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Tradition trifft Moderne Ein Herz für Stein

Bereits in der vierten Generation üben im Betrieb Steinwelten Josef Hofmann Josef Senior und Junior Steinmetz- und Bildhauerkunst aus. Doch der traditionsreiche Betrieb hat sich mit der Zeit entwickelt und zeigt das durch modernste Verarbeitungstechnologien und neue Produkte.

"Steinreich, so weit das Auge reicht!", scherzt Josef Hofmann und deutet mit dem ausgestreckten Arm auf das große Materiallager vor seinem Natursteinwerk in Rimpar bei Würzburg. Hier lagern mehrere Tonnen der unterschiedlichsten Rohsteine aus aller Herren Länder. Meterlang ist die Masse an Grau-, Braun- und Schwarztönen, die sich in der eisigen Novemberluft draußen vor der Halle Ton in Ton mit dem Himmel aneinanderreihen. Hier ist die Luft kalt, es herrscht Stille, nur der Kies knirscht leise. In der Halle dann: Wärme, Staub und gellender Lärm. Mehrere Maschinen arbeiten gleichzeitig, sie zischen, brummen, röhren. Dazwischen Josef Hofmann und sein Sohn, Josef Hofmann Junior. Beide haben sich über das Bediendisplay eines großen, sechsachsigen Bearbeitungszentrums gebeugt, das gerade an einem Stück Granit zu Gange ist. Um über den Lärm der röhrenden Maschinen hinweg verstanden zu werden, muss der Senior seine Stimme heben. Stolz erzählt der 62-jährige von der Leistung der modernen Maschine. Hofmann ist ein echtes, fränkisches Original, mit grauem Haar und einem Gesicht, in dem die Zeit schon ihre Spuren hinterlassen hat wie in dem Naturstein, für den sein Herz schlägt.

In der Wellblechhalle mit den hohen Decken und den staubigen Fußböden reiht sich eine Maschine an die Nächste. Steinwelten Hofmann ist zwar ein traditionsreicher Familienbetrieb, in dem jetzt die vierte Generation arbeitet, doch das heißt nicht, dass hier nicht die modernste Technik am Werk ist. Das Bearbeitungszentrum verfügt über 70 verschiedene Werkzeuge, die es automatisch wechselt. Gerade ist ein Diamantwerkzeug im Einsatz, das von einem langen Arm, der sich auf einer horizontalverlaufenden Achse hin und her bewegt, gesteuert wird und sich kreisförmig am Stein entlangarbeitet. Am Werkzeug hinab und über den Stein hinweg auf den Boden plätschert ein stetiger Wasserstrom zur Kühlung. Ein Mitarbeiter blättert kurz durch einige Aufzeichnungen und präsentiert dann, wie das fertige Produkt am Ende aussehen soll: eine große steinerne Schale für den Außenbereich. Davon ist jetzt noch nicht viel zu erkennen. Auf dem Bedienerdisplay sieht man das zugehörige 3D-Modell. Es zeigt das fertige Produkt und simuliert den Arbeitsprozess der Maschine. Den Entwurf der 3D-Modelle machen die Hofmanns selbst. Sie begleiten die Kunden von der Planung, über die Konzeption bis hin zur letztendlichen Fertigung. Seit drei Jahren ist die moderne Maschine jetzt im Einsatz. Im Gegensatz zu Menschen ist dieses Stück modernster Technologie unermüdlich. "Projekte mit über 500 Arbeitsstunden sind damit problemlos möglich", so Hofmann Senior.

Moderne Maschinen ermöglichen Projekte mit hoher Präzision

Die Maschine kann durch das ihr vorgegebene Modell alle möglichen Arbeiten am Stein anfertigen. Mit automatisierter Arbeitsweise und hoher Präzision sind heute Projekte realisierbar, die früher mühsam mit Vorarbeit durch Maschinen und anschließender Handarbeit gefertigt werden mussten. Auch komplexe Figuren, wie eine Madonna aus Sandstein, die ein paar Schritte neben dem Bearbeitungszentrum steht, sind möglich. Die feinen Details, der Faltenwurf – alles wurde von der Maschine vorgearbeitet. Doch der Mensch ist dabei trotzdem noch unerlässlich. "Der letzte Schliff an jedem Werkstück wird selbstverständlich immer von Hand gemacht", sagt Hofmann stolz, während er den feinen Staub, der durch die Feinarbeit entstanden ist, von der Figur entfernt. Ein lautes Zischen, ein Strom kalter Luft, der aus dem Schlauch entweicht und schon ist die Luft erfüllt von noch mehr Staub und die Details und Gesichtszüge an der Madonna werden sichtbar. "Die manuelle Nachbearbeitung gibt einfach nochmal eine persönliche Note, eine eigene Handschrift." Auch die Schale im Bearbeitungszentrum wird noch von Hand bearbeitet werden. Bis dahin sind es aber noch einige Maschinenarbeitsstunden.

