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Gewinne versteuern Einkommensteuer: Wissen für Betriebsinhaber

Welche Besonderheiten für Handwerksunternehmer bei der Einkommensteuer gelten, verraten wir Ihnen in dem folgenden Praxisbeitrag.

Für Gewinne aus einem Einzelunternehmen oder aus einer Personengesellschaft wird Einkommensteuer fällig. Der Steuersatz beträgt zwischen 14 Prozent und 42 Prozent. Liegen die Einkünfte 2016 über 254.447 Euro/508.894 Euro (Ledige/zusammenveranlagte Ehegatten), werden sogar 45 Prozent Einkommensteuer fällig. Doch auch ein fixer Satz von 28,25 Prozent ist auf Antrag möglich. Das gilt für Unternehmer bei der Einkommensteuer.

Meldet ein Handwerker bei der Gemeinde für einen Handwerksbetrieb ein Gewerbe an und er legt ohne Gesellschaftsvertrag und ohne Partner los, ist er ein Einzelunternehmer. Als Einzelunternehmer unterliegen die Gewinne aus seinem Handwerksbetrieb der Einkommensteuer. Dasselbe gilt für Gewinne aus einer Personengesellschaft . Das Finanzamt ermittelt die Gewinne der OHG oder KG und teilt diesen Gewinn den Mitunternehmern je nach Verteilungsschlüssel zu. Die Mitunternehmer müssen ihren Gewinnanteil versteuern.

Welche Besonderheiten muss man bei der Einkommensteuer beachten?

Unterliegt der Gewinn Ihres Handwerksbetriebs der Einkommensteuer, sind folgenden steuerlichen Besonderheiten zu beachten:

  • Der Gewinn der Handwerksbetriebs kann entweder nach der Einnahmen-Überschussrechnung ermittelt werden (Umsatz nicht über 600.000 Euro und Gewinn nicht über 60.000 Euro) oder mittels Bilanzierung.
  • Für Gewinne aus einem Einzelunternehmen oder aus einer Mitunternehmerschaft werden Einkommensteuer, Solidaritätszuschlag und Gewerbesteuer fällig.
  • Die Gewerbesteuer wird anteilig auf die persönliche Einkommensteuerschuld des Handwerkers angerechnet. Bei einem Gewerbesteuer-Hebesatz bis 380 Prozent neutralisiert sich die Gewerbesteuerbelastung durch diese Anrechnung.
  • Bei Ermittlung der Gewerbesteuer steht Einzelunternehmern und Personengesellschaften ein Freibetrag in Höhe von 24.500 Euro zu. Erst wenn dieser Freibetrag überschritten wird, fällt Gewerbesteuer an.
  • Der Einkommensteuersatz beträgt zwischen 14 Prozent (= Mindeststeuersatz) und 42 Prozent (Spitzensteuersatz). Bei Spitzenverdienern mit Einkommen über 254.447 Euro/508.894 Euro (ledig/verheiratet) werden zusätzlich drei Prozentpunkte Reichensteuer erhoben. Steuern werden nur fällig, wenn das Einkommen über dem Grundfreibetrag liegt. Der Grundfreibetrag beträgt für Ledige im Jahr 2016 8.652 Euro und für zusammenveranlagte Ehegatten/Lebenspartner 17.3014 Euro. Im Jahr 2017 beträgt der Grundfreibetrag 8.820 Euro/17.640 Euro.
  • Steuerzahler mit Gewinneinkünften müssen ihre Einkommensteuererklärung zwingend in elektronischer Form per Elster ans Finanzamt übermitteln. Papier-Steuererklärungen werden von den Finanzämtern von Unternehmern nicht mehr akzeptiert.

Tipp: Einzelunternehmer, die ihren Gewinn nach der einfachen Einnahmen-Überschussrechnung ermitteln, müssen bei Betriebseinnahmen von mehr als 17.500 Euro, müssen sämtliche Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben detailliert in dem amtlichen Formular EÜR ermitteln.

