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Eine Strecke mit besonderem Flair

Drei Handwerker laufen seit zehn Jahren beim Trollinger-Marathon. Dass sie beim Jubiläumswettbewerb dabei waren, ist Ehrensache. Schon weil die Atmosphäre so toll ist

Dieser Trollinger-Marathon am vergangenen Sonntag war etwas Besonderes. Nicht nur weil er zum zehnten Mal stattfand und nicht nur weil er mit einem Teilnehmerrekord von 6.664 Läufern aufwarten konnte. Sondern auch weil es in Heilbronn ungewöhnlich kalt war. 8 °C maß das Thermometer beim Start um 8.45 Uhr. „Ganz schön kühl“, dachte sich Peter Quellmalz, der es etwas wärmer lieber mag. Der 51-jährige Installateur und Heizungsbauer aus Wyhlen bei Lörrach kennt den Trollinger von Beginn an. Als einer von elf Handwerkern war er zum zehnten Mal dabei. Ein Mann der ersten Stunde also. Und er kennt den Trollinger eigentlich anders. Meistens ist es jenseits der
20-°C-Grenze und zuweilen sei der Lauf zu einer Art Hitzeschlacht ausgeartet. Diesmal kam zur Kälte noch ein anhaltender Gegenwind hinzu. Und auch am Ziel war es mit 12 °C nicht wirklich viel wärmer. Mit seiner Zeit von 03:41 Stunden ist er mit Blick auf die nächsten Wettkämpfe dennoch ganz zufrieden. Quellmalz hat sich schon weitere athletische Ziele gesetzt. Sein nächster Wettkampf ist der Breisgau-Triathlon in der Nähe von Karlsruhe und der Höhepunkt in diesem Jahr soll der Ironman in der Schweiz werden. Auch beim Trollinger-Marathon will er im nächsten Jahr wieder dabei sein. Denn dieser Lauf sei einfach herrlich. Quellmalz erstaunt immer die besondere Stimmung an der Strecke. „Die Leute sitzen draußen, frühstücken oder trinken ein Glas Wein.“ Überhaupt sei die Organisation eine der besten in Deutschland.

Zwischen Dorfkulisse und städtischem Ambiente

Auch Wilfried Fischer schwärmt von der Atmosphäre. Der 68-jährige Konditormeister war ebenfalls zum zehnten Mal dabei. Diesmal ist er allerdings nur beim Halbmarathon gestartet. Für ihn als Einheimischer ist der Trollinger natürlich immer ein besonderes Ereignis. Er kennt einen Haufen Leute an der Strecke. Fischer: „Das macht Spaß, wenn die mich anfeuern.“ Ganz besonders freut er sich, wenn den Berufsschullehrer ehemalige Schüler unterwegs grüßen. Überhaupt sei der Trollinger ein besonders schöner Lauf, weil er so abwechslungsreich ist. Dorfkulissen wechseln mit städtischem Ambiente und ganz einsamen landschaftlichen Abschnitten. Dort genieße er die Stille. Die Kühle dieses Jahr habe der Stimmung keinen Abbruch getan. Ihm selbst seien die Temperturen sehr angenehm gewesen, sagt er. Genau richtig für die Vorbereitung auf den nächsten Marathon. Fischer startet am 5. Juni in Spitzbergen, dem nördlichsten Marathon der Welt. Da werde es noch einige Grad kälter sein. Marathons hat er schon auf jedem Erdteil mindestens einen hinter sich gebracht: Neben den Klassikern New York und Berlin stand er in Stockholm, Athen und Zürich auf der Starterliste. Dazu kamen so exotische Strecken wie die Chinesische Mauer oder der Sibirien-Marathon in Omsk. Insgesamt hat Fischer bereits 50 Läufe im Ausland und 200 inländische Wettbewerbe absolviert. Man möchte meinen, wer so viele Strecken auf sich genommen hat, sei schon ewig dabei. Doch weit gefehlt. Erst mit 45 Jahren hat Fischer das Laufen für sich entdeckt. „Ich wollte etwas für mich tun“, sagt er. Als Berufsschullehrer, ein Berufsweg, den er nach 15 Jahren im Beruf für sich entdeckt hat, fühlte er sich körperlich zwar fit, aber etwas unterfordert. Schon nach ein paar Volksläufen hatte er endgültig Blut geleckt. Der erste Marathon folgte 1996 im Alter von 54 Jahren in Frankfurt am Main. Dass er 2001 beim ersten Trollinger-Marathon dabei sein wollte, war für ihn als Handwerker Ehrensache, obwohl er acht Wochen später im australischen Outback einen weiteren Marathon gelaufen ist. Seitdem ist er in Heilbronn immer dabei.

Genau wie Schreinerin Gabriele Neuhäuser, die den Trollinger ebenfalls als Hitzelauf kennt. Sie hätte sich eigentlich gar nicht angemeldet, wenn es nicht der Jubiläumslauf gewesen wäre, denn sie war leicht verschnupft. Aber schließlich ist der Trollinger bei der Brackenheimerin um die Ecke und sie mag den Charme der Strecke mit ihrer Mischung aus Stadt- und Landschaftslauf. Und er hat mit den Wegen und teils steilen Anstiegen in den Weinbergen ein ganz besonderes Profil. Dafür war das Wetter ideal.

„Wir hatten deutlich mehr Nachmeldungen als in den letzten Jahren“, sagt Michaela Maier von Handwerkskammer Heilbronn-Franken. Bei der oftmals großen Hitze hätten einige an den schwierigen Streckenteilen vor Erschöpfung aufgeben müssen. Diesmal habe die Aussicht auf kühlere Temperaturen mehr Läufer zur Teilnahme animiert. Von den 367 Läufern, die für die Handwerksmeisterschaft gemeldet waren, kamen 330 ins Ziel. „Mit der Quote liegen wir ganz gut im Rennen“, sagt Maier.

Ein Handwerksgewinner ist in jedem Fall dabei. Peter Keinath gewann den Halbmarathon nicht nur in der Handwerksmeisterschaft, sondern auch in der Gesamtwertung. Einen neuen Streckenrekord erzielte der Neuseeländer Jon-Paul Hendriksen mit 02:28:53 Stunden. Auch wenn der Trollinger also in gewisser Weise ganz untypisch war, so war er doch wieder etwas ganz Besonderes.

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