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CeBIT-Rundgang der Bundeskanzlerin Eine Datenbank, die die Kanzlerin nicht kennt

Eigentlich wollte Friedrich Joussen, der Deutschland-Chef von Vodafone, an diesem Dienstag beim Kanzlerinnenrundgang auf der CeBIT in Hannover glänzen. Und dann das.

Der Mobilfunkmanager präsentierte eine neue Bild-Suchmaschine für das Handy. Anstatt einen Suchbegriff einzugeben, schießt man mit der Handykamera ein Foto und schickt es ins Internet. Zurück bekommt man dann Informationen zum abgebildeten Gebäude oder zur fotografierten Person. Bei Fotos vom Berliner Dom klappt das zum Beispiel – bei Angela Merkel (CDU) nicht.

Die Bundeskanzlerin schmunzelt, als das Handyfoto von ihr nicht das von Joussen erwünschte Ergebnis liefert. "Ihr gesuchtes Motiv befindet sich noch nicht in der Otello-Datenbank", liest Merkel vom Display ab. "Das ist aber eine schwere Lücke, finde ich", fügt sie hinzu. Joussen macht gute Miene zum missglückten Versuch. "Es wäre wohl besser gewesen, wenn's geklappt hätte", orakelt ein Mitarbeiter von Vodafone. "Das gibt mit Sicherheit ordentlich Knatsch hinter den Kulissen", antwortet ihm sein Kollege. Beides ist wahrscheinlich.

Schließlich ist der Kanzlerinnenrundgang auf der CeBIT einer der medialen Höhepunkte der weltgrößten Computermesse. Ganze Horden von Fotografen, TV-Teams und Reportern trampeln der Regierungschefin quer über das Messegelände durch die Hallen hinterher. Die elf Firmen, an deren Messeständen Merkel einen kurzen Zwischenstopp einlegt, dürfen sich geehrt fühlen. Unter den Auserwählten sind Platzhirsche wie die Deutsche Telekom, IBM und Microsoft, aber auch kleinere Unternehmen wie die Firma Funkwerk Dabendorf oder das Unternehmen Komsa.

Bei Funkwerk Dabendorf zeigen die Firmenchefs der Kanzlerin die neuesten Signalverstärker für das kabellose Surfen via Mobilfunk. Wer sich solch einen Verstärker ins Auto einbauen lasse, der könne "bei vielfach geringerer Strahlenbelastung" auch noch bei 300 Kilometern pro Stunde ununterbrochen ins Internet gehen. "Das ist dann doch für den ICE, nicht fürs Auto?", fragt Merkel – sichtlich erstaunt ob der hohen Geschwindigkeit. Doch der Firmenchef bekräftigt seine Aussage. Für den Zugverkehr baue Funkwerk "größere Geräte", erläutert er.

Mobiltelefon als Pulsmesser

Am Stand der Deutschen Telekom wird Merkel von Vorstandschef René Obermann persönlich in Empfang genommen. Die CeBIT "ist und bleibt" ein wichtiges Ereignis für die Telekom, bei dem man neue Trends und Produkte der Öffentlichkeit präsentieren wolle, sagt Obermann. Zum Beispiel eine Anwendung, die das Mobiltelefon zum Pulsmesser macht. Diese Daten werden automatisch an ein Internetportal übertragen und sportmedizinisch analysiert. Mitte dieses Jahres soll die Anwendung dann erstmals für Kunden der Barmer Ersatzkasse verfügbar sein.

"Das Angebot ist in meinem Kassenbeitrag enthalten, oder kostet das extra?", fragt die Kanzlerin. Obermann lächelt, die Moderatorin neben ihm stammelt etwas vor sich hin, ohne eine schlüssige Antwort zu geben. Merkel hat ein Gespür dafür, die Manager und Präsentatoren an diesem Dienstag in Verlegenheit zu bringen.

Wenige Minuten später macht sie das auch am Messestand des Handyherstellers Sony Ericsson. Dort präsentiert man der Kanzlerin ein internetfähiges Mobiltelefon mit Fotokamera und MP3-Player. "Ah, so wie das iPhone", sagt Merkel. Der Firmenvertreter verliert den Faden, die Kanzlerin eilt weiter.

Handy wird Zentrum des Lebens

Zum Abschluss ihres fast zweieinhalbstündigen Rundgangs darf die Kanzlerin am Stand des größten europäischen Softwareherstellers SAP im virtuellen Supermarkt einkaufen gehen. In diesem "Online-Shop der Zukunft" sieht alles ein bisschen kantig und nach Computerspiel aus. Doch bei SAP ist man vom Nutzen der Entwicklung überzeugt. Das gilt auch für eine neue Bezahlfunktion per Handy. Die Geräte sollen mit sogenannten NFC-Chips ausgestattet werden und damit langfristig die klassische Kreditkarte ersetzen. "Das Handy wird zum Zentrum des Lebens", sagt Merkel. Keine neue, aber eine wahre Erkenntnis.

Daniel Steffen-Quandt/ddp

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