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Ausbildungsmodell des Schornsteinfegerhandwerks Wenn sich zwei Meister einen Azubi teilen

Schornsteinfeger kooperieren bei der Ausbildung und teilen sich einen Azubi: Sowohl die Auszubildenden als auch die Lehrmeister profitieren davon. Ein Modell, das nicht nur für das Schornsteinfegerhandwerk interessant ist.

Kleine Handwerksbetriebe haben es oft schwer, sich ausreichend um ihre Lehrlinge zu kümmen. Nicht auszubilden wäre aber die falsche Antwort auf dieses Problem, finden zwei Schornsteinfeger aus der Rhön. Sie haben sich im vergangenen Jahr einen Lehrling geteilt – und dabei so gute Erfahrungen gemacht, dass sie nun sogar einen zweiten einstellen.

Probleme, einen Lehrling zu finden, hat Uwe Nenzel nicht. Der Schornsteinfegermeister mit Kehrbezirk rund um das thüringische Stadtlengsfeld im Wartburgkreis schaut dabei weniger auf das Zeugnis. "Der Wille, diesen Beruf zu erlernen, sowie Ehrlichkeit und Höflichkeit gegenüber den Kunden sind mir besonders wichtig. Alles andere lässt sich lernen", sagt Nenzel.

Azubis profitieren vom größeren Arbeitsspektrum

Um seinem Azubi das Schornsteinfegerhandwerk in einer möglichst großen Bandbreite beizubringen, kooperiert er mit einem Kollegen. Tobias Giesick betreut den benachbarten Kehrbezirk, zu dem unter anderem Bad Salzungen gehört und der im Gegensatz zum ländlichen Kehrbezirk seines Kollegen eher städtisch geprägt ist. "Das wirkt sich auch auf das Arbeitsspektrum aus", sagt Giesick. Während auf dem Land eher mal ein Schornstein auszubrennen ist, haben es die Schornsteinfeger in der Stadt dafür viel öfters mit Lüftungsanlagen zu tun.

Durch den Ausbildungsverbund bekommen die Lehrlinge all diese Arbeiten in der Praxis mit. "Es gibt aber noch andere Synergieeffekte", sind sich die beiden Schornsteinfegermeister einig. So können die Lehrlinge im Krankheitsfall in den anderen Betrieb ausweichen oder die Lehrmeister können sich bei wichtigen Terminen wie Prüfungen oder bei der feierlichen Übergabe der Gesellenbriefe gegenseitig vertreten.

Gerade für kleine Betriebe sind Kooperationen in der Ausbildung eine feine Sache, meint Oliver Kramer, Ausbildungsberater bei der Handwerkskammer Südthüringen.  Und sie sind nicht nur für das Schornsteinfegerhandwerk interessant.

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