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Kappadokien Eine Reise zwischen Himmel und Höhle

Vulkanausbrüche, Regen, Schnee und Wind schufen über Millionen Jahre eine einzigartige Landschaft aus Tuff in der Türkei

Eine Reise zwischen Himmel und Höhle
Die Gesteinsformationen, auch Feenkamine genannt, haben in jedem Tal Kappadokiens einen eigenen Charakter. -

Über Millionen Jahre haben Vulkanausbrüche und Erosion eine einzigartige Landschaft in der Türkei geformt – Kappadokien. Bis rund 7000 vor Christus spien die Vulkane Erciyes und Hasan Lava und Tuff­asche über Kappadokien. Danach gingen Regen, Schnee und Wind an die Arbeit. Sie erschufen eine Art riesiges Freilichtmuseum aus Tuff, das die Fantasie der Betrachter anregt. Pilze, Tiere, Säulen, Kegel, Faltenwürfe gibt es zu entdecken. In jedem Tal Kappadokiens haben die Gesteine unterschiedliche Charakteristika.

Aus der Vogelperspektive

Am besten zu bewundern sind die Gesteinsformationen aus der Luft. Dazu geht es früh am Morgen hoch hinauf mit dem Heißluftballon. Der Tag ist kaum mehr als ein goldener Streifen am Horizont, wenn die Heißluftballon-Passagiere am Startplatz ankommen. Aus der Vogelperspektive betrachtet wirkt die Märchenlandschaft Kappadokiens noch unwirklicher. Die Piloten der Ballone steuern mit gekonnten Manövern bis auf wenige Zentimeter an die Gesteinsformationen heran, gleiten senkrecht an Felswänden empor oder tauchen in schmale Canyons ein. Wieder festen Boden unter den Füßen, gehört ein Abstieg in den Untergrund zum Pflichtprogramm. Von der Erdoberfläche kaum auszumachen, durchdringt Kappadokien ein Netz aus Höhlen, Gängen und unterirdischen Städten.

Über mehrere Stockwerke, bis zu 80 Meter und mehr, haben die frühen Siedler Wohn- und Zufluchtsräume in den Tuffstein gegraben. Es heißt, dass bis zu 20.000 Menschen in diesen unterirdischen Siedlungen mitsamt ihrem Vieh gelebt haben. Ein ausgeklügeltes Belüftungssystem sowie große Rollsteine, als Schutz vor unerwünschten Eindringlingen, sicherten ihnen das Leben- und Überleben, wenn Araber, Assyrer, Mongolen, Perser oder andere Aggressoren nahten. Große, heute für Touristen zugängliche Städte wie Derinkuyu, Kaymakli oder Özkonak geben einen guten Eindruck von der Dimension dieser Siedlungen und dem Leben unter der Erde.

Kappadokien
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Schlafen wie ein Sultan

Heute bieten viele der jahrhundertealten Gemäuer Touristen eine atmosphärische Unterkunft – von einfachen Pensionen bis zu hochwertigen Hotels, in denen Gäste ihr Haupt wie Sultane betten können.

Neben Höhlenwohnungen findet sich auch eine Vielzahl an Höhlenkirchen in der Region. Bis ins 10. Jahrhundert war Kappadokien eine Hochburg der frühen Christen. Darunter als wohl berühmteste Bewohner der Hl. Georg. Mehr als 3.000 Höhlenkirchen wurden bis heute in Kappadokien entdeckt. Einige davon sind kaum mehr als einfache Löcher im Gestein, die irgendwo einen Altar oder ein Kreuz erahnen lassen. Andere beeindrucken mit farbenprächtigen Darstellungen von Heiligen und Bibelszenen. Sie geben Zeugnis über die kunsthandwerklichen Fähigkeiten der frühen Christen.

Im Freilichtmuseum von Göreme, das zum Unesco-Weltkulturerbe zählt, können ein Dutzend Kirchen auf engstem Raum besichtigt werden. Der Eintrittspreis unterstützt deren Restaurierung und Erhalt.

Viele weitere kleinere Kirchenschätze gibt es auch in den umliegenden Tälern. Einige Wanderungen sind ausgeschildert und Höhlenkirchen auf den Schildern vermerkt. Als gut markierte Wanderrouten können die recht rudimentären Ausschilderungen jedoch nicht bezeichnet werden. Es empfiehlt sich durchaus, sich an einen Touristenführern zu wenden, die Wanderungen für Gruppen aber auch Einzelpersonen anbieten.

Kappadokien auf einen Blick

Kappadokien
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Lage: Zentralanatolien; rund 280 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Ankara; 550 Kilometer nordöstlich von Antalya.
Anreise: Die Regionalflughäfen Kayserie oder Nevsehir sind von Deutschland über Istanbul oder Ankara errichbar.
Reisezeit: Besonders zu empfehlen sind Frühjahr und Herbst. Im Sommer ist es sehr heiß und trocken.
Reisedauer: Viele Touristen kommen im Rahmen von Türkeirundreisen nur für einen Tag in die Region. Es empfiehlt sich jedoch ein Aufenthalt von mindestens 3 Tagen
Kleidung: Auch wenn die Bewohner Zentralanatoliens inzwischen den Anblick von Shorts und Trägerhemdchen gewohnt sind, sollte aus Respekt nicht zu freizügige Kleidung gewählt werden. Im Sommer ist Kopfbedeckung als Sonnenschutz dringend empfohlen
Währung: Türkische Lira; touristische Angebote können häufig auch in Euro bezahlt werden
Unterkunftsempfehlung: Die Dörfer in Kappadokien bieten ein breites Unterkunftsangebot von einfachen Pensionen bis zu Deluxe-Höhlenhotels, buchbar etwa über einschlägige Online-Hotelportale
Tourenanbieter vor Ort: Geführte Touren durch die Täler Kappadokiens, zu Höhlenkirchen und unterirdischen Städten bieten unter anderem Kirkit ­Voyage (www.kirkit.com) oder Turkish Heritage Travel (www.goreme.com.)
Heißluftballonfahrt: Voyager Balloons (www.voyagerballoons.com) oder Kapadokya Balloons (www.kapadokyaballoons.com) sind zwei der Betreiber, die Ballonfahrten anbieten.

Kappadokien: Eine Reise zwischen Himmel und Höhle
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