Meinung -

Was Jugendliche über Politik denken Drogen und Klima: Azubis sprechen über ihre Wünsche zur Bundestagswahl

Kurz vor der Bundestagswahl geben drei junge Leute aus dem Handwerk Auskunft, welche Themen sie für wichtig erachten und worum sich die Parteien kümmern sollten.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Bundestagswahl 2017

Jugendliche und junge Menschen beschäftigen sich nicht mit Politik – so lautet ein klassisches Vorurteil.

Dass man das so pauschal nicht sagen kann, zeigte kürzlich eine Jugendstudie der Zeitschrift "Bravo" und des Meinungsforschungsinstituts YouGov: 66 Prozent der befragten Jugendlichen gaben an, stark bis mittelmäßig an Politik interessiert zu sein. Zudem finden es 80 Prozent der Jugendlichen wichtig zu wählen, damit die eigenen Interessen in der Politik vertreten werden. Anlässlich der Bundestagswahl im September erzählen drei Handwerks-Azubis der Beruflichen Schule Wittelsbacher Land in Aichach, wie sie sich informieren, welche gesellschaftlichen Themen sie bewegen und was sich ihrer Meinung nach ­ändern müsste – auch im Handwerk.

Michael Korger (19) aus Friedberg, Zimmerer im ersten Lehrjahr: "Ich beziehe meine Nachrichten über alle Medien und informiere mich weiter, wenn mich etwas näher interessiert. Was mich zurzeit am meisten beschäftigt, ist die Klima­erwärmung. Die Bevölkerung wird bis 2050 auf zehn Milliarden wachsen, gleichzeitig erwärmen sich die Meere und die Bäume produzieren weniger Luft. Um die Umwelt zu schützen, würde ich als Politiker die autofreien Sonntage wieder einführen, um die Menschen wachzurütteln, und diejenigen Strafbeträge zahlen lassen, die kein Hybrid- oder Elektroauto fahren. Ich persönlich fahre nur selten Auto und versuche, weniger Strom und Wasser zu verbrauchen. Hilfreich wäre es auch, wenn die Leute weniger Fleisch essen würden. Die Produktion verbraucht viel Wasser und die Kühe stoßen umweltschädliches Methan aus. Wenn es höhere Steuern auf Fleisch gäbe und es teurer wäre, würden die Menschen auch weniger Fleisch essen.

Im Handwerk störe ich mich vor allem an dem Thema Ausschreibungen, da immer die Firmen genommen werden, die am günstigsten arbeiten. Bei denen läuft dann viel falsch und am Ende muss ein weiterer Betrieb beauftragt werden, der es wieder richten muss. Ich würde deshalb Gutachter einsetzen, die vorher kalkulieren, was für einen bestimmten Preis gemacht werden kann und was nicht. Auch wenn ich keine Partei besonders gut finde, werde ich trotzdem wählen, weil ich nicht möchte, dass Parteien wie die AfD in den Bundestag einziehen. Ich selbst engagiere mich nicht in der Politik, weil es viel zu lange dauern würde, bis ich etwas bewirken könnte. Ich finde auch, dass die Kanzler in Deutschland viel zu lange an der Macht bleiben. Deshalb sollten wir wie in den USA zwei Amtsperioden einführen, damit schneller frische Einflüsse in den Bundestag kommen."

Flüchtlingskrise wird viel diskutiert

Adnan Tokic (19) aus Augsburg, Kfz-Mechatroniker im dritten Lehrjahr: "In meinem Freundeskreis diskutieren wir oft darüber, was aktuell passiert. So haben wir immer ein Gesprächsthema. Bestürzt hat uns vor allem die Flüchtlingskrise und wie die Deutschen damit umgehen. Viele sagen, dass die Flüchtlinge raus aus Deutschland sollen – obwohl im Gesetzbuch steht, dass man sie aufnehmen muss. Ich finde das nicht gut. Wenn man die Möglichkeit hat zu helfen, sollte man sich gegenseitig unter die Arme greifen. Ich glaube, die Deutschen hinterfragen die Situation der Asylanten nicht. Sie wissen vielleicht nicht, aus welchen Gründen die Flüchtlinge hier sind, oder sie interessieren sich einfach nicht dafür. Nur wenn sie selbst erleben würden, was wirklich in den Heimatländern der Flüchtlinge vorgeht, könnten sie diese besser verstehen. Ich vertraue Politikern nicht wirklich. Trotzdem gehe ich wählen. Meine Stimme gebe ich einer Partei, die nicht gegen Ausländer ist."

Kevin Ertl (18) aus Hügelshart, Schreiner im ersten Lehrjahr: "Ich werde auf jeden Fall wählen, schon weil mein Opa in der Politik war und ich mein Leben lang mit dem Thema konfrontiert wurde. Ich habe Vertrauen in die Politik. Wenn es eine Entscheidung gibt, geht diese über viele Ecken. Der steigende Drogenkonsum in Deutschland macht mir Sorgen. Wäre ich Politiker, würde ich die Strafen für Drogen erhöhen. Lerne ich zum Beispiel neue Leute kennen, ist die erste Frage meist, ob ich auch kiffe. Ich bin überhaupt kein Freund davon. Auch in meinem Freundeskreis probieren es einige aus. Ich versuche dann immer die Stimme der Vernunft zu sein, indem ich ihnen erkläre, dass sie so etwas nicht brauchen.

Als Politiker würde ich mich außerdem um die Renten kümmern. Heutzutage wird man immer später Rentner und bekommt eigentlich gar kein Geld mehr. Deshalb bin ich unter anderem dafür, dass wir die Maut einführen. Der Hauptgrund, warum wir die nicht einführen, ist doch, weil wir schlecht dastehen würden. Aber die meisten in Europa haben ja mittlerweile die Maut und wir haben auch unsere Ausgaben. Und ein Teil des Geldes daraus könnte man dann für die Rentner nutzen. Im Handwerk finde ich vor allem die Bezahlung fragwürdig. Außerdem ist mir in der Berufsschule aufgefallen, dass viele Menschen ohne Abschluss den Beruf des Schreiners eigentlich nicht lernen wollen. Die Ausbildung ist für diese Leute nur ein Lückenfüller. Und sie vertuschen auch nicht, dass sie keine Lust darauf haben. Das kratzt am Klassenklima."

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