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Transporter-Ikone fährt jetzt auch elektrisch e-Sprinter: Mercedes-Stern wird zum Tankdeckel

Lautlos durch Bayerns Landeshauptstadt: Mit dem e-Sprinter will Daimler vor allem ubane Räume ansteuern – eine erste Testfahrt in die Innenstadt von München.

Das Markenzeichen von Mercedes-Benz bekommt eine neue Bedeutung. Denn bei der ersten vollelektrischen Variante des Sprinters verbirgt sich unter dem Stern eine Steckdose, über die der 3,5-Tonner Energie tankt. Wie sich der neue e-Sprinter im Stadtverkehr schlägt, konnte die Deutsche Handwerks Zeitung bei einer Fahrt durch München testen.

Die Route führt direkt ins Herz der Bayernmetropole, dorthin, wo der Elektro-Transporter seine Stärken ausspielen soll. Dorthin, wo Schadstoffe die Luft belasten, wo ständiges Anfahren und Abbremsen das Fortkommen behindern und wo weniger Lärm zu mehr Lebensqualität führt. Für solche Einsätze haben die Daimler-Ingenieure den e-Sprinter konzipiert, wohlwissend um all die Einschränkungen, die ein Elektroantrieb so mit sich bringt.

Die größte Sorge im Handwerk gilt der Reichweite, die beim e-Sprinter je nach Batteriekonfiguration bei 115 oder 168 km liegt. Über die tatsäch­liche Reichweite sagen die Angaben des Herstellers freilich wenig aus, hängen sie doch von vielen Faktoren ab, nicht zuletzt von der Fahrweise. Das wurde auch auf der Tour durch München Mitte Dezember deutlich. Abgesehen vom Gewicht der Ladung und der Außentemperatur ist der Fahrer der entscheidende Faktor, der über die Distanz bestimmt, die der Transporter ohne Zwangspause an einem Stromspender zurücklegt. Dabei hat er gleich eine ganze Reihe von Entscheidungen zu treffen:

Mercedes-Benz e-Sprinter

Drei Fahrmodi wählbar

Über eine Taste unter dem Starterknopf können die Modi Komfort (C), Eco (E) und Eco+ (E+) gewählt werden, wobei in letzterem der Sprinter besonders sparsam unterwegs ist. Die Höchstgeschwindigkeit wurde entsprechend auf 120, 100 oder 80 km/h begrenzt. Aber das ist in einer Stadt wie München ohnehin nicht entscheidend. Bei der Beschleunigung aus dem Stand hingegen, bei der der Elektromotor klare Vorteile gegenüber dem Verbrenner haben müsste, wirkt der Testwagen selbst im Modus Komfort keineswegs spritziger als sein Dieselpendant. Offenbar zügeln die Ingenieure das Temperament des E-Motors zugunsten der Reichweite. Da kann man auch gleich auf E oder E+ umschalten, um noch ein paar zusätzliche Kilometer zu gewinnen.

Rekuperation über Schaltpaddel steuerbar

Beim e-Sprinter lässt sich die Stärke der Rückgewinnung von Energie beim Bremsen über die Schaltpaddel am Lenkrad in vier Stufen einstellen – von stark (D-) bis zum sogenannten Segeln (D++). Wie sich die gewählte Rekuperationsstufe auf die Reichweite auswirkt, lässt sich freilich nicht auf einer einzigen Fahrt ergründen. Hier ist Experimentierfreude gefragt, wird der gute alte Spruch vom "Einfahren eines Neuwagens" wieder eine neue Bedeutung gewinnen. Bringt es mehr, wenn das Fahrzeug beim Segeln besonders weit rollt, ohne Gas geben zu müssen? Oder nutzt man besser eine starke Rekuperation? In diesem Fall verzögert das Fahrzeug beim Loslassen des Gaspedals so stark, dass bei vorausschauender Fahrweise im Stadtverkehr die Bremse so gut wie nicht mehr benötigt wird.

Komfort im Cockpit

Strom benötigt im Elektrofahrzeug nicht nur der Antrieb. Vor allem im Winter saugen viele Verbraucher Energie aus den Batterien. Doch gerade beim Heizen kann der Fahrer Strom sparen. Während die Sitzheizung nur rund 100 W verbraucht, im Dauerbetrieb sogar noch weniger, zieht die Klimaanlage gleich 7 kW aus dem Speicher.

Egal, ob die Insassen im Cockpit nun im Winter auf Sitzheizung oder auf das Gebläse der Klimaanlage vertrauen, am angenehmen Fahrgefühl im neuen e-Sprinter ändert das nichts. Das Fahrwerk des Fronttrieblers ist ausgezeichnet abgestimmt, die Federung schont Rücken und Ladegut. Auch am Handling gibt es nichts auszusetzen. So lässt sich der Kastenwagen selbst im dichten Verkehr entspannt durch die Münchener Innenstadt manövrieren.

Ist die Reichweite erschöpft, lässt sich der e-Sprinter nach Angaben des Herstellers an einer Wallbox oder öffentlichen Ladestation mit 7,4 kW Wechselstrom in sechs Stunden aufladen. Optional bietet Mercedes auch einen 80 kW starken DC-Lader an, über den sich die Batterien in einer halben Stunde von 10 auf 80 Prozent aufladen lassen. Preise für den e-Sprinter hat Daimler noch nicht bekannt gegeben.

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