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Steuertipp Doppelte Haushaltsführung: Fragwürdiges Steuerurteil

Befinden sich der Haushalt, an dem sich die Lebensinteressen befinden und die Zweitwohnung beide am Beschäftigungsort, liegt keine doppelte Haushaltsführung vor. In einem aktuellen Urteil vertrat das FG Berlin-Brandenburg darüber hinaus jedoch eine äußerst fragwürdige Auffassung.

Was ist eine doppelte Haushaltsführung genau?

Eine doppelte Haushaltsführung liegt steuerlich vor, wenn ein Arbeitnehmer oder ein Unternehmer an einem anderen Ort als seinem Wohnort arbeitet und dort eine Zweitwohnung anmietet. Die Zusatzaufwendungen für die Zweitwohnung dürfen in Höhe von 1.000 Euro als Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben pro Monat abgezogen werden. Das Problem dabei: Wann muss eine doppelte Haushaltsführung anerkannt werden? Muss die Entfernung des Beschäftigungsorts "weit" vom Wohnort entfernt sein?

Die Richter des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg führten zur doppelten Haushaltsführung Folgendes aus:

  • Der Beschäftigungsort im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung ist nicht die jeweilige politische Gemeinde, sondern der Bereich, der zu der konkreten Anschrift der Arbeitsstätte (noch) als Einzugsgebiet anzusehen ist.
  • Eine Wohnung am Beschäftigungsort kann angenommen werden, wenn sie in einem Bereich liegt, von dem aus der Arbeitnehmer üblicherweise täglich zu diesem Ort fahren kann.
  • Dabei liegen Fahrzeiten von etwa einer Stunde für die einfache Strecke noch in einem zeitlichen Rahmen, in dem es einem Arbeitnehmer zugemutet werden kann, von seinem Privathaushalt die erste Tätigkeitsstätte aufzusuchen (FG Berlin-Brandenburg, Urteil v. 16.2.2016, Az. 7 K 7366/13). dhz

Steuertipp

Sehr findige Finanzbeamte könnten dieses Urteil zum Anlass nehmen und eine doppelte Haushaltsführung zu verneinen, wenn Arbeitnehmer zwar weit entfernt von ihrem Beschäftigungsort leben, diese Wegstrecke jedoch mit dem Schnellzug in einer halben Stunde zurücklegen können (z.B. Beschäftigungsort München, Anmietung einer Zweitwohnung; Wohnort Pfaffenhofen). In diesem Fall sollten sich Betroffene mit einem Einspruch wehren und auf das Revisionsverfahren beim BFH verweisen (BFH, Az. VI R 2/16).

Weitere Steuertipps finden Sie im DHZ-Steuerarchiv.

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