Meinung -

Kommentar zur Euro­päischen KMU-Woche Eine Woche allein genügt nicht

Alle Jahre wieder gibt es die "Euro­päische KMU-Woche". Sie will die Interessen der Betriebe in Europa stärken. "Think small first" lautet das Motto. Doch zwischen Motto und Alltagspraxis klafft eine Lücke.

Dr. Lothar Semper
-

KMU steht für die kleinen und mittleren Unternehmen in Europa. Ziel ist es, In­formationen zu Chancen und Unterstützungsmöglichkeiten für den ­Mittelstand zu geben – von der ­Unternehmensgründung über die ­Finanzierung und die Sicherung von Fachkräften bis hin zu internationalen Geschäftskontakten.

Alles gut, schön und wichtig. Aber reicht es, den kleinen und mittleren Unternehmen eine Woche zu widmen? Immerhin machen die über 20 Millionen KMU in der ­Europäischen Union (EU) 99 Prozent aller Unternehmen aus. Auch zur ­Beschäftigung, Ausbildung und Wertschöpfung ist ihr Beitrag bedeutend.

Motto: "Think small first"

Positiv kann festgehalten werden, dass der Stellenwert der KMU in Europa in den vergangenen Jahren erkannt wurde. Der frühere deutsche EU-Kommissar Verheugen hat dazu wichtige Weichenstellungen geebnet. "Think small first" wurde zu einem Motto der EU-Politik. Umgesetzt wurde das unter anderem im "Small Business Act".

Doch zwischen Motto und Alltagspraxis klafft eine Lücke. Viele Initiativen der EU nehmen auf die Bedürfnisse der Betriebe viel zu wenig oder gar keine Rücksicht und Hauptbetroffene der Bürokratie, die aus Brüssel kommt, sind nach wie vor die Mittelständler. Der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund ­Stoiber konnte mit seiner EU-Expertengruppe zwar einiges zum Besseren wenden. Aber eine Trendwende ist noch fern.

Hier ist die neue Europäische Kommission gefordert, die in Kürze ihre Arbeit aufnimmt. Dabei erscheint positiv, dass es wohl künftig wieder eine General­direktion gibt, die die Zuständigkeit für KMU mit in ihrem Namen trägt. KMU-Politik müsste jedoch im Idealfall ­eine Querschnittsaufgabe sein, da­mit die Interessen in allen einschlägigen Bereichen zum Tragen kommen.

Wesentliche Stütze in der Krise

Dazu bräuchte der Mittelstand in Europa aber starke Interessenvertretungen. Und damit sieht es nicht zum Besten aus, weil einzelne nationale Regierungen – wie in Italien und Frankreich – die Kammern als Interessenvertretungen der Betriebe spürbar schwächen.

Für uns in Deutschland sollte die KMU-Woche Anlass sein, auf Folgendes hinzuweisen: Erstens war es der Mittelstand, der in der vorigen Wirtschaftskrise die wesentliche Stütze war. Zweitens sind es der Meistervorbehalt und die duale Berufsausbildung, die Deutschland eine gute Arbeitsmarktbilanz und vor allem eine geringe Jugendarbeitslosigkeit bescheren.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten