Meinung -

Kommentar zum Vorstoß von Aldi Süd Ein hartes Brot

Bäcker können sich nur durch eine klare Ablehnung von Industrieware und Zusatzstoffen im harten Wettbewerb gegen Discounter wie Aldi Süd durchsetzen. Hier liegt das Problem.

Bäcker haben es in diesen Zeiten nicht leicht. Das Imageproblem der Branche ist bekannt. Auch wenn die Vorstellung von übernächtigten Bleichgesichtern in der Backstube nur noch Klischee sein mag, räumt selbst Verbandspräsident Michael Wippler ein, dass junge Leute die harte körperlicher Arbeit und den Stress der Bäcker scheuen. Hinzu gesellt sich das Nachfolgerproblem: Alteingesessene Bäckereien finden niemanden, der ihre über Jahrzehnte aufgebauten Firmen übernimmt. Seit Jahren ist die Zahl der Bäckerbetriebe rückläufig, gerade bei den kleinen Familienunternehmern.

Frontalangriff von Aldi Süd

Als wären die Sorgen nicht schon groß genug, greift die Industrie dem Handwerk zunehmend die Kunden ab. Der Discounter Aldi Süd startet gerade einen weiteren Frontalangriff. Brotbackautomaten weichen dem "manuellen Backen" wie es Aldi bezeichnet. In "Meiner Backwelt" werden künftig 40 verschiedene Brot- und Backwaren "frisch aus dem Ofen" angeboten. Mit belegten Brötchen und Snacks greift Aldi auch die Marktführerschaft der Bäcker im Frühstückssegment an.

Guthardt

Im Kampf um den Kunden wird das Handwerk über den Preis keine Chance haben. Nur mit hervorragender Qualität kann sich das Handwerk von der Industrie abgrenzen und höhere Preise rechtfertigen.

"Wenn im Handwerk industrielle Ware zugekauft wird oder Herstellungsprozesse durch Zusatzstoffe beschleunigt werden, leidet die Qualität – und das schmeckt der Kunde."

Doch hier liegt das Problem. Längst nicht jede Bäckerei erfüllt diesen Anspruch an das Produkt. Wenn im Handwerk industrielle Ware zugekauft wird oder Herstellungsprozesse durch Zusatzstoffe beschleunigt werden, leidet die Qualität – und das schmeckt der Kunde.

Der "Stern" widmete sich vergangenen Oktober in seiner Titelgeschichte dem "Märchen vom guten deutschen Brot" und skizzierte ein Blendwerk der deutschen Brotkultur, eine "Welt voller Maschinen und Mittelchen." Die Kritik mag überzogen sein, doch völlig entkräften kann sie das Bäckerhandwerk auch nicht. So räumte der Verband in einem offenen Brief an den "Stern" ein, dass er keine Daten dazu hätte, ob sich in den Produkten der Handwerksbäcker tatsächlich diverse Zusatzstoffe befinden.

Und wenn im selben Artikel ein Zwei-Sterne-Koch keinen Unterschied zwischen dem Brot von Lidl und einer Handwerksbäckerei feststellen kann, sollte das nachdenklich stimmen. Auf der anderen Seite gibt es sie durchaus, die Bäckereien, die ihren Kunden höchste Qualität und einzigartigen Genuss bieten.

Genau an diesen Betrieben sollte sich die ganze Branche orientieren. Der Kunde wird es goutieren.

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