Zum Schluss der Ausbildung -

Online-Kurse helfen, Zeit und Geld zu sparen E-Learning: Per Mausklick zum Meister

Wer sich neben dem Beruf weiterbilden will, dem stellt sich die Fragen: wann und wie? Eine Alternative ist E-Learning, denn Online-Kurse helfen, Zeit und Geld zu sparen. Gefragt ist dabei hingegen vor allem Selbstdisziplin.

Silvio Lindemann
Silvio Lindemann im Einsatz: Der Maler- und Lackierermeister aus Erfurt arbeitet auch als Teletutor. -

Für Silvio Lindemann bietet das E-Learning im Handwerk eine große Chance: "Jeder kann sich so berufsbegleitend weiterbilden und den Meister oder den Betriebswirt machen", sagt der Maler- und Lackierermeister vom Berufsbildungszentrum der Handwerkskammer Erfurt. Er kennt den Computer als Weiterbildungsplattform schon länger. Zuerst hat er ihn für die Fortbildung zum "Teletutor der Wirtschaft" genutzt, dann hat er berufsbegleitend noch den Betriebswirt im Handwerk gemacht. Und nicht nur das: "Seit geraumer Zeit arbeite ich selbst als Teletutor", erzählt der 39-Jährige.

Die Handwerkskammer Erfurt nutzt die Möglichkeit des E-Learnings seit Jahren. Lerninhalte werden dabei über den Computer und das Internet vermittelt. Dozenten und Kursteilnehmer kommunizieren in dem Fall regelmäßig live über Onlinekonferenzen. Und zum Selberlernen wird der Stoff aus dem Netz heruntergeladen. "Wir nutzen das E-Learning vor allem für Teil III und Teil IV der Meisterausbildung und den Betriebswirt im Handwerk", berichtet Sven-Erik Laars, Beauftragter für Innovation und Technologie an der Handwerkskammer in Erfurt.

Blended Learning

Doch selbst in den fachbezogenen Teilen I und II wird neben den praktischen Lernphasen vor Ort online gelernt und kommuniziert. "Wenn es am Wochenende beispielsweise darum geht, ein Objekt mit Komponentenfarben zu lackieren, wird im Vorfeld der entsprechende Lernbaustein ‚Farben und Mischungsverhältnisse‘ auf die Lernplattform gestellt", erzählt Lindemann. Dieser Verschnitt von Präsenzveranstaltungen und E-Learning wird wie bei der Herstellung von Whisky oder Tee Blended Learning genannt.

Andere Kammern nutzen diese Form des Lernens ebenfalls: So bietet die Handwerkskammer für München und Oberbayern etwa den Kurs "Stark für die Ausbildung" für Ausbilder und auszubildende Fachkräfte sowie einen Weiterbildungskurs zum Wirtschaftsinformatiker (HWK) und den Kurs "Ausbildung für Bürokaufleute" auch online an, wie die Bildungsexpertin Andrea Schwertfirm sagt. Für sie liegen die Vorteile auf der Hand: "Man kann viel freier, flexibler und in der eigenen Geschwindigkeit lernen."

Doch das ist nicht der einzige Vorteil: "Online-Lernen spart Zeit und Geld", sagt Simone Pfeffer-Brandl, die vor fast sieben Jahre die erste Online-Meisterschule Deutschlands gegründet hat. "Wer einen eigenen Betrieb hat, gerade eine Familie gegründet oder ein Haus hat, kann für die Meisterausbildung nicht einfach aus dem Beruf aussteigen." Und sie weiß von ihrem Mann, der in der Führungsakademie der Unternehmensgruppe Heinrich Schmidt in Reutlingen den Bereich technische Bildung und Meisterausbildung leitet, dass auch die Betriebe den Produktionsausfall durch Meisterschüler nicht gerne verkraften wollen.

Das Unternehmen bildet deshalb seit Jahren nicht nur Maler und Lackierer, sondern auch Trockenbauer und neuerdings auch Bauten-Korrosionsschutzmeister über Online-Meisterkurse weiter. Dabei werden die berufs­bezogenen Teile I und II der Meisterausbildung im Blended-Learning-Verfahren berufsbegleitend über neun bis zwölf Monate angeboten. Für die Teile III und IV werden 18 beziehungsweise elf Wochen für die Online-Kurse veranschlagt.

Medien sinnvoll einsetzen

Die Fachleute kennen aber auch die Grenzen des E-Learnings. "Gerade bei den Selbstlernphasen müssen Lernende die nötige Selbstorganisation und Motivation mitbringen", sagt die E-Learning-Expertin Marina Jüschke von der Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk. Auch müssten die Dozenten die neuen Medien erst sinnvoll einsetzen lernen. Gleichwohl sieht auch sie eine große Chance im E-Learning, das mit der breiteren Nutzung von mobilen Endgeräten wieder einen Aufwind erlebe.

Für Lindemann ist ganz entscheidend, dass jeder Kursteilnehmer gut eingeführt wird. "Am Anfang dauert es immer zwei oder drei Stunden, bis alles klappt und jeder tatsächlich das Mikrofon angestellt hat", erzählt er. Dann aber hält er diese Art des Lernens für sehr effizient und gerade bei Teilnehmern, die weit auseinanderwohnen, für zukunftsweisend. Völlig ersetzen wird es den Präsenzunterricht – zumal im Handwerk – nicht: "Die Leute wollen schon ab und zu einen Lehrer vor sich haben", fügt er hinzu.

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