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Ein Werber will Stuttgart erobern

Sonst wirbt er für andere, jetzt für sich: Der ehemalige Kopf der Werbeagentur Scholz & Friends, Sebastian Turner, kandidiert für den Posten als Oberbürgermeister von Stuttgart. Die Agentur ist im Handwerk nicht unbekannt: Sie entwickelt die Imagekampagne des Handwerks.

Es gibt Menschen, in deren Leben offenbar gleich mehrere Karrieren eingeplant sind. Sebastian Turner ist so einer. Die Biografie des 45-Jährigen, die bereits beachtliche Länge hat, soll im Oktober um ein Kapitel erweitert werden: Er will Oberbürgermeister von Stuttgart werden.

Was bisher geschah: Mit gerade mal 25 Jahren war Turner mit dem Studium fertig und gründete eine Werbeagentur. Schnell machte er sich in der Branche einen Namen. In der Zeit als Chef und Miteigner der Werbeagentur Scholz & Friends führte er eine international agierende Werbegruppe mit mehr als 1000 Mitarbeitern. Als er 2008 ausstieg, hatte er eigentlich ausgesorgt.

Seitdem ist Turner in der Wissenschaft unterwegs, als Professor, er lehrt, er kümmert sich um Projekte. Turner zählt zu den Initiatoren der "Berlin School of Creative Leadership".

Einige Jahre war er zudem Vorstandssprecher des Kreativklubs "Art Directors Club" und im Präsidium des Evangelischen Kirchentags. Zurzeit ist er Vorstand der "Einstein Stiftung Berlin zur Förderung der Wissenschaften".

OB-Posten im Visier

Offenbar scheint gerade ein bisschen Luft zu sein, denn: Er kandidiert seit dieser Woche offiziell als Oberbürgermeister von Stuttgart. Turner geht ab sofort für die CDU ins Rennen, auch wenn er eigentlich parteilos ist.

Eine „Stuttgart-Chance“ sieht er da, die Stadt sei ein „hidden champion“. Er hat den Willen zum Gestalten. „Mich reizt, Dinge zu gestalten, die die Lebensverhältnisse verändern", sagt Turner, der in Stuttgart aufgewachsen ist.

Von Berlin nach Stuttgart? Turner hat nach eigener Aussage „große Lust auf die Komplettumstellung“ seiner Lebensumstände. Mit der Familie - die Gattin stammt aus Stuttgart, und den zwei Kindern - sei sein Engagement besprochen.

Die Ruhe selbst

Seine längste Zeit verbrachte Turner als Werbemanager in Berlin-Mitte. In der oft hyperventilierenden Werbeszene ist er immer ein bisschen anders gewesen. Turner gibt sich gern bescheiden, zurückhaltend, die Ruhe selbst, der Intellektuelle unter den Zampanos, aber nicht weniger ehrgeizig als die anderen. Turner hat Scholz & Friends gemeinsam mit dem Co-Chef Thomas Heilmann groß gemacht. Dass sein langjähriger Gefährte Heilmann nun, fast zeitgleich, ebenfalls in die Politik wechselt und Berlins neuer Justizsenator geworden ist, ist nur eine Randnotiz.

Werbung fürs Handwerk

Die Agentur ist vor allem für drei Kampagnen bekannt. „Dahinter steckt immer ein kluger Kopf“ für die „Frankfurter Allgemeine“, „Wir können alles. Außer Hochdeutsch“ für das Land Baden-Württemberg und: „Das Handwerk. Die Wirtschaftsmacht. Von nebenan“ – die große Imagekampagne des Handwerks.

Turner gilt als Allroundtalent, er kennt sich aus mit Kommunikation, mit Image, mit Netzwerken. Erfahrungen in Politik oder Verwaltung fehlen indes.

Ob das Allroundtalent auch Bürgermeister kann, wollen die CDU-Abgeordneten jetzt herausfinden. Man nähert sich an und beschnuppert sich. Am 17. März entscheiden die Abgeordneten im Kreis darüber. bur

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