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Ausbildungspakt Dilemma um Lehrstellenbesetzung

Das Handwerk sucht weiter händeringend nach Nachwuchskräften. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks spricht von einem "historisch niedrigen Ergebnis" für das aktuelle Ausbildungsjahr. Jugendliche sollen deshalb noch gezielter unterstützt werden.

Ausbildungspakt
Gut ausgebildeter Nachwuchs ist für das Handwerk schwer zu finden. -

Die Suche nach den passenden Lehrlingen wird immer diffiziler. Das gilt nicht nur für das Handwerk. Das gilt auch für andere Wirtschaftszweige. "Für die Betriebe wird es immer schwerer, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen", sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt nach einer Sitzung mit Vertretern von Wirtschaft, Regierung und der Bundesanstalt für Arbeit zum Ausbildungspakt. Nicht nur das Handwerk auch die anderen Wirtschaftszweige haben bis Ende September weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen.   

Viele Stellen weiter unbesetzt

Wie die Paktpartner nach einer Sitzung des Lenkungsausschusses mitteilten, sind die neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge Ende September im Handwerk um 2,9 Prozent auf 137.646 und bei Industrie und Handel um 1,7 Prozent auf 322.806 Ausbildungsverträge zurückgegangenen. Auch bei den Freien Berufen gab es ein Minus von einem Prozent auf 42.703 Verträge. Für das Handwerk ein "historisch niedriges Ergebnis", wie es beim ZDH heißt. Bis Ende Oktober sind zwar im Handwerk noch ein paar Lehrstellen dazugekommen. Mittlerweile weißt die Statistik 146.102 neue Lehrverträge aus, davon 127,315 im Westen und 18.787 im Osten. Dennoch bleibt ein Minus von 3,4 Prozent. Gleichzeitig gibt es noch rund 14.000 Ausbildungsplatzangebote in fast allen Ausbildungsberufen.

Auf dem gesamten Lehrstellenmarkt sieht es ähnlich aus: "Insgesamt haben wir mehr unbesetzte Stellen als unversorgte Bewerber", sagte Raimund Becker, Vorstand bei der Bundesagentur für Arbeit (BA). Jugendliche und Betriebe sollten bei der Nachvermittlung  etwas "mehr Kompromissbereitschaft" zeigen. Jugendliche sollten alternative Berufe und andere Regionen in Betracht ziehen und Betriebe sollten nicht nur an "Olympioniken" denken. Becker fügte hinzu, dass zwar die Zahl der Jugendlichen in Übergangssystemen in den vergangenen fünf Jahren von knapp 400.000 auf 294.000 verringert worden sei. Auch dieses Jahr kämen allerdings wieder 60.000 neue hinzu.

Frühzeitige Berufsorientierung

Auch deshalb sollen, wie ZDH-Präsident Otto Kentzler sagte, Jugendliche beim Übergang in die betriebliche Ausbildung noch gezielter  unterstützt werden. Nach den Worten von Bundesbildungsministerin Annette Schavan soll es bald flächendeckend eine frühzeitige Berufsosrientierung ab Klasse sieben geben. Auch sollen Jugendliche im Übergansbereich etwa über Praktika noch stärker für die betriebliche Ausbildung gewonnen werden. Parallel dazu sollen auch leistungsstarke Jugendliche für eine duale Berufsausbildung gewonnen werden. Außerdem will die Bundesregierung Jugendliche aus anderen europäischen Ländern fördern, die in Deutschland eine Ausbildung beginnen wollen.

Kentzler verwies auch auf die knapp 60.000 neu eingeworbenen Ausbildungsplätze. Davon gingen alleine 27.400 (Vorjahr: 26.600) auf das Konto des Handwerks. Als „Türöffner“ für die duale Ausbildung wollten die Unternehmen auch weiter  Einstiegsqualifizierugen anbieten. Allein im Handwerk sind bis Ende September 2.790 (Vorjahr: 2.932) EQ-Verträge unterzeichnet worden. Gleichzeitig hat das Handwerk 4.700 (5.200) neue EQ-Plätze eingeworben.

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