Oberfranken -

Studium und Gesellenbrief „Eine wirklich gute Sache“

Studieren und einen Handwerksberuf erlernen? Das klappt! Philipp Säum und Carina Glaß erzählen von Ihren Erfahrungen.

Das ganze erste Jahr auf der Baustelle, mitunter anstrengende, körperliche Arbeit, zumeist ausschließlich unter Männern. „Bislang hatte ich da keine Probleme“, lacht Carina Glaß. Damit bringt die 18-Jährige ideale Voraussetzungen mit. Denn sie hat Anfang August bei der dechant hoch- und ingenieurbau gmbh (dhib) in Weismain ein duales Studium der Richtung Bauingenieurwesen begonnen (Bachelor of Engeneering, B. ENG). Heißt konkret: Sie absolviert eine Ausbildung zur Beton- und Stahlbetonbauerin und studiert parallel Bauingenieurwesen.

„Die Mischung aus Theorie und Praxis finde ich einfach perfekt.“ Carina Glaß

Für Carina Glaß eine ideale Kombination. „Ich fand den Bau und Baustellen schon immer interessant und habe nach dem Abitur überlegt, ob ich Bau-Ingenieurin oder Architektin werden soll.“ Die Tatsache, dass man Bau-Ingenieurwesen dual studieren kann, also mit und im Betrieb, habe dann den Ausschlag gegeben. „Die Mischung aus Theorie und Praxis finde ich einfach perfekt.“

Ihre Einschätzung bestätigt Philipp Säum, der bei dechant bereits das dritte von insgesamt viereinhalb Jahren des dualen Studiengangs absolviert. „Ich finde, diese Kombination ist das Beste, was man machen kann, und würde mich jederzeit wieder dafür entscheiden.“ Auch wenn das duale Studium zweifelsohne anstrengender ist, da die Studenten in den Semesterferien in den Betrieben mitarbeiten und nur den regulären Urlaubsanspruch haben. Aber, betont Philipp Säum: „Im Vergleich zu meinen Kommilitonen, die ‚nur‘ studieren, haben wir schon viel mehr Ahnung.“ Und er verdiene zudem sein eigenes Geld.

Für Thomas Zimmer, Präsident der Handwerkskammer für Oberfranken, und HWK-Geschäftsführer Rainer Beck sind Carina Glaß und Philipp Säum beste Beispiele dafür, dass das Handwerk auch für Abiturienten attraktiv ist. „Dank der dualen Angebote haben wir die Chance, neben unseren tollen Mittelschul-Absolventen auch den Abiturienten interessante Angebote zu machen“, sagte Zimmer bei dem offiziellen Startschuss für das neue Ausbildungsjahr, den die HWK mit dem Besuch bei der dechant hoch- und ingenieurbau gmbh und beim Autohaus Hahn in Münchberg gab. Die unterschiedlichen Ausbildungsformen im Handwerk seien für ihn ein wesentlicher Erfolgsfaktor, wenn es darum gehe, dem Fachkräftemangel zu begegnen.

„Von den insgesamt 16 Auszubildenden bei dechant sind vier duale Studenten.“ Thomas Dechant

Dies bestätigen auch die Zahlen, die Thomas Dechant, Beton- und Stahlbetonbauermeister und Prokurist der dhib, vorlegte. „Von den insgesamt 16 Auszubildenden bei dechant sind vier duale Studenten.“ Dechant hat auch erste Erfahrungen mit fertigen Absolventen des dualen Studiengangs. „Diese vier Nachwuchskräfte bekleiden bei uns inzwischen alle Führungspositionen. Das ist wirklich für alle Beteiligten eine gute Sache.“

Insgesamt haben zum 1. September dieses Jahres 1822 junge Männer und Frauen eine Ausbildung im oberfränkischen Handwerk begonnen. Das sind im Vergleich zum September 2016 noch einmal 5,99 Prozent mehr. Die Steigerung führt die HWK vor allem auf das große Engagement der Betriebe, der Innungen und der Kammer selbst zurück. „Wir tun hier gemeinsam sehr viel und glauben, dass diese Bemühungen nun Früchte tragen“, sagte HWK-Geschäftsführer Rainer Beck.

„Wir machen wirklich für alle Jugend­lichen Angebote, unabhängig von ihrem schulischen Abschluss.“ Michael Limmer, stellv. Kreishandwerksmeister

Dies verdeutlichte auch der stellvertretende Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Lichtenfels, Michael Limmer. Der auch als aktiver Handwerkspate engagierte stellvertretende Kreishandwerksmeister skizzierte, wie viel das Handwerk vor Ort – gemeinsam mit Partnern – für die Nachwuchsgewinnung leiste. „Wir machen wirklich für alle Jugendlichen Angebote, unabhängig von ihrem schulischen Abschluss.“

Die aktuellen Zahlen spiegeln das Engagement wider: Im Landkreis Lichtenfels haben zum 1. September 145 Jugendliche eine Ausbildung im Handwerk begonnen, 14 mehr als 2016.

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