Meisterstücke -

Elektrotechnik Elektroniker mit Hang zur Perfektion

Werner Klotter setzt mit seiner Elektrotechnikfirma Maßstäbe in Angebot und Organisation. Dafür gab und gibt er immer vollen Einsatz.

Werner Klotter mit Auszubildenden
Werner Klotter kennt den Fachkräftemangel seit seiner Firmengründung. Jedes Jahr stellt er deshalb neue ­Auszubildende ein. -

Werner Klotter macht gerne Öffentlichkeitsarbeit. Das sei seine Leidenschaft, sagt der 53-jährige Unternehmer mit einer Elektrotechnikfirma in Rheinau in der Nähe von Offenburg. Wer das Unternehmen kennt, weiß, dass gute Nachrichten – in welcher Form auch immer – zu Klotters Strategie gehören. "Wenn du gute Arbeit machst, spricht sich das rum." Und Klotters gute Arbeit spricht sich so gut rum, dass er permanent Fachkräfte sucht.

Auf vier Standbeinen steht sein Betrieb. Seine 66 Mitarbeiter modernisieren die Technik älterer Industriemaschinen, bauen pro Jahr rund 200 Trafostationen, versorgen Industriebetriebe, Krankenhäuser und Rechenzentren mit Schaltanlagen bis zu 6.000 Ampere und warten all diese Anlagen noch dazu. Nebenbei haben Klotter und seine Fachkräfte ein Alarmgerät gegen den Diebstahl von Kupferkabeln entwickelt sowie ein vor allem in Westdeutschland noch seltenes Angebot für Arbeiten unter Spannung etabliert.

Spontane Entscheidung, sich selbstständig zu machen

Was heute selbstverständlich anmutet, war vor 15 Jahren mit der Firmengründung nicht so leicht. Klotter lernte Energieanlagenelektroniker beim Bauunternehmen Züblin und bestand seine Gesellenprüfung mit Auszeichnung. Züblin setzte immerhin so viel Vertrauen in seine Fähigkeiten, dass die Firma ihn 1980/81 als Baustellenleiter auf eine Großbaustelle im syrischen Aleppo schickte. Nach der Technikerschule, der Bundeswehr und Beschäftigungen bei verschiedenen Firmen entschied er sich 1996 spontan, sich selbstständig zu machen. Seine Frau Roswitha wusste: "Du schaffst das."

Heute sagt Werner Klotter, dass er sich ohne diesen Zuspruch seiner Frau wohl nicht so ohne weiteres für die Selbstständigkeit entschieden hätte. Denn was folgte, waren Jahre voller Ungewissheit, Arbeit und einem Haufen Schulden. "Die ersten drei Jahre habe ich ,geschafft wie e Brunneputzer‘", sagt Klotter im schönsten badischen Dialekt. Er habe wirklich alles alleine gemacht, Büro, Service, Reparaturen, Akquise – sieben Tage die Woche.Doch Klotter hielt durch. Mehr Kunden und kontinuierlich steigende Umsätze erlaubten es ihm, seinen ersten Monteur einzustellen.

Guter Ruf durch gute Arbeit

1999 kam dann der erste große Auftrag für den Bau einer Flugzeugmontagestraße in Tel Aviv mit einem Volumen von 1,2 Millionen Euro. Zwar wurde aus dem Bau letztlich nichts, doch Klotter hatte die Auftraggeber offensichtlich so überzeugt, dass er weiterempfohlen worden war und Aufträge für neun weitere Flugzeugmontagestraßen folgten.Seitdem setzt der Firmenchef genau auf diese Mundpropaganda und seine gute Arbeit. Klotter sagt, man müsse die Kunden so überzeugen, dass eine Empfehlung zwangsläufig ist.

Für die gute Arbeit brauche es wiederum zwei wichtige Dinge: Fachräfte und den Anspruch, alles perfekt zu machen. Sein Hang zur Perfektion helfe ihm, Fehler zu vermeiden. Die geht so weit, dass beispielsweise Verkabelungen für Schaltanlagen so sauber montiert sein müssen, als sähen die Kabel wie gebürstete Haarsträhnen aus. In der Montagehalle gibt es außerdem ein Null-Fehler-Tor. Bevor ein Produkt die Halle verlässt, wird alles sehr präzise durchgeprüft.Diese Qualität gibt es jedoch nicht ohne gute Fachkräfte.

Was zählt sind Klima und Vertrauen

Klotter kennt den Fachkräftemangel, seit er angefangen hat, sagt er. Umso mehr in einer so prosperierenden Gegend wie Mittelbaden. Zehn Stellenausschreibungen stehen derzeit auf seiner Webseite. Da die Suche jedoch äußerst mühsam und oft vergeblich ist, setzt er auf Ausbildung. Seinen ersten Lehrling stellte er 2001 ein. Stefan Burkart arbeitet noch immer für ihn und leitet inzwischen die Fertigung Schaltanlagen- und Verteilerbau.Für das kommende Jahr hat er bereits vier Lehrlinge eingestellt. Die jungen Leute kommen jedoch nicht zu Klotter, weil er so gut bezahlt. Die Gehälter sind eher durchschnittlich und finanziell wäre bei der Industrie meist mehr drin. Was nach Ansicht des Chefs aber viel wichtiger ist, ist das Betriebsklima und das Vertrauen in die Kompetenz der Mitarbeiter.

Für Klotter sind seine Fachkräfte nicht einfach nur Erfüllungsgehilfen zum Abarbeiten eines neuen Auftrags. Stattdessen will er in ihnen den Unternehmer im Unternehmen wecken und stattet sie deshalb mit besonderen Kompetenzen aus. Wenn ein neues Projekt ansteht, sind sie allein verantwortlich für dessen Abwicklung. Der Vorteil ist: Kunden haben immer denselben Ansprechpartner und die Mitarbeiter kennen sich mit allen Auftragsschritten aus. Abgesehen davon wird das Arbeiten für die Mitarbeiter sehr viel abwechslungsreicher.

In zehn Jahren soll die Übergabe vollzogen sein

Eric Albrecht weiß das zu schätzen. Der Geselle hat bei Klotter gelernt und schwärmt von den Freiheiten, die ihm der Chef lässt. Zurzeit absolviert er in Teilzeit Teil III und IV der Meisterprüfung. Die ersten beiden Teile hat er im vergangenen Jahr schon in Vollzeit – unterstützt von Werner Klotter – hinter sich gebracht. Auch für seine Kinder hat er bereits einen Platz in seiner Firma vorgesehen. Tochter Amelie absolviert eine kaufmännische Lehre und könnte irgendwann den "dringend benötigten" Part einer Controllerin übernehmen. Sohn Fabian wird nach dem Studium ins Unternehmen einsteigen.

Die Übergabe will Klotter in zehn Jahren hinter sich gebracht haben. Denn so gern er sich für seine Firma engagiert, so sehr kennt er inzwischen seine Grenzen.„Ich bedauere, dass ich gesundheitlich einfach nicht noch mehr leisten kann“, sagt Klotter, der vor zwei Jahren einen Hörsturz erlitten hat. Seine Ärzte fragten ihn, wann er denn das letzte Mal Urlaub gemacht hätte. Den gönnt er sich seither regelmäßig. Um die Fortsetzung seines Lebenswerks ist ihm trotzdem nicht bange: „Ich will eine Firma aufbauen, die ohne mich funktioniert.“ Inzwischen scheint er, was das betrifft, ein wenig gelassener zu sein. Gerade erst hat er ein angrenzendes Grundstück für eine neue Produktionshalle und Verwaltungsgebäude gekauft.

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