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TV-Kritik: ZDF – WISO testet Handwerker bei der Gebäudedämmung Ein Dämm-Berater macht Styropor zum "Sondermüll"

WISO, das ZDF-Magazin für Wirtschaft und Verbraucher, beschäftigte sich im Rahmen einer vom Klima-Thema dominierten Sendung auch mit der Qualität von Wärmedämmungs-Beratung für Hausfassaden. Die getesteten Handwerker enttäuschten den beim sogenannten "WISO-Trick" den Sachverständigen. Eine TV-Kritik in fünf Kategorien.

Der entgeisterte Kronzeuge: Jeder Test im TV, ob wie in diesem Fall mit versteckter Kamera oder ohne, braucht eine fachliche Instanz, die ihn überwacht. In diesem Fall oblag die Rolle Andreas Lippertz, Malermeister und Sachverständiger für Wärmedämmverbundsysteme aus dem nordrhein-westfälischen Wermelskirchen. Er sollte die Arbeit der getesteten Handwerker bewerten – und kam teils aus dem Staunen nicht mehr heraus. Seine Lieblingsvokabeln angesichts der schwachen Leistungen: Unterirdisch, keine Ahnung, Finger weg, Blödsinn. Und als ein Polier davon redete, was er alles nicht mit dämmen würde, etwa die Leitungen in der Wand oder den Dachbereich, entfährt es Lippertz: "Der Sachverständige für Schimmel freut sich schon." Immer wieder aus seinem versteckten Studio abseits des Grundstückes eingeblendet, sorgten Lippertz‘ Aussagen für einige Erheiterung, und der eigentliche Unterhaltungswert des Beitrags bestand in der zunehmenden Verzweiflung des Experten.

Der ferngesteuerte Lockvogel: Dass Lippertz zum Star des Beitrags avancieren konnte, lag auch an der etwas schwachen Rolle des Lockvogels, ohne den ebenfalls kein TV-Test auskommt. Eine etwas ältere, nett aussehende Dame namens Helga übernahm diese Rolle. Sie bekam einen "Knopf" ins Ohr und wurde so direkt mit dem Experten Lippertz verbunden. Damit der wiederum alles mitbekam, musste Helga immer wiederholen, was die getesteten Handwerker ihr zuvor mitgeteilt hatten. Das führte zu recht bizarren Dialogen. "Hier kommen etwa zehn Zentimeter Dämmung rauf", sagte einer der getesteten Handwerker, und Helga wiederholte: "Zehn Zentimeter Dämmung kommt hierhin." Der Experte flüsterte Helga die Rückfrage ein: "Reicht das denn aus?", was Helga leicht paraphrasiert als "meinen Sie, das reicht" an die Handwerker weitergab. Das zog sich durch alle vier – man kann es vorwegnehmen: negativen – Tests, und war anfangs noch erheiternd, dann aber schnell ermüdend. Immerhin sorgten die WISO-Journalisten so auch ein wenig für Spannung, denn die Frage stand stets im Raum, wann einer der Testkandidaten dieses komische Spielchen durchschauen würde, bei dem die nette Dame ständig alles wiederholte und mit Fachbegriffen wie Energieeinsparverordnung oder Brandschutzriegel nur so um sich warf.

Der dreisteste Satz: Die vierte getestete Firma fiel direkt mit der Tür ins Haus. 14 bis 16 Zentimeter Dämmung sollten es auf jeden Fall sein, hieß es, und natürlich mit Mineralwolle. Denn da gebe es "ein neues Gesetz, dass man nur noch Mineralwolle nehmen darf", sagte die Beraterin, offenbar fest entschlossen, die nette Helga ordentlich übers Ohr zu hauen. Und um dem Ganzen noch eine Schippe Ernsthaftigkeit zu verleihen, garnierte sie ihre Ausführungen mit dem Satz: "Styropor ist Sondermüll." Jeder, der regelmäßig mit dem Stoff zu tun hat, weiß zwar, dass er mitunter schwierig zu entsorgen ist, vor allem, wenn er sich schon in kleine weiße, mit statischer Elektrizität aufgeladene Kügelchen zerteilt hat – aber getrennt zu sammelnder Müll ist das Material nicht per se, außer wenn es etwa mit dem Flammschutzmittel HBCD behandelt wurde. Wären die Autoren noch auf diesen Unterschied eingegangen, der seinerzeit hohe Wellen geschlagen hatte, hätte das ein rundes Bild ergeben. Der Versuch, den Lockvogel über den Tisch zu ziehen, wurde allerdings auch so deutlich. Schließlich sagte Experte Lippertz, auch ein wenig einseitig: "Styropor ist kein Sondermüll", und schob einordnend nach: "Wir reden hier über ein intaktes System, das funktioniert, wenn es richtig gemacht wird."

Das Fazit: Kein Wunder, dass der Test vernichtend für die Handwerker endete. Entweder war der Preis zwar in Ordnung, dafür aber die angebotene Leistung fachlich daneben, oder die voraussichtlichen Kosten lagen weit jenseits des Üblichen. Zudem beachtete keines der Unternehmen staatliche Förderungen, etwa durch die KfW. Zu dem Ergebnis trug mit Sicherheit auch das holzschnittartige, immer wieder bei solchen Tests angewandte Setting mit der alten Dame als Lockvogel bei, die gerade für die schwarzen Schafe der Branche geradezu Ansporn sein muss, alles rauszuholen, was irgendwie geht. Gut, dass der Experte Lippertz am Ende noch darauf hinwies, dass es auch zuhauf Qualität auf dem Markt gebe – dort aber die Auftragsbücher mitunter sehr voll seien und somit eine gewisse Wartezeit einkalkuliert werden müsse.

Die Bewertung: Ein biederer Handwerker-Test, der wohl im Rahmen der klimabewegten Sendung den praktischen Part übernehmen sollte. Normalerweise schneidet wenigstens noch ein Testkandidat irgendwie positiv ab – aus Gründen der Ausgewogenheit – aber diesmal nicht. Insofern war zumindest das ein wenig innovativ – genau wie die Titulierung von Styropor als hochgiftiges Teufelszeug.

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