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ifh-Studie Digitalisierungsstudie zeigt: Gesundheitshandwerke ganz vorne

Die Fortschritte bei der Digitalisierung im Handwerk unterscheiden sich deutlich. Eine neue Studie zeigt, dass neben der Branche auch die Region eine Rolle spielt, in der sich der Betrieb befindet.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Studien zur Digitalisierung

In keiner Branche im Handwerk ist die Digitalisierung so relevant