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Steuer 1x1 Duales Studium: Was steuerlich wichtig ist

Das duale Studium ist nach wie vor sehr beliebt. Für junge Erwachsene, die sich für diesen Weg entscheiden, gelten allerdings nicht nur Besonderheiten in der Kombination aus Arbeit im Betrieb und Studienzeiten an der Uni. Auch steuerlich gibt es einiges zu beachten.

Meisterinnen und Meister aus dem Handwerk können sich seit einem Beschluss der Kultusministerkonferenz im Jahr 2009 in fast allen Bundesländern problemlos an Universitäten einschreiben und ein Studium aufnehmen. Ihre berufliche Qualifikation gilt als allgemeine Hochschulzugangsberechtigung – auch ohne Abitur.

Doch neben dem "normalen" Studium können Handwerk und Universität noch auf weitere Wege miteinander kombiniert werden. Denn der Trend zum dualen Studium ist längst auch im Handwerk angekommen. Angesichts des Mangels an Auszubildenden, sind Abiturienten und Schüler mit Fachhochschulreife gerne gesehene Auszubildende.

Eine wichtige Frage für junge Erwachsene, die ein duales Studium aufnehmen und deren Eltern ist oft, ob Eltern für das Kind während des dualen Studiums noch Kindergeld und alle anderen steuerlichen Vergünstigungen rund um Kind bekommen. Andererseits können bestimmte Kosten, die während dieser Zeit anfallen, steuerlich abgesetzt werden – beispielsweise die Fahrtkosten zur Berufsschule. Hier bekommen Sie einen Überblick über die steuerlichen Besonderheiten, die ein Auszubildender im Rahmen eines Dualen Studiums wissen sollte.

Steuer-1x1 zum dualen Studium im Handwerk

1. Kindergeld: Duales Studium stellt keine Erst- und Zweitausbildung dar

Für volljährige Kinder erhalten Eltern immer dann Kindergeld, wenn das Kind sein 25. Lebensjahr noch nicht vollendet hat und sich noch in Ausbildung befindet oder studiert. Die Höhe der Einkünfte und Bezüge sind nicht kindergeldschädlich. Doch absolviert das volljährige Kind nach seiner Lehre ein Studium (= Zweitstudium), kippt der Kindergeldanspruch, wenn das Kind während des Studiums einer Erwerbstätigkeit mit mindestens 20 Wochenstunden nachgeht (§ 32 Abs. 4 Satz 2 EStG).

Praxis-Tipp: Beim dualen Studium handelt es sich aber um eine Ausbildung und nicht wie fürher von der Familienkasse angenommen.um eine Erst- und eine Zweitausbildung.

Folge: Wird das Studium erste Monate nach Abschluss der Lehre abgeschlossen,  muss die Familienkasse während dieser Zeit noch Kindergeld zahlen – vorausgesetzt natürlich, dass das Kind noch nicht äter als 25 Jahre ist (BFH, Urteil v. 3.7.2014, Az. III R 52/13).

Beispiel: Ein volljähriges Kind beginnt nach dem Abitur in einem Handwerksbetrieb ein duales Studium. Die Ausbildung ist nach zweieinhalb Jahren beendet, das Studium nach dreieinhalb Jahren. Das hat auf die Kindergeldzahlung folgende Auswirkung.

Fehlerhafte Ansicht Ansicht des Bundesfinanzhofs
Kindergeld während der ersten zweieinhalb Jahre 5.724 Euro (2,5 Jahre) 5.724 Euro (2,5 Jahre)
Kindergeld vom Ende der Lehre bis zum Ende des Studiums 0 Euro 2.328 Euro
Kindergeld gesamt während des dualen Studiums 5.724 Euro 8.052 Euro

Praxis-Tipp: Haben Sie für letzten Jahre kein Kindergeld mehr beantragt, obwohl es Ihnen zustehen würde, sollten Sie Ihren Kindergeldanspruch unbedingt noch bis zum 31. Dezember 2017 bei der Familienkasse geltend machen. In diesem Fall können Sie das Kindergeld sogar rückwirkend für die letzten vier Jahre durchsetzen. Bei Antragstellung ab 2018 gilt eine erhebliche Verschlechterung. Denn geht ein Kindergeldantrag erst 2018 ein, können maximal die Kindergeldzahlungen für die zurückliegenden sechs Monate (!) geltend gemacht werden.

