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Brexit Drei deutsche Unternehmer in England: Warum sie bleiben wollen

Die Situation ist verfahren und keiner kann sagen, wie der Brexit am Ende vollzogen wird. Drei Unternehmen erzählen, warum sie Großbritannien auch nach dem EU-Austritt trotzdem die Treue halten wollen.

Deutsches Brot könnte teurer werden

Vor rund zehn Jahren hat das Auswanderer-Ehepaar Petra Braun und Peter Wengerodt im Londoner Stadtteil Richmond die Bäckerei "Hansel & Pretzel German Delicatessen" eröffnet. Eigentlich war der ­Umzug auf die Insel nur als ein Abenteuer gedacht. Inzwischen sind die beiden in England längst sesshaft geworden und wollen nicht mehr weg. Die ­Geschäfte laufen gut und die Bäckerei ist über die Stadt hinaus bekannt für ihr deutsches Brot und andere Spezialitäten ­"made in Germany". Selbst Prinz Charles hat sich schon die Brezeln schmecken lassen.

Mit dem Erfolg im Rücken sollte das Geschäft bald um ein Café mit einer Sandwichbar erweitert werden. Doch der bevorstehende Brexit bereitet Peter Wengerodt Sorgen. "Die aktuelle Situation ist einfach nur deprimierend. Man kann eigentlich nur mit dem Kopf schütteln. Keiner weiß, wie es weitergeht und was auf uns zukommt." Der Großteil seiner Kunden möchte am liebsten, dass England doch noch in der EU bleibt.

Sollte es dennoch zum Brexit kommen, hofft Wengerodt, dass zumindest die Einfuhr von Waren weiter möglich sein wird. Fast 95 Prozent ihrer Grundzutaten importiert die Firma aus Deutschland. Wie mögliche Zölle und steigende Transportkosten so umgelegt werden könnten, dass Brot und Kuchen für seine Kunden bezahlbar bleiben, weiß Wengerodt nicht.

Bislang spürt die Bäckerei noch keine Auswirkungen des bevorstehenden EU-Austritts. Fachkräfte aus Deutschland auf die Insel zu holen, klappe noch ganz gut, sagt Wengerodt. Erst kürzlich ist ein Jungbäcker aus Baden-Württemberg dazugekommen. "Wir haben eher das Gefühl, das viele Leute noch auf die Insel kommen wollen, so lange das möglich ist." Trotz der bestehenden Unsicherheiten kommt eine Rückkehr nach Deutschland für das Ehepaar derzeit nicht infrage. Dass sie irgendwann das Land verlassen müssen, glaubt Wengerodt nicht. "Wir schaffen schließlich Arbeitsplätze. Das kann keiner ernsthaft verhindern wollen."

Nähe zu Entscheidern halten

Johannes Demmelhuber will in jedem Fall vorläufig in London bleiben. Der Geschäftsführer der Baierl & Demmelhuber Innenausbau GmbH aus Töging schätzt die Nähe zu den Entscheidern. Mit seinem Unternehmen ist er zwar weltweit in Projekten unterwegs, doch die Verträge und die Bedingungen der Finanzierung für Projekte im hochwertigen Innenausbau werden vielfach in der englischen Hauptstadt ausgehandelt.

Johannes Demmelhuber

Demmelhuber hat große Projekte wie die Lounge der Fluggesellschaft Emirates am Flughafen Heathrow oder auch Shop-in-Shop-Konzepte im berühmten Kaufhaus Harrod’s verantwortet. Ein Viertel seiner Auslandsumsätze macht das oberbayerische Unternehmen allein in England. Die Entscheidung zum Austritt aus der EU hat die Töginger seit rund zwei Jahren dementsprechend einiges an Aufträgen gekostet.

Nach dem Votum seien die Kunden erst einmal in Schockstarre verfallen. "Jeder hat abgewartet", sagt er. Speziell in Großbritannien sei nicht viel gebaut worden. Investitionen wurden verschoben, durch die Abwertung des Pfunds verteuerten sich die Waren. Allein die gute Konjunktur in Deutschland habe den Umsatzrückgang nicht spürbar werden lassen.

Dass es am Ende ein harter Brexit wird, kann sich Demmelhuber nicht vorstellen. So oder so, den Abschied der Briten bedauert Demmelhuber in jedem Fall. "Ich halte das für einen großen Verlust", sagt der Geschäftsmann. Die Zusammenarbeit habe auch auf persönlicher Ebene immer gut funktioniert und sei von Zuverlässigkeit und Vertrauen geprägt gewesen. Sollte es zu einem harten Brexit kommen, werde man sich den Bedingungen anpassen. Besondere Handelsvereinbarungen gebe es schließlich auch mit Norwegen und der Schweiz.

Sorge um Belieferung und Belegschaft

"Our Wurst is ze Best" – mit diesem selbstironischen Claim werben Azadeh Falakshahi und Florian Frey für ihre deutschen Würste in der englischen Hauptstadt. Die beiden aus dem Schwarzwald stammenden Deutschen betreiben seit 2010 in London eine Imbisskette namens "Herman ze German", in der sie erfolgreich deutsche Bratwurst verkaufen.

Herman ze German-Filiale Soho

Wie auch immer der Brexit am Ende ausgeht – Frey und Falakshahi wollen den Engländern weiterhin die gute deutsche Wurst anbieten und haben englische Pässe beantragt. "Weil uns England sehr am Herzen liegt", wie Falakshahi betont. Unsicher ist sich das Paar, weniger wegen ihres eigenen Aufenthaltsstatus. Die beiden Badener haben eher Sorge um ihre Wurstlieferungen. Denn diese kommen aus der Heimat.

Metzgermeister Christoph Hug aus Steinen, den Florian Frey schon seit Kindertagen kennt, liefert wöchentlich eine Tonne Wurst aus seinem Sortiment: Bockwurst, Kalbsbratwurst, Chili-Beef und saisonale Spezialitäten. Hug ist Partner der ersten Stunde und auch selbst am Unternehmen beteiligt. Einen harten Brexit hält Christoph Hug wegen der unübersehbaren Situationen beim Zoll für das größte Problem. "Ich hoffe, dass es zumindest im Lebensmittelbereich zu verringerten Zöllen käme", sagt er. Denn hohe Zölle würden sich natürlich auf den Preis auswirken.

Durch Zollabfertigung verlängerte Lieferzeiten täte der frischen Ware letztlich auch nicht gut. Vielleich müssten die beiden Imbissbetreiber dann öfter und in kleineren Mengen ordern. Auch auf die Belegschaft hätte der Brexit mit hoher Wahrscheinlichkeit Auswirkungen. Nur drei der 60 Mitarbeiter kommen aus England. Ob weiterhin etwa genug Italiener oder Portugiesen nach England kämen, ist fraglich.

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