Freiburg -

Sommer-Tour Einblick ins Handwerk

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack auf Sommer-Tour in Lörrach und Offenburg.

Die CDU-Sozialausschüsse mit dem Bundestagsabgeordneten Peter Weiß und der stellvertretenden DGB-Vorsitzenden Elke Hannack machten in diesem Jahr im Rahmen ihrer Sommer-Tour Halt im südbadischen Handwerk. Ein Termin führte sie in der Gewerbeschule Lörrach mit italienischen und französischen Jugendlichen zusammen, die derzeit im Landkreis Lörrach im Rahmen von MobiPro-EU ein Praktikum in Handwerksunternehmen absolvieren. Peter Weiß erläuterte seinen Begleitern die Idee hinter MobiPro-EU: Ziel sei es, junge Menschen aus anderen EU-Ländern mit hoher Jungendarbeitslosigkeit zu unterstützen, wenn sie eine Berufsausbildung in Deutschland machen möchten.

In Lörrach hat sich mittlerweile ein Netzwerk, bestehend auch der Gewerbeschule Lörrach, dem Partnerschaftsverein Lörrach, der Handwerkskammer Freiburg und der Stadt Lörrach, gebildet. Alle arbeiten gemeinsam daran, die Praktikanten zu betreuen und nach Kräften zu unterstützen. Dieses Netzwerk könne auch die Basis für zukünftige Projekte bilden, betonte Wolfram Seitz-Schüle von der Handwerkskammer Freiburg. 29 potentielle Auszubildende sind in Betrieben in Südbaden untergekommen, dreizehn davon im Landkreis Lörrach. Eine von ihnen ist Adeline aus Frankreich. Sie macht in Heiners Backparadies ein Praktikum, was ihrem Interesse an Biobackwaren sehr entgegenkommt. Sie erzählt, dass es ihr im Betrieb sehr gut gefalle und auch der Heiner Rexrodt äußert sich positiv über seinen Schützling. „Sie passt sehr gut zu uns und war von Anfang an interessiert.“ Durchweg alle Ausbilder bescheinigen den Praktikanten Interesse und Engagement.

Abdallah aus Italien macht ein Praktikum bei der Blechnerei Meyer in Schopfheim. Wie alle hat auch er noch Probleme mit der deutschen Sprache. Aber er weiß sich zu helfen: Für sein Werkzeug hat er ein eigenes Wörterbuch erstellt – und natürlich lernt er fleißig, um die deutsche Sprache bald besser zu beherrschen. Elke Hannack ist beeindruckt und betont: „Wir müssen in der Bildung europäisch denken.“ Es sei daher zweitrangig, ob die Jugendlichen nach ihrer Ausbildung bleiben oder in ihre Heimatländer zurückkehren. Im zweiten Fall fungieren sie auch als Botschafter für unsere weltweit einzigartige duale Ausbildung.

Tags zuvor war Hannack bereits in der Gewerbe Akademie am Standort Offenburg auf das Handwerk getroffen. Das Handwerk sei für sie eine interessante Station, da es auch hier in manchen Berufsfeldern eine hohe Abbruchquote gebe. Diese läge etwa bei Friseuren bei 45 Prozent, im Nahrungsmittelhandwerk bei 41 Prozent. An die Vertreter der Handwerkskammer richtete sie daher die Frage, wie die Kammer hierbei Auszubildende und Betriebe unterstütze?

Eine zentrale Antwort sei die Qualität in der Ausbildung zu erhöhen. Hier, so Handwerkskammerpräsident Johannes Ullrich, setze die Kammer an und gebe den Betriebsinhabern die notwendige Unterstützung. Es müsse dabei aber allen bewusst sein, dass in konjunkturell starken Phasen wie der jetzigen Maßnahmen zur Steigerung der Ausbildungsqualität eine zusätzliche Herausforderung für die Unternehmer sei. Es führe aber kein Weg daran vorbei.

Eine zweite Antwort sei eine bessere Berufs- und Studienorientierung an den Schulen. Dafür sei es zwingend notwendig, die Berufsorientierung an Gymnasien zu stärken. Hier seien die Vorbehalte seitens der Lehrerschaft oftmals noch viel zu stark. Mit dem neuen Schulfach „Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung“ ab dem Schuljahr 2016/17 verbinde man daher klare Hoffnungen auf einen Mentalitätswandel, machte die Referatsleiterin für Fachkräftesicherung und Nachwuchsmarketing der Kammer, Inge Tritz, deutlich.

Eine zweite Diskussion entspann sich um die möglichen Auswirkungen sinkender Ausbildungszahlen für einzelne Gewerke. Um Schulstandorte zu sichern müsse über eine weitere Zusammenlegung der Berufsbilder nachgedacht werden, mahnte Hannack und traf dabei auf Skepsis. Achim Leonhard, Referatsleiter berufliche Bildung der Kammer, wies darauf hin, dass hier in der Vergangenheit schon viel geschehen sei, etwa beim Beruf des Anlagenmechanikers Sanitär, Heizung, Klima. Hier sei man bereits an der Grenze des Machbaren angelangt. Hannack blieb indes bei ihrer Forderung nach einer weiteren Verschlankung der Berufsbilder.

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