Meisterstücke -

Sattlermeister Albrecht Mönch Edles Geschirr: Der Maßanzug fürs Pferd

Sattlermeister Albrecht Mönch fertigt in Loßburg im Schwarzwald Pferdegeschirre nach Maß. In reiner Handarbeit entstehen Kunstwerke von höchster Präzision und nobler Eleganz.

Mitarbeiter Sattlerei Mönch
Gruppenbild mit Chef (von links): Julia Mönch, Bruno Will, Sabrina Pfaff, Sylvia Diebold, Simone Wegenast und Firmengründer Albrecht Mönch. -

Nein, ein Maßband verwendet Albrecht Mönch beim Kopf nicht. "Davor scheuen die meisten Pferde", sagt er und legt stattdessen einen einfachen Strick an. Von Maulspalte zu Maulspalte über das Genick. "Gute Fahrzäume sollten sitzen wie gute Lederschuhe, bevor ein Pferd vor einen Wagen gespannt wird – und das Leder muss äußerst geschmeidig sein und darf nirgendwo drücken."

Deshalb gilt sein größtes Augenmerk nicht nur dem Geschirr allgemein, sondern speziell dem Kopfgestell mit seinem Zubehör wie Scheuklappen oder Nasenriemen. Für Albrecht Mönch ist das seit fast 25 Jahren eine Selbstverständlichkeit, auch wenn er sich seinen Kindheitstraum erst mit Verspätung erfüllen konnte. "Ich wollte immer Sattler werden, aber dieses Handwerk war damals nahezu ausgestorben und es fand sich im Umkreis weit und breit kein Lehrbetrieb. Also lernte ich Zimmermann."

Kunden kommen inzwischen aus aller Welt

Aber auch der Zimmermann war stets besessen von seinem ursprünglichen Berufswunsch, widmete sich in seiner Freizeit fortwährend der Geschirrmacherei und gründete schließlich 1989 auf dem elterlichen Hof in Loßburg im Schwarzwald einen Betrieb, bevor er neuerlich eine Meisterprüfung ablegte. Diesmal als Sattler. "Mit dem Ziel, nur hochwertige Geschirre herzustellen – und ausschließlich in Handarbeit."

Diese produziert Mönch inzwischen in einem neuen, weit größeren Betriebsgebäude, denn eines Tages florierte das Geschäft derart, dass Expandieren unumgänglich war. "Wir beliefern inzwischen Gestüte in aller Welt. Sogar der Sultan von Oman hat Galageschirre bei uns in Auftrag gegeben. Denn so detailverliebt, so präzise und so ursprünglich wie wir arbeitet heute kaum noch ein Sattler", erzählt der Pferdeliebhaber und greift zum Halbmond, einem geschwungenen Messer, mit dem er das Leder entlang einer vorgezeichneten Linie schneidet.

"Egal ob sogenannte Kumt- oder Brustblattgeschirre, all unsere Wagengeschirre werden aus rein pflanzlich gegerbtem Rindsleder aus Deutschland, der Schweiz und Österreich erschaffen", sagt der Sattlermeister. Dass beim Gerbvorgang keine Chemikalien verwendet werden, ist insofern wichtig, als damit die Hautverträglichkeit garantiert ist. "Und das Leder ist ganz allgemein dann am besten, wenn die Kuh schon acht bis neun Kälber geboren hat", erklärt Albrecht Mönch.

Jedes Geschirr ein Unikat

Die lichtdurchflutete Werkstatt, in der meist an die zehn Mitarbeiter beschäftigt sind, darunter auch Mönchs Tochter Julia, die sich als einzige von vier Geschwistern der Sattlerei verschrieben hat, wirkt ungemein aufgeräumt. Alles und jeder hat seinen Platz, irgendwo dudelt leise ein Radio, es riecht nach Leder, und der Chef packt selbst mit an. "Es muss familiär zugehen und jeder muss sich mit dem Produkt identifizieren. Nur dann ist ehrliche Arbeit garantiert", sagt der Firmengründer, der quasi im Nebenberuf auch noch Schwere Warmblüter züchtet und längst als Pionier im Bereich der optimierten Passform gilt.

Seite 2: Warum ein korrekt sitzendes Geschirr so wichtig ist und wie alt ein gutes Geschirr werden kann.>>>

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