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Flugroboter spüren Schäden am Bauwerk auf Drohnen für die Dachdecker

Die Digitalisierung ist im Anflug auf das Dachdecker- und Zimmererhandwerk. Sie kommt in Form einer Foto-Drohne, die auf der Fachmesse Dach+Holz vom 2. bis 5. Februar in Stuttgart vorgestellt wird.

Gegenwärtig loten Wissenschaftler der Bauhaus-Universität Weimar mit einer Foto-Drohne des Marktführers Ascending Technologies das Einsatzspektrum der Technik aus. Dabei haben sie unter anderem Bauschäden am schiefen Turm von Bad Frankenhausen, der sich pro Jahr um zwei Zentimeter neigt, oder am Dom von Halberstadt dokumentiert.

Asc-Tec Falcon 8 fliegt bis Windstärke 6

Der Flugroboter erstellt vom gesamten Bauwerk Fotos, die sich 60 bis 70 Prozent überlappen. Aus ihnen lässt sich eine 3D-Geometrie erstellen mit Messpunken in einem Raster von einem halben Zentimeter. Am Computer entstehen aus diesen Daten hochauflösende Fotos, die in CAD-Programmen weiterverarbeitet werden können. „So kann zum Beispiel der Halberstädter Dom auf der kompletten Höhe von 103 Metern in einem hochauflösenden Foto dargestellt werden, auf dem der Handwerker direkt zeichnen kann“, erklärt Norman Hallermann von der Bauhaus-Uni Weimar, der die Technik auf der Fachmesse Dach+Holz vom 2. bis 5. Februar in Stuttgart präsentieren wird.

Eine Drohne für Dachdecker

Imagefilm der Firma Ascending Technologies über ein Projekt der Bauhaus-Universität Weimar zur Erkundung von Bauschäden am schiefen Turm von Bad Frankenhausen in Thüringen.

Zum Einsatz kommt eine Foto-Drohne der Marke Asc-Tec Falcon 8, die zwar rund 25.000 Euro kostet, dafür aber selbst bei Windstärke fünf bis sechs noch zuverlässig aufsteigen und sicher in Abständen von fünf bis zehn Metern ein Bauwerk vom Boden bis zur Spitze abfliegen kann. Die Flugroute der Drohne kann dank Autopilot im Vorfeld programmiert werden.

Sony Alpha 7R liefert Fotos im Vollformat

Im Falle des schiefen Turms von Bad Frankenhausen, der in seiner Schräglage sogar sein weltberühmtes Pendant in Pisa übertrifft, hat die Foto-Drohne in einer Stunde Flugzeit 525 Fotos geschossen, aus denen 310 Millionen Messpunkte ermittelt wurden. Kein kaputter Schiefer, kein Riss im Mauerwerk entgeht dem fotografischen Auge der Drohne, die mit einer Vollformatkamera der Marke Sony Alpha 7R ausgestattet ist.

Die Technik bietet ungeahnte Möglichkeiten, vor allem im Bereich des Denkmalschutzes. So werden bei der Beurteilung von Bauschäden erhebliche Einsparungen möglich, weil zum Beispiel keine teuren Gerüste aufgestellt werden müssen. Trotzdem könnten die Drohnen nicht den Fachmann ersetzen. „Nichts ersetzt das menschliche Auge und die Erfahrung der Fachhandwerker vollständig. Aber die Drohnen können ihnen die Arbeit erleichtern“, betont Norman Hallermann.

Dachdecker hoffen auf Zeit- und Kostenersparnis

Dem kann auch Karl-Heinz Schneider zustimmen. „Bei der Erstellung eines Angebots oder im Rahmen eines Wartungsvertrages brauchen wir aktuelle Daten über den Zustand des Dachs. Dabei kann uns der Einsatz von Drohnen helfen“, sagt der Präsident des Zentralverbandes der Dachdecker. Er erhofft sich von der Technologie vor allem eine Zeit- und Kostenersparnis. „Was früher gut und gern mal zwei bis drei Tage dauerte, kann eine Drohne in zwei bis drei Stunden erledigen“, so Schneider.

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