2. Eltern können Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung des Kindes wie eigene Sonderausgaben geltend machen

Während des dualen Studiums erhält das Kind eine Ausbildungsvergütung. Die im Rahmen der Lohnabrechnung abgeführten Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung des Kindes dürfen die Eltern in ihrer Steuererklärung als Sonderausgaben abziehen.

Beispiel: Ein volljähriges Kind erhält während des Dualen Studiums einen Bruttolohn von 830 Euro pro Monat. Davon werden jährlich 816,72 Euro für Krankenversicherung und für die Pflegeversicherung 102,12 Euro abgeführt. Erhalten die Eltern noch Kindergeld für das Kind, dürfen sie folgende Beträge wie eigene Sonderausgaben abziehen:

Krankenversicherung 96% von 816,72 Euro   784,05 Euro  
Pflegeversicherung   102,12 Euro  

Den Eltern winkt dadurch bei einem zu versteuernden Einkommen von 80.000 Euro eine Steuerersparnis von 337,60 Euro.

3. Eigene Steuererklärung des Auszubildenden

Möchte der Auszubildende selbst eine Steuererklärung beim Finanzamt einreichen, muss er sich mit seinen Eltern kurzschließen, wenn die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung bei sich als Sonderausgaben geltend macht. Denn der Sonderausgabenabzug darf insgesamt nur einmal berücksichtigt werden – entweder bei den Eltern oder beim Auszubildenden selbst.

Die Aufwendungen im Zusammenhang mit einem dualen Studium sind als Werbungskosten aus nichtselbständiger Arbeit abziehbar.

Praxis-Tipp: Stolpert ein Auszubildender in den Medien auf Informationen, die für eine Erstausbildung oder ein Erststudium nur einen Sonderausgabenabzug zum Abzug zulassen, sind dieses Infos bei einem dualen Studium nicht einschlägig. Denn bei einem dualen Studium liegt ein Arbeitsverhältnis vor, was bei einem normalen Studium nach dem Abitur nicht der Fall ist.

Die Werbungskosten im Zusammenhang mit dem Dualen Studium sind in der Anlage N zur Einkommensteuererklärung zu berücksichtigen. Sinn macht die Abgabe der Steuererklärung natürlich nur dann, wenn tatsächlich Steuern vom Arbeitgeber einbehalten wurden.

Typische Werbungskosten im Zusammenhang mit einem dualen Studium

  • § Fahrtkosten zum Ausbildungsbetrieb (30 Cent für die einfache Strecke oder tatsächliche Kosten bei Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel
  • § Kauf von Arbeitsmitteln (PC, Regal oder Schreibtisch für zu Hause)
  • § Büromaterial
  • § Fachliteratur
  • § Kopiergeld
  • § Nachhilfestunden
  • § alle sonstigen Kosten im Zusammenhang mit dem dualen Studium

4. Fahrten zur Berufsschule: Steuerliche Behandlung oder zur FH

Beim Werbungskostenabzug stellt sich die Frage, wie die Fahrten zur Berufsschule oder zur Fachhochschule während des Studiums steuerlich geltend gemacht werden dürfen. Bei der Bildungseinrichtung handelt es sich im Rahmen eines dualen Studiums nicht um eine erste Tätigkeitsstätte(BMF, Schreiben v. 24.10.2014, Az. IV C 5 - S 2353/14/10002).

Folge: Es dürfen die tatsächlichen Fahrtkosten mit öffentlichen Verkehrsmitteln als Werbungskosten abgezogen werden oder bei Nutzung eines eigenen Fahrzeugs pauschal 30 Cent für jeden gefahrenen Kilometer (also für die Hin- und Rückfahrt).

Dieser Beitrag wurde am 27. November 2017 aktualisiert.

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