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Interview zur neuen EU-Datenschutzgrundverordnung DSGVO: 'Da tickt eine Bombe'

Ab Mai gilt die neue EU-Datenschutzgrundverordnung. Betriebe sollten sich jetzt schon auf Neuerungen vorbereiten. Datev-Strategieberater Stefan Wunram spricht im Interview über Tücken der DSGVO und die Digitalisierung im Handwerk.

DHZ: Die Datev hat gemeinsam mit dem ’handwerk magazin‘ in einer repräsentativen Studie die Digitalisierung im Handwerk untersucht. Was haben Sie herausgefunden, Herr Wunram?

Stefan Wunram: Handwerker begreifen die Digitalisierung eindeutig als Chance. Fast drei Viertel der Betriebe wollen ganz sicher oder zumindest sehr wahrscheinlich ihre kaufmännischen Prozesse im laufenden Jahr effizienter gestalten. Sie haben vor allem die Rechnungserstellung im Blick, aber auch die Lohnabrechnung.

DHZ: Also ist das Handwerk weiter, als manche Experten behaupten?

Wunram: Eindeutig ja. In der Kommunikation und im Datenaustausch hat sich viel zum Guten verändert. 80 Prozent der befragten Handwerker erhalten kaufmännische Belege inzwischen per E-Mail. Allerdings pflegen auch zwei Drittel noch eine Papierablage, teilweise parallel zum digitalen Archiv. E-Mail-Rechnungen werden offensichtlich ausgedruckt und abgeheftet.

Stefan Wunram

DHZ: Was ist daran schlimm?

Wunram: Es verstößt gegen gesetzliche Bestimmungen. Denn ein Unternehmer muss eine Rechnung, die er digital erhalten hat, auch digital aufbewahren. Ein Ausdruck auf Papier genügt nicht.

DHZ: Wie sollten Handwerker ihre Ablage organisieren?

Wunram: Ich empfehle, dass sie dabei viel stärker ihre Steuerberater einbinden, statt auf eigene Faust Lösungen zu suchen oder externe IT-Berater einzuschalten. Seltsamerweise sprechen nur 18 Prozent der Handwerker mit ihrem Steuerberater über die effiziente Gestaltung kaufmännischer Prozesse, obwohl Steuerberater doch seit über 50 Jahren Digitalisierungsprofis sind.

DHZ: Wo sehen Sie sonst noch Verbesserungsbedarf?

Wunram: Der Umgang mit dem Thema Kassen-Nachschau erscheint mir leichtfertig. Schon morgen kann der Prüfer im Laden stehen und inkognito beobachten, wie Bezahlvorgänge im Alltag abgewickelt werden. Da kann es schon Probleme geben, wenn zum Beispiel Mitarbeiter vergessen, die steuerrechtlich wichtige Frage zu stellen: "Zum Mitnehmen oder hier essen?"

DHZ: Wie viele Betriebe haben sich denn schon mit der Kassen-Nachschau befasst?

Wunram: Laut unserer Studie fühlen sich lediglich 27 Prozent aller Befragten gut bis sehr gut informiert über das Thema. Nur 13 Prozent der Betriebe sind bereits tätig geworden und haben sich bewusst gewappnet. Bei anderen ist es ein gefährliches Glücksspiel in der Hoffnung, dass kein Prüfer vorbeischaut.

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DHZ: Solche Themen verschleppt man gern, weil sie nichts mit dem Kerngeschäft zu tun haben …

Wunram: Was wir zum Beispiel auch bei der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sehen. 75,7 Prozent haben schon von dem Thema gehört, aber erst 24,2 Prozent haben Maßnahmen ergriffen – obwohl die neuen Regeln schon ab Ende Mai gelten. Da tickt eine Bombe.

DHZ: Haben Sie Erkenntnisse darüber, wo es besonders kritisch wird?

Wunram: Kleinere Unternehmen sind generell schlechter auf die DSGVO vorbereitet. Vor allem bei Gesundheitsdienstleistern ist das Ergebnis besorgniserregend. Ein Drittel der Befragten gibt an, noch nichts von der neuen Regelung gehört zu haben. Insbesondere diese Branche dürfte aber im Fokus der Behörden stehen, da hier sensible personenbezogene Daten verarbeitet werden.

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