Ob München, Singapur oder Las Vegas – die Möbelhauskette Ikea ist überall zu finden. Und immer stammt das ikonische Logo an den Fassaden aus einem fränkischen Handwerksbetrieb. Bis die Buchstaben hängen, müssen Maas + Roos Signage jedoch einige Herausforderungen meistern.

Stolz werfen Alexander von der Grün und Sebastian Gemählich die Folien der Präsentation an die Wand. Zu sehen ist das neue Logo eines schwedischen Möbelhändlers, das noch nicht der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.
"Wir haben gemeinsam mit der Chefetage von Ikea das Design entwickelt und ausgelotet, was technisch möglich ist. Über zwei Jahre lief das Projekt hier bei uns im Haus. Das Logo wird vor allem in den neuen Pop-up-Stores zu sehen sein", erzählt Alexander von der Grün. Er ergänzt: "Wir sind äußerst dankbar, dass ein so namhafter Konzern uns ausgewählt hat, das mit ihnen gemeinsam umzusetzen."
Mit "uns" meint Alexander von der Grün das Handwerksunternehmen Maas + Roos Signage aus dem mittelfränkischen Hilpoltstein, das er gemeinsam mit Sebastian Gemählich führt. Die Ursprünge des Betriebs reichen mehr als 100 Jahre zurück und die Gründer stammen aus Skandinavien. Unter seinem heutigen Namen ist der Lichtwerber seit 1959 tätig.
Die Chefs, die beide nicht aus dem Handwerk kommen, sondern einen juristischen und betriebswirtschaftlichen Hintergrund haben, blicken auf eine wechselvolle Geschichte der Firma zurück. Als kleine Werkstatt gestartet, stieg der Betrieb mit einem Investor aus Dubai im Rücken zwischenzeitlich zum Konzern auf. 2020 folgte der große Umbruch. Wirtschaftliche Probleme während der Corona-Pandemie und ein Gesellschafterstreit führten Maas & Roos in ein Insolvenzverfahren.
In einem sogenannten Management-Buy-out nahmen die damaligen Vorstandsmitglieder erhebliches Eigenkapital in die Hand, um die heutige Gruppe zu kaufen und zukunftsfähig aufzustellen. In erstaunlich kurzer Zeit haben die beiden den Betrieb nicht nur wieder auf die Spur gebracht, sondern sogar ein starkes Wachstum erreicht. "Der Umsatz ist allein dieses Jahr um 30 Prozent gestiegen und hat sich seit der Übernahme fast verdoppelt", sagt Sebastian Gemählich, der sich um die Finanzen bei Maas + Roos kümmert.
Ikea und Rolex zählen zu den besten Kunden
Die Basis für den Erfolg bildet dabei eine Erfindung, die bereits 30 Jahre zurückliegt. Hinter dem patentierten Namen "LPFlex" verbergen sich Vollacrylbuchstaben mit LED-Technik. Im Gegensatz zu den damals noch verbreiteten Leuchtstoffröhren war es dank der vielen kleinen Dioden erstmals möglich, Lichtwerbung auch mit sehr kleinen Schriften und filigranen Formen in höchster Qualität anzufertigen. "Dank LPFlex ließen sich auch aufwendige 3-D-Modelle fräsen, wie sie etwa für die bekannte Krone des Rolex-Markenzeichens benötigt werden", erklärt Alexander von der Grün.
Die Schweizer Manufaktur für Luxusuhren zählt heute zu den Exklusivkunden des fränkischen Lichtwerbers. "Das bedeutet, dass fast jede Lichtwerbung von Rolex, die sie auf der Welt finden, aus unserem Haus stammt", so die Geschäftsführer. Ein weiterer dieser Exklusivkunden ist Ikea. "Die Partnerschaft ist bereits vor 15 Jahren entstanden und heute zählen sie zu unseren wichtigsten Auftraggebern."
Auch Porsche und Samsung auf der Kundenliste
Dabei fertigt Maas + Roos Signage für die Schweden nicht nur rund um den Globus Außenwerbung an Fassaden, sondern etwa auch 40 Meter hohe und mehrere Tonnen schwere Stahlbetontürme, auf denen der Schriftzug mit den vier Buchstaben zu sehen ist. In einem Bereich des heutigen Firmenareals direkt an der Autobahn A9, das sich auf mehr als 30.000 Quadratmeter erstreckt, wurde 2008 sogar eigens eine neue Produktionshalle gebaut, um den besonderen Anforderungen der Möbelhauskette gerecht werden zu können.
Seit der Neuausrichtung vor vier Jahren versuchen Alexander von der Grün und Sebastian Gemählich weitere Unternehmen von Weltrang an die Firma zu binden. Auf der Kundenliste finden sich etwa Namen wie Porsche oder Samsung. Trotz der internationalen Ausrichtung werden auch in Deutschland tätige Partner wie etwa die Baumarktkette Hagebau bedient und geschätzt. "Ideal sind Partner, die möglichst über ein weltweites Netz an Standorten verfügen, damit wir mit einem einzelnen Kunden ein sehr hohes Auftragsvolumen generieren können. Wir sprechen hier manchmal von 50 oder 60 neuen Filialen, für die wir in kurzer Zeit den identischen Schriftzug anfertigen", sagt Alexander von der Grün. Regionale Aufträge überlassen sie hingegen lieber kleineren Lichtwerbern. "Wenn eine solche Anfrage an uns gerichtet wird, geben wir das gerne an einen anderen Betrieb weiter. Wir sehen uns hier nicht in einer Konkurrenzsituation."
Wind und Wetter dürfen dem Material nichts anhaben
Die hohen Ansprüche der Weltkonzerne bedienen zu können und überall die gleichen Standards sicherzustellen, sei allerdings alles andere als trivial. Eine eigene Abteilung für das Exportgeschäft sei ebenso erforderlich wie ein großes Netzwerk an internationalen Vertriebspartnern. Hinzu kämen Fertigungspartner im Ausland, wie etwa in den Vereinigten Arabischen Emiraten. "Der Großteil der Produktion findet hier bei uns im Werk in Hilpoltstein statt. Nach Dubai liefern die LPFlex-Buchstaben und andere Produkte jedoch als Halbfertigware aus. Diese werden vor Ort nur noch lackiert, um Kratzer im Lack vom Transportweg zu vermeiden", erklärt der Geschäftsführer. Auch logistisch ist der Handwerksbetrieb gefordert. "Es gibt Projekte wie in Ägypten, wo wir einen von drei existierenden 650 Tonnen schweren Kränen über 1.000 Kilometer Entfernung von einem Ende des Landes zum anderen transportieren müssen, um dort auf 60 Metern Höhe ein Logo anbringen zu können."
Die nächste Herausforderung betrifft das Material, das den unterschiedlichsten Wettereinflüssen standhalten muss. "Wenn sie einen Auftrag an einem Ort haben, wo auch mal ein Wüstensturm drüber bläst, müssen sie sich mit den physischen Kräften von abrasivem Sand auseinandersetzen, damit der Lack nicht abplatzt. Und wenn dort starke Sonneneinstrahlung herrscht, muss der Lack entsprechend UV-stabil sein. Anderseits können Kälte, Eis und Schnee ein Problem sein. Wenn ein Schriftzug in nördlichen Gefilden benötigt wird", beschreibt Alexander von der Grün. Deshalb hat Maas + Roos Signage viel Geld in eine umweltfreundliche Pulverbeschichtungsanlage investiert und beschäftigt Spezialisten, die an robusten Materialien tüfteln.
Verschiedene Normen wie bei Steckdosen

Die nächste Hürde für die Produktion sind die weltweit unterschiedlichen technischen Normen, die zu erfüllen sind. Ein Buchstabe, der das Werk in Richtung USA verlässt, müsse nicht nur den europäischen Standards für Produktsicherheit, sondern auch den UL-Normen für den amerikanischen Markt entsprechen. Nur nach einer Prüfung der Behörden wird das Label erteilt. Es weist die Zulassung auf dem nordamerikanischen Markt nach. Deshalb kämen regelmäßig amerikanische Inspektoren für Kontrollen in die Firma. "Wie bei den Steckdosen gibt es leider keinen weltweit gültigen Normenstandard für Lichtwerbung", weiß der Geschäftsführer. So würden etwa in Mexiko schon wieder andere Normen als in den USA gelten, obwohl beide zu Nordamerika zählen. Diese wiederum würden jedoch nicht in Japan oder Südkorea anerkannt. Sebastian Gemählich weist zudem auf die strengen Einfuhrkontrollen der Zölle hin sowie Schwierigkeiten mit Bankgarantien und Zahlungen in verschiedenen Landeswährungen.
Trotz aller dieser Herausforderungen sind die beiden überzeugt, dass ihre Strategie die einzig richtige ist, um auch in Zukunft weiter wachsen zu können. Dabei streiten die beiden jedoch nicht ab, dass "ein gewisses Klumpenrisiko besteht" sich stark auf einzelne Partner wie Ikea zu fokussieren. Deshalb würden sie viele Anstrengungen betreiben, um kontinuierlich weitere Unternehmen solchen Formats für sich zu gewinnen. Allerdings gibt es auch Märkte, um die Maas + Roos Signage bewusst einen großen Bogen macht. "In Russland und Nordkorea schließen wir keine Geschäfte ab. Das würden auch unsere bestehenden Partner nicht gerne sehen", so die Geschäftsführer. Zudem hätten sie schlechte Erfahrungen in China gemacht. "Starke Wachstumschancen sehen wir derzeit insbesondere in den USA, wo die Wirtschaft stark ist und viele Weltmarktführer sitzen", sagt Alexander von der Grün.
Düstere Aussichten für den deutschen Markt
Kritisch betrachten die beiden hingegen die aktuelle Entwicklung in Deutschland. "Wir haben den Eindruck, dass es der heimischen Wirtschaft derzeit noch schlechter geht als in der Öffentlichkeit dargestellt. Dafür sprechen auch die vielen Bewerbungen von Fachkräften, die derzeit bei uns eingehen. Allein vergangene Woche haben wir drei neue Meister eingestellt. Wir haben den Eindruck, dass viele zu uns kommen, weil sie anderswo keine Perspektiven mehr sehen", vermutet der Firmeninhaber. Gut ausgebildete Handwerker würden für die weitere Expansion bei Maas + Roos Signage genauso benötigt, wie Ingenieure und andere Fachspezialisten.
Die Zukunft ihrer Firma sehen die beiden rundum optimistisch. Dabei seien sie weniger von der wirtschaftlichen Lage betroffen als andere Branchen: "Wenn die Konjunktur brummt und neue Läden aufmachen, brauchen diese Werbung genauso, wie wenn Geschäfte aufgeben und andere nachkommen."
