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Bäcker beklagen Strompreisdiskriminierung EEG-Umlage frisst Umsatz

Handwerkliche Bäckereien müssen besonders viel für die Subventionierung von Ökostrom zahlen, während die Politik die Großindustrie bei der EEG-Umlage verschont.

Die EEG-Umlage sinkt. Als gute Nachricht lässt sich das nicht verkaufen. Gleich mehrere Gründe sprechen dagegen: Erstens fällt der Rückgang mit 0,1 Cent pro Kilowattstunde kaum spürbar aus, zweitens sollen die Netzentgelte steigen und drittens droht schon 2019 wieder eine kräftige Erhöhung.

Extrem stark leiden handwerkliche Bäckereien unter den hohen Preisen. Sie verbrauchen besonders viel Strom, aber nicht genug, um in den Genuss von großzügigen Nachlässen zu kommen. Die gewährt die Politik über das Erneuerbare-Energien-Gesetz ausschließlich Großabnehmern aus der Industrie, damit diese im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig bleiben. Denn in Deutschland liegen die Strompreise nicht zuletzt wegen der EEG-Umlage, mit der die Energiewende bezahlt werden soll, deutlich über dem europäischen Durchschnitt.

Wettbewerbsnachteil durch EEG-Umlage-Rabatte

Befreit von der EEG-Umlage sind auch industrielle Großbäckereien, die Discounter mit Billigbackwaren beliefern. Über den Wettbewerbsnachteil für die handwerklichen Bäcker sieht die Politik großzügig hinweg, klagt Bäckermeister Daniel Link und fordert eine grundlegende Neuregelung der Energiewende.

Gemeinsam mit seinem Vater leitet Link in Trossingen eine Bäckerei mit fünf Filialen und 45 Mitarbeitern. Die Energiewende gestalten die Links aktiv mit, haben frühzeitig ihre Backöfen von Öl auf Strom umgestellt und beziehen seit 2011 Ökostrom, der aus der Wasserkraft des Hochrheins gewonnen wird. Regional und ökologisch wollen sie ihre Waren erzeugen. Das passt gut zur Firmenphilosophie des 1908 gegründeten Familienbetriebes.

"Obwohl wir weitgehend CO2-neutral produzieren, werden wir von der Politik bestraft", klagt Link. Die EEG-Umlage benachteilige Privathaushalte und Mittelstand, während sich industrielle Großverbraucher aus der Solidargemeinschaft verabschieden dürfen. Auch in der einseitigen Finanzierung der Energiewende über den Strompreis sieht der Bäckermeister ein Ungleichgewicht.

Rund 25 Milliarden Euro pro Jahr schwemmt die EEG-Umlage in die Staatskasse. Die gesamte Summe sollte über den Bundeshaushalt finanziert werden, fordert der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). "In einem ersten Schritt müssen die Kosten für die EEG-Rabatte zugunsten von 2.000 Großunternehmen auf Budgetfinanzierung um­gestellt werden. Das würde die Umlage um rund anderthalb Cent reduzieren", sagt ZDH-Generalsekretär ­Holger Schwannecke.

77.000 Brötchen EEG-Umlage

In Württemberg, wo nach Angaben des Landesinnungsverbandes der Stromverbrauch der Bäckereien im Schnitt bei 220.000 kWh liegt, könnten in diesem Fall pro Betrieb 3.500 Euro gespart werden. Die Stromrechnung der Bäckerei Link wäre im vergangenen Jahr sogar um 7.270 Euro niedriger ausgefallen. So aber musste der Traditionsbetrieb für die verbrauchten 484.716 kWh Strom allein 30.798,85 Euro an EEG-Umlage (6,354 Cent/kWh) zahlen. Das waren 1,42 Prozent vom Umsatz. "Dafür hätten wir 76.997 Brötchen oder 9.777 Kilogramm Brot backen können", rechnet Daniel Link vor.

Ähnlich geht es vielen handwerk­lichen Bäckereien. "Rund vier Prozent des Umsatzes müssen die Betriebe für den Stromverbrauch einkalkulieren. Das ist eine enorme Belastung", sagt Franz Eduard Kunkel, Betriebsberater beim württembergischen Landesinnungsverband.

ZDH: Förderung abschaffen

Daran wird auch der leichte Rückgang der EEG-Umlage im nächsten Jahr nichts ändern, den die Netzbetreiber angekündigt haben. Sie soll von 6,88 auf 6,792 Cent/kWh sinken, dafür aber 2019 noch einmal kräftig steigen – voraussichtlich auf rund 7,5 Cent/kWh. Danach könnte die EEG-Umlage allmählich sinken, weil für die besonders hoch subventionierten Photovoltaikanlagen und Windräder der ersten Generation die Förderung ausläuft. Geht es nach dem ZDH, sollte die Förderung für neue Erneuerbare-Energie-Anlagen möglichst rasch komplett abgeschafft werden.

Langfristig wird die EEG-Umlage zwar sinken, aber bei der "Strompreisdiskriminierung der Privathaushalte und des Mittelstands", wie Bäckermeister Daniel Link es nennt, droht schon neuer Ärger. Im Netzentgeltmodernisierungsgesetz, das im Sommer beschlossen wurde und eigentlich die regionalen Unterschiede bei den Netzentgelten abschaffen soll, sind energieintensive Großverbraucher von der Zahlungspflicht für Offshore-Windparks befreit.

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