3D-Modelle, Simulationen, Bearbeitungszentren – so modern ging es in Josef Hofmanns Betrieb nicht immer zu. Bereits der Großvater des Seniorchefs gründete den Steinmetz-Betrieb. Von da an wurde die Handwerkskunst von Vater an Sohn weitergegeben – und jeder von ihnen trug den Namen Josef. Heute arbeiten die dritte und vierte Generation Hand in Hand am Stein. Doch nicht nur im Hinblick auf die Bearbeitungstechniken hat sich der Betrieb modernisiert. Auch die Produkte haben sich mit den Jahren entwickelt. Während Hofmanns Großvater mit der Bildhauerei begann und sein Vater nach dem Krieg eher an Bauelementen und später Grabmalen tätig war, erweiterte sich das Portfolio in der dritten Generation um neue Produkte aus dem Bereich des Innenausbaus.

Nachfrage nach Grabsteinen geht zurück

Dieser Wandel entstand auch aus der Veränderung der Nachfrage heraus. Durch den Wandel in der Bestattungskultur sind Grabmale laut dem Geschäftsführer eher ein rückläufiges Segment, während sich bei Bädern, Küchen und Massivarbeiten Zuwächse verbuchen lassen.

Das reicht von Waschbecken, Badewannen über Küchenarbeitsplatten bis hin zu einzigartigen Anfertigungen: Draußen, hinter den quietschenden Toren der Wellblechhalle, liegt, fertig für die Abholung, eine Outdoor-Küche. Hierfür eignen sich die widerstandsfähigen Materialien besonders gut. Die massive Arbeitsoberfläche ist aus heimischem Muschelkalk gefertigt und enthält ausgefräste Aussparungen für einen Grilleinsatz und ein Schneidbrett, sowie ein steinernes Spülbecken. Stolz zeigt Hofmann den steinernen Wasserablauf, in den eine filigrane Initiale des zukünftigen Besitzers gefräst wurde. Alles die Arbeit seines Mitarbeiters Bajram Zeka. Dieser bevorzugt die Arbeit mit dem heimischen Stein gegenüber den importierten Materialien, zum Beispiel aus Südafrika oder Brasilien. "Ich konnte mir vor der Ausbildung nicht vorstellen, dass es diese Art von Steinen in der Natur gibt. Bei diesem Material mit dieser Maserung geht das leichter. Das ist eben auch etwas, womit man aufgewachsen ist."

Diese Leidenschaft für das Material, mit dem gearbeitet wird, teilt wohl jeder der 16 Mitarbeiter des Betriebs. Auch Josef Hofmann, der beim Gang durch das Werk immer wieder mit dem einen oder anderen scherzt, betont diese Zuneigung: "Uns macht die Arbeit Spaß. Das spürt man auch. Wir arbeiten mit der entsprechenden Authentizität, das heißt wir fühlen uns da wohl, wir leben den Stein."

Die Verbundenheit mit dem Naturstein weckt auch ein gewisses Umweltbewusstsein. Mit großen Regenwasser-Tanks und hauseigenen Photovoltaik-Anlagen versucht der Betrieb die benötigte Energie und das zur Kühlung verwendete Wasser, soweit es geht, selbst zu gewinnen.

Maschine und Mensch sind wichtig

Dieses Wasser plätschert auch hinter den leicht geöffneten Schiebetüren des Bearbeitungszentrums munter weiter. Eine Stunde ist vergangen und die zuvor glatte, gerade Gesteinsoberfläche weist inzwischen eine deutliche Vertiefung auf, in der sich das Wasser sammelt und das Diamantwerkzeug kleine Wellen schlägt. Der Gesteinsblock wird immer mehr zu einer Schale. Geduldig arbeitet der Diamantschleifer weiter im Kreis. Das wird noch bis in die Nacht so weitergehen.

Sowohl in der Technologie als auch in den Produkten wird sichtbar: In diesem Betrieb trifft Traditionshandwerk auf Moderne. Und trotz all der hervorragenden Technologien, ist für Hofmann eines unverzichtbar: das eigentliche Handwerk, der Mensch. "Wir behalten uns vor – und so wird das auch in der Zukunft sein –, das letztendliche Finish immer von Hand auszuführen." Die Technologie unterstützt bei Josef Hofmann das Handwerk, sie ersetzt es nicht. Genau das macht seine Arbeit und seinen Betrieb auch aus. Und das soll auch so bleiben: "Da können wir Maschinen aufstellen wie wir wollen, auf einen wie Bajram werden wir nicht verzichten können."

Dieser Beitrag ist im Rahmen eines Reportage-Projekts des Master-Studiengangs Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation an der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt entstanden. Kooperationspartner waren die Handwerkskammer für Unterfranken und die Deutsche Handwerks Zeitung.

Studiengangs Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation

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