Auch steuerliche Verluste sind einkommensteuerlich wichtig

Doch nicht nur Gewinne sind bei der Einkommensteuer zu erfassen, sondern auch steuerliche Verluste. Haben Sie einen Handwerksbetrieb gegründet und haben wegen zahlreicher Investitionen keinen Gewinn, sondern einen Verlust erzielt, teilen Sie diesen Verlust dem Finanzamt ebenfalls in der Anlage G zur Einkommensteuererklärung mit. Mit diesem Verlust sind steuerlich folgende Szenarien denkbar:

  • Verrechnung im laufenden Jahr: Haben Sie oder Ihre Ehegatte im selben Jahr positive Einkünfte, verrechnet das Finanzamt Ihren Verlust aus dem Handwerksbetrieb steuersparend mit diesen anderen positiven Einkünften.
  • Verrechnung im Vorjahr: Haben Sie im laufenden Jahr keine anderen positiven Einkünfte oder ist der Verlust höher als diese anderen positiven Einkünfte, können Sie einen Verlustrücktrag beantragen. Dann geht das Finanzamt ins Vorjahr und verrechnet dort den Verlust mit positiven Einkünften und erstattet die zu viel gezahlte Einkommensteuer für dieses Jahr.
  • Verrechnung in Folgejahren: Sie können alternativ zum Verlustrücktrag aber einen Verlustvortrag in Anspruch nehmen. In diesem Fall beantragen Sie keinen Verlustrücktrag und erhalten vom Finanzamt einen extra Steuerbescheid über die entstandenen Verluste. Diese vortragsfähigen Verluste können Sie dann mit positiven Einkünften späterer Jahre steuersparend verrechnen.

Wie wird die Einkommensteuer ermittelt?

Die Einkommensteuer wird in zahlreichen Schritten ermittelt. Dennoch ist es für Handwerker anders als bei der Körperschaftsteuer, einfacher eine Einkommensteuererklärung ohne steuerliche Beratung ausfüllen zu können. Das liegt zum einen daran, dass die Themen zur Einkommensteuer verständlicher sind. Zum anderen gibt es zur Einkommensteuer zahlreiche Steuerberechnungsprogramme für um die 30 Euro, die exzellente Helfer sind.

Schema zur Ermittlung der Einkommensteuer

  Einnahmen aus selbständiger Tätigkeit, nichtselbständiger Tätigkeit, Vermietung, Renten, etc. ………. Euro
- Ausgaben (Werbungskosten/Betriebsausgaben im Zusammenhang mit den steuerpflichtigen Einnahmen) ………. Euro
= Einkünfte ………. Euro
- Sonderausgaben (Spenden, Krankenversicherung, Unterhaltszahlungen an Ex-Ehegatten bis zu 13.805 Euro, Kinderbetreuungskosten, Versicherungsaufwendungen, etc.) ………. Euro
- Außergewöhnliche Belastungen (Krankheitskosten, Behinderten-Pauschbetrag, Unterhaltsleistungen an Unterhaltsberechtigte, etc.) ………. Euro
= Einkommen ………. Euro
- Verlustvortrag aus Vorjahr/Verlustrücktrag ………. Euro
= Zu versteuerndes Einkommen ………. Euro
  Steuersatz nach Grundtabelle (Ledige) oder nach Splittingtabelle (zusammenveranlagte Ehegatten/Lebenspartner) ………. Euro
= Steuerlast (Einkommensteuer, Soli, ggfs. Kirchensteuer) ………. Euro
- Steueranrechnung für Handwerkerleistungen (20%, maximal 1.200 Euro/Jahr; haushaltsnahe Dienstleistungen 20%, maximal 4.000 Euro/Jahr) ………. Euro
= Verbleibende Steuerlast ………. Euro

Gibt es für Gewinne auch eine Besteuerung nach einem fixen Steuersatz?

Im Einkommensteuerrecht gibt es tatsächlich die Möglichkeit, Gewinne mit einem fixen Steuersatz  von nur 28,25 Prozent besteuern zu lassen. Es handelt sich um eine Besteuerungsvariante, von der nur bilanzierende Handwerksbetriebe profitieren. Mit diesem Steuersatz werden nicht entnommene, im Betrieb investierte Gewinne besteuert.

Die sogenannte Thesaurierungsbesteuerung ist jedoch nur empfehlenswert, wenn diese begünstigt besteuerten Gewinnen tatsächlich nicht mehr entnommen werden. Denn werden diese Gewinne Jahr später doch für private Zwecke entnommen, werden diese Gewinne nochmals mit 25 Prozent versteuert. Das führt unter dem Strich zu einer Steuerbelastung, die sogar über dem Spitzensteuersatz liegt.

Tipp: Die Beantragung der Besteuerung nicht entnommener Gewinne mit 28,25 Prozent in der Einkommensteuererklärung (Anlage G) wird deshalb meist von älteren Unternehmern in Anspruch genommen, die in Ihrem Leben genug Geld verdient haben, nicht mehr auf Entnahmen angewiesen sind und viel Geld in Ihren Handwerksbetrieb für Investitionen stecken. kös

Zuletzt aktualisiert am 03.01.2017

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