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Möbel aus Altholz Einmaliges vom Unikat

Schreiner Klaus Janson fertigt Möbel und Fußböden aus Altholz. So gut, dass seine Kunden auch monatelange Wartezeiten in Kauf nehmen

Mit 19 sieht Klaus Janson die Welt zum ersten Mal von oben. Gerade eben hat ihn sein Chef von den Vereinigten Werkstätten zum Flughafen München gefahren. Jetzt sitzt er in der Maschine nach Griechenland sein erster Flug. Angekommen im Hafen von Piräus wird er einer 30 Meter langen Yacht Leben einhauchen. Sie mit Olivenholz, Nussbaum und braunem Leder ausstatten. Böden legen, Decken verkleiden, Tische und Schränke montieren. Sein Auftraggeber ist griechischer Reeder, ein Verwandter von Onassis.

Kurze Zeit darauf bewirbt sich der junge Schreinergeselle für einen Auftrag in Saudi-Arabien und gestaltet dort neun Monate lang das Innenleben des Television Centers. Dort hilft er mit, das Theater komplett auszubauen, auch die Loge des Scheichs von Riad gehört dazu. Dem gestaltet er einen prächtigen Rundpavillon mit Schiebetüren. Und wie es dem Scheich gebührt, sind sogar die Schrauben, die Klaus Janson in den Pavillon dreht, aus Gold. Damals reift in ihm die Idee, einen gehobenen Innenausbau anzubieten, der von Qualität lebt und der Liebe zum Detail.

Neu und alt versöhnt

Angekommen in Seeon. Sanft und klar ruht der Klostersee, in dem sich die Türme des 1.000 Jahre alten Benediktinerklosters spiegeln. Auf der anderen Straßenseite lockt ein geschwungener, magentaroter Schriftzug Kunden an, die das Besondere suchen: „Wohnen Klaus Janson“ steht darauf. Klaus Janson öffnet die Tür in Strickjacke und Karohemd und winkt einen herein. In der großzügigen Wohnstube sind neu und alt versöhnt. Im Eck über der Sitzbank ein Kruzifix, in der Raummitte eine weiße Couch, die auch in einem Loft stehen könnte. Den Esstisch aus 100 Jahre altem Teakholz hat er selbst gefertigt.

Ob es ihm nicht schwergefallen ist, damals als junger Bursche den Ort im Chiemgau zu verlassen, in dem er aufgewachsen und mit dem er heute mehr denn je verwurzelt ist. „Nein“, sagt Janson, seine grauen Locken fallen ihm ins Gesicht. „Ich hatte ja ein Ziel, als ich weggegangen bin.“ Kunstpause. Um Klaus Jansons Augen ziehen sich Fältchen zu einem Lachen. „Einen Porsche 911.“ Mit dem ist er als 22-Jähriger dann auch eingerollt in Seeon, als er nach drei Jahren draußen in der Welt zurückkehrte in das 1.000-Seelen-Dorf unweit vom Chiemsee, um gemeinsam mit seinem Bruder das Geschäft des Vaters fortzuführen. Für die Brüder steht von Beginn an fest, dass sie nicht eine Schreinerei unter vielen sein wollen.

Ihre Werkstücke, alles Unikate und von Handwerkskunst geprägt, präsentieren sie auf den regionalen Handwerksmessen. Darüber kommen sie an Aufträge in ganz Deutschland. Ein Amerikaner ist von ihrer Arbeit so begeistert, dass er die Brüder nach New Jersey einlädt und seine Bibliothek von ihnen schreinern lässt - aus Altholz mit neunfach verleimten Profilen. Sein Alleinstellungsmerkmal hat Klaus Janson zu diesem Zeitpunkt schon gefunden. Aus mehr als 100 Jahre altem Holz fertigt er Fußbodendielen und Mobiliar. „Die Kunst dabei ist nicht, etwas Altes zu verkaufen“, sagt Janson. „Die Kunst ist, aus etwas Altem etwas Neues herzustellen, das aussieht, als wäre es ein Original.“

Böden wie Baumstämme

Seine Dielenböden aus weichem Holz entstehen aus Fußböden, die man vor 100 oder 150 Jahren in bayerischen und österreichischen Wohnhäusern einbaute. Unzählige Schritte haben diese Holzdielen ausgehalten - und das sieht man ihnen auch an. Die „abgelatschte Oberfläche“, wie sie Klaus Janson nennt, verpresst er auf Drei-Schicht-Plattenbasis. Soll heißen: Er trennt die obere Schicht der alten Diele ab und verleimt sie mit einer längslaufenden Mittelschicht und einer querlaufenden Unterschicht, in den meisten Fällen aus Fichte.

In den fallenden Breiten der Dielen spiegelt sich das Wachstum des Baumstamms wider: unten wuchtig und nach oben hin schmäler werdend. Um Dielen mit fallenden Breiten zu verlegen, bedarf es Fingerspitzengefühl und Methodik: Die breiten Dielen kommen in die Mitte des Raums und die schmalen an den Rand.

Doch um aus Altem etwas Neues zu erschaffen, muss Klaus Janson das Altholz erst aufbereiten. Dafür hat er in seinem Schreinereibetrieb eine eigene Trockenanlage. In dieser lagert das per Dampfstrahler gewaschene und von jeglichem Metall befreite Holz für vier bis 14 Tage bei etwa 70 Grad Celsius, bis von den Würmern nur noch die Löcher und damit auch eines der Charaktermerkmale des Altholzes übrig bleiben.

Doch nur mit Altholz allein lässt sich das Erfolgsrezept von Klaus Janson nicht erklären. Im Kachelofen knistert ein Feuer. Klaus Janson hebt Kater Charlie von seinem Schoß und wirft einen Holzscheit in die züngelnden Flammen. Seine Frau Andrea steht in der Küche und bruzelt derweil schon mal das Mittagessen.

Eigentlich will Klaus Janson mit seinen Leistungen nicht hausieren gehen. Jetzt rückt er aber doch raus mit der Geschichte von dem Kunden in der Schweiz, der nach Landhaustüren suchte. Übers Internet kam er auf Janson. Der Schweizer fuhr die 600 Kilometer gen Seeon, mit Grundrissplänen seiner zwei Chalets in der Tasche, von denen noch nicht mal der Rohbau stand. Janson fragte ihn, ob er schon Möbel habe. Und zeichnete ihm einige Entwürfe. Am Ende engagierte der Schweizer ihn für den kompletten Innenausbau. Viele Kunden kommen wegen Fenstern oder Türen und lassen sich dann von Klaus Janson ihr komplettes Haus einrichten. Woran liegt das? Janson lehnt sich zurück und überlegt kurz. Eigenlob liegt ihm nicht. „Weil die Kunden Vertrauen gewinnen“, sinniert er.

„Man muss eines sehen“, sagt Andrea Janson und stellt eine Schüssel dampfender Spaghetti Bolognese auf den Tisch. „Der Klaus kann unheimlich auf Menschen eingehen. Er fühlt, was der Kunde will, und setzt das um, was der Kunde sich vorstellt. Er inspiriert die Kunden auch zu neuen Ideen.“ Klaus Janson kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. Gespräche gehören zu seiner Geschäftsphilosophie genauso wie die fachliche Kompetenz. Aufgrund dieser zeichnet er Skizzen und Entwürfe - fast alles noch mit der Hand. „Man muss spüren, wie der Mensch ist, nur dann kommst du zu einem Erfolg“, erklärt Janson.

Wer ihn beauftragt, muss derzeit mit einer Wartezeit von etwa zwölf Wochen rechnen. Seine Kunden schreckt das nicht. Die Arbeit von Klaus Janson ist eine Arbeit mit dem Menschen. Und so wie kein Mensch gleich ist, findet man bei ihm auch keine vorgefertigten Teile, sondern nur Unikate. Dafür braucht es Zeit und Hingabe.

Hier ticken die Uhren anders

Zeit scheint man in Seeon noch etwas mehr zu haben als anderswo. Im Chiemgau ist die Tradition vielerorts noch im Alltag verwurzelt. Sei es über den sonntäglichen Kirchgang oder die Verabredung zum Eisstockschießen. Seit 50 Jahren lebt Klaus Janson hier. Geboren ist er dort und aufgewachsen und wegzuziehen kann er sich nicht vorstellen. „Hier bei uns sind die Leute normal“, findet er und meint damit eine urwüchsige Bodenständigkeit in einem modernen, zeitgemäßen Leben.

Und vielleicht ist es genau das, was Klaus Jansons Kunden auch bei ihm so zu schätzen wissen.

DHZ zum Hören: Audioversion unter www.deutsche-handwerks-zeitung.de/zumhoeren
Ein Videointerview mit Klaus Janson über seine Arbeit finden Sie unter www.boden-wand-decke.de

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