu schreiben. Das wird nicht auf allen, aber auf den meisten Kassen funktionieren.

Ist Ihr Produkt nun flächendeckend auf dem Markt verfügbar oder müssen Handwerksunternehmer mit längeren Lieferzeiten rechnen?
Grobbel: Unsere Lösung für manipulationssichere Aufzeichnung von Kassendaten wird über die Distributoren Gastro-MIS, Jarltech und Partner Tech vertrieben und unser Werk in Berlin kann die benötigten Stückzahlen liefern. Der Steuerpflichtige sollte die Übergangsfrist konstruktiv nutzen und jetzt das Gespräch mit seinem Kassenhersteller suchen und vielleicht auch seinen Steuerberater um Rat fragen. Dann ist alles rechtzeitig implementiert.

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