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Craft-Bier Ein Bier mit Zitrusnote, bitte

Craft-Biere werden auch in Deutschland langsam zum Trend und avancieren dabei zum Lifestyle-Produkt. Manche schmecken nach Erdbeere oder Schokolade. Die Brauerei Camba Bavaria hat sich auf diesen Nischenmarkt spezialisiert.

Craft-Biere werden auch in Deutschland langsam zum Trend und avancieren dabei zum Lifestyle-Produkt. Manche schmecken nach Erdbeere oder Schokolade. Die Brauerei Camba Bavaria hat sich auf diesen Nischenmarkt spezialisiert.

Die drei kupfern glänzenden Braukessel stechen in der urigen Gaststätte der Brauerei Camba Bavaria im bayerischen Truchtlaching ins Auge. Rund 50 verschiedene Biersorten hat Betriebsinhaber Markus Lohner gemeinsam mit seinen Braumeistern in den vergangenen sechs Jahren hervorgebracht. Biere mit exotischen Namen wie „Coffee Porter“, „Paragraph 17“ oder „Lovebeer“ sind dabei. Manche schmecken nach Kaffee, andere nach Erdbeere oder Schokolade. Das derzeitige „Bier der Woche“, das „Camba Pale Ale“, hat eine leichte Zitrusnote.

Seit 2008 braut Lohner die unterschiedlichsten Biere. Zwischen 30 verschiedenen Sorten können Bierliebhaber täglich in der brauereieigenen Gaststätte nahe des Chiemsees wählen. Immer wieder lassen sich die Braumeister neue Kreationen einfallen.

Trend Craft-Bier

Damit ist der Betrieb Teil eines Trends, der in jüngerer Vergangenheit in Deutschland an Fahrt aufgenommen hat. Immer mehr Brauereien bringen so genannte Craft-Biere auf den Markt, die meist nur in kleinen Mengen produziert werden. Das Wort „Craft“ bedeutet dabei im Englischen schlicht Handwerk.

Obwohl viele der Craft-Brauereien eher klein sind, wie Camba Bavaria, erläutert Walter König, Geschäftsführer des Bayrischen Brauerbundes: „Ob ein Bier ein Craft-Bier ist, lässt sich nicht an der Größe der Brauerei festmachen.“ Ausschlaggebend seien die sorgfältige Auswahl der Zutaten und der Produktionsprozess. So viel zur Definition.

„Mir war es zu langweilig, alle zehn Jahre mal ein neues Bier zu brauen“, erzählt Camba-Chef Lohner. Das sei in den meisten Brauereien aber über Jahre der Fall gewesen. Ein Grund für den Braumeister, in die Braumaschinenbranche zu wechseln. „Dabei ist das Brauerhandwerk eigentlich sehr spannend“, findet er.

Nur beste Rohstoffe

Daher wandelte Lohner 2008 die „Show-Anlage“ für Kunden seiner Firma schließlich doch in eine kleine Brauerei um. Heute sind seine Biere in der Szene bekannt und mehrfach prämiert, unter anderem mit dem „Global Craft Beer Award“. Im vergangenen Jahr wurde Camba Bavaria zudem als Craft-Brauer des Jahres ausgezeichnet.

„Die Grundidee bei Craft-Bier ist es, mit den besten Rohstoffen das beste Produkt herzustellen“, sagt Lohner. Aus derzeit weltweit rund

60 verfügbaren Hopfensorten und Malzröstungen entstehen charaktervolle und meist intensive Biere. Auch die Hefestämme und die Wasserhärte können den Geschmack beeinflussen. Mehr Zutaten gibt es nicht. Denn auch für Craft-Biere gilt in Bayern das Reinheitsgebot.

Am Anfang ist die Idee

Am Anfang eines jeden Bieres steht eine Idee, was zusammenpassen könnte. „Wir verändern den Sud, bis herauskommt, was wir uns vorgestellt haben“, so der 47-jährige Unternehmer. Fehlschläge gibt es kaum. Das macht die Erfahrung. Vorlage sind häufig ausländische Biersorten wie das „Indian Pale Ale“. Auch über Monate in alten Holzfässern gereifte Sorten sind typisch für Craft-Bier. Herauskommen Biere mit Vanillenote, leichtem Rum- oder Whisky-Geschmack. Die Getränke müssen nicht unbedingt massentauglich sein. Lohner: „Es geht um Kreativität, nicht um Effizienz.“

Das kommt bei den Kunden an. Sie wollen Biersorten ausprobieren. Craft-Bier wird zum Lifestyle-Produkt. Es bietet Platz für unterschiedliche Vorlieben und damit für Bierliebhaber eine Grundlage zum Fachsimpeln über Geschmacksnuancen und Farbtöne.

Ähnlich wie beim Wein gibt es für jedes Gericht das passende Bier. „Die Leute können nur dann über Dinge diskutieren, wenn es verschiedene Meinungen gibt“, so König. Das sei ein Grund, warum Craft-Bier im Kommen ist. Blogs und Internetforen widmen sich dem Thema. In Städten von Hamburg bis Mainz eröffnen immer mehr Bars, Kneipen und Tavernen, die mehrere Dutzend verschiedene Biere anbieten – oder es gleich selbst brauen.

Der Trend kommt aus den USA. Dort hat sich die Craft-Bier-Szene bereits vor 25 Jahren gegründet – als Gegenbewegung zur Marktkonzentration auf wenige große Brauereikonzerne.

In Deutschland haben die ersten Firmen – unter ihnen Radeberger – vor acht Jahren Craft-Bier für sich entdeckt. Doch noch ist der Marktanteil außergewöhnlicher Biere gering – im Jahr 2013 war es nur knapp ein Prozent.

Branche wird spannender

2014 dürfte der Anteil etwas höher liegen, schätzt König. „In Deutschland gibt es ohnehin mehr unterschiedliche Biersorten, von Pils über Dunkelbier über Winterbiere oder Festbiere“, so der Verbandsgeschäftsführer. „Ich bezeichne diese Sorten daher gerne als traditionelles Craft-Bier.“

Für Brauer macht die Entwicklung die Arbeit spannender, meint Betriebsinhaber Lohner. Welches Bier er angesichts der großen Auswahl am liebsten trinkt, kann er allerdings nicht sagen. „Wenn man einmal die Vielfalt hat, will man einfach zum jeweiligen Essen das passende Bier.“

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