Mittelfranken -

Ein Abend des Glücks

Was ist Glück? Was ist Erfolg?“ – Diesen Fragen gingen die rund 100 Besucher des Motivationsabends „Glück und Erfolg“, zu dem die Handwerkskammer für Mittelfranken eingeladen hatte, gemeinsam mit Prof. Dr. Karlheinz Ruckriegel, Glücksforscher, und Martin Bader, Sportdirektor beim 1. FC Nürnberg, kürzlich auf den Grund.

Ein Abend des Glücks
„Jeder ist seines Glückes Schmied“ – über den Zusammenhang zwischen Glück und Erfolg diskutierten (v.li.) Prof. Dr. Karlheinz Ruckriegel, Glücksforscher an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg, Heinrich... -

„Statt Basel III und Betriebswirtschaft beschäftigen uns heute die ,Soft Skills‘ im Alltagsgeschäft“, begrüßte Prof. Dr. Elmar Forster, Hauptgeschäftsführer der Kammer, seine Gäste.

Zeigt sich die Definition im sportlichen Bereich noch recht einfach: „Glück ist, wenn der Ball das Tor und nicht die Latte trifft; Wohlbefinden ist, wenn die Siege kommen“, wie Martin Bader als Referent die Frage auf den Punkt brachte, holte Glücksforscher Ruckriegel für eine Antwort etwas weiter aus.Als Professor für Makro-Ökonomie beschränkt er sich in seiner Forschung nach dem Glück, wobei Glück als Wohlbefinden definiert wird, nicht auf die Wirtschaftslehre – auch aus der Soziologie, Philosophie, Psychologie und Neurobiologie stammen wichtige Ansätze für sein Erklärungsmodell.

Demnach unterscheidet der Glücksforscher zwischen zwei Arten der Lebensqualität: subjektiver und objektiver. Während die objektive Lebensqualität über materielle und immaterielle Indikatoren wie Einkommen, Arbeit oder Bildung relativ leicht zu bestimmen ist, ist die subjektive ein schwierigeres Feld. Eines ist aber klar: Geld macht de facto nicht glücklich. Ab einem gewissen Einkommensniveau, sobald die Grundbedürfnisse befriedigt sind, steigt die Zufriedenheit nicht weiter an. „Man gewöhnt sich an das viele Geld, die Ansprüche steigen. Wichtig ist aber, im Vergleich nicht weniger als die Mitmenschen zu haben – die relative, nicht die absolute Höhe des Einkommens zählt.“ Daraus folgt auch, dass Wirtschaftswachstum als Selbstzweck eine überholte Vorstellung ist. „Wir sind doch nicht für das Bruttoinlandsprodukt auf dieser Welt“, rief der Glücksforscher zu den Zuschauern.

Glück hat viele Quellen

Quellen des Wohlbefindens sind laut Ruckriegel gelingende soziale Beziehungen, physische und psychische Gesundheit, Engagement und befriedigende Arbeit, persönliche Freiheit, innere Haltung und Lebensphilosophie: „,Born for shopping‘ ist keine befriedigende Lebenshaltung“, scherzte er.Eine gute Nachricht hatte er für die Arbeitgeber im Gepäck: „Der Mensch will arbeiten. Er braucht seine Arbeit zum Glücklichsein.“ Das Arbeitsumfeld entsprechend glücksfördernd zu gestalten, ist Aufgabe der Arbeitgeber: „Ihre Mitarbeiter sind nicht Kostenstellen mit Ohren, sondern die Grundlage ihres Erfolges“, machte Ruckriegel deutlich. „Glückliche und zufriedene Mitarbeiter sind engagierter, erfolgreicher und innovativer, weniger oft krank und loyaler.“ Konkret bedeutet dies für Arbeitgeber: Zeigen Sie Interesse am Mitarbeiter, nehmen Sie ihn ernst. Investieren Sie in Weiterbildung, unterschätzen Sie nicht die Vorbildfunktion der Führungskräfte, gestehen Sie Entscheidungsfreiheit im Rahmen des übertragenen Aufgabengebietes zu, fördern Sie Teamwork und Arbeitsklima, achten Sie auf Fairness – und ganz wichtig: ­Zeigen Sie Anerkennung.

Ein Fazit für Arbeitnehmer hatte der Glücksforscher aber auch noch im Gepäck: „Such dir eine Arbeit, die du liebst – dann brauchst du keinen Tag im Leben mehr zu arbeiten“, zitierte er den chinesischen Gelehrten Konfuzius.

Das Glück und der FCN

Auch beim 1. FC Nürnberg nimmt man die Sache mit dem Glück ernst: „Wir hoffen natürlich auf Glück, aber wir arbeiten für unseren Erfolg“, so Martin Bader. In seiner Präsentation über den Nürnberger Traditionsverein betonte der Sportökonom noch einmal: „Wir haben 42.000 Zuschauer pro Spiel – das heißt, dass wir jede Woche zumindest die Chance haben, tausende Menschen glücklich zu machen.“ Einen Rat des Glücksforschers beherzigt aber auch der Fußballverein: „Setze dir ehrgeizige, aber realistische Ziele.“ So mancher FCN-Fan im Publikum freute sich zu hören, dass ein Etablieren in der 1. Bundesliga durchaus zu den festen Zielen des Vereins gehört – „das Träumen von der deutschen Meisterschaft ist aber noch ferne Zukunftsmusik“, blieb Bader bei allem Ehrgeiz dann aber realistisch. Er schloss seinen Vortrag zum Thema Glück mit dem Zitat Jürgen Wegmanns: „Erst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu.“

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion betonte Heinrich Mosler, Präsident der Handwerkskammer für Mittelfranken: „Wir im Handwerk haben, was die Arbeitsbedingungen angeht, viele Vorteile. Unsere Betriebe sind häufig Familienbetriebe und da stimmt der zwischenmenschliche Kontakt, das ist ein menschliches Wirtschaften.“

Große Sprünge plante hingegen der Glücksforscher: „Lasst uns eine Glücksmetropole Nürnberg errichten“, appellierte Karlheinz Ruckriegel an die Zuhörer. „Können wir das?“ Heinrich Mosler griff den Ball auf: „Wir sind Handwerker. Wir können das.“ Glücklich unterhielten sich die Gäste noch lange beim Buffet, bevor sie mit einem kleinen Glücks-Betthupferl – einer Schokopraline – nach Hause gingen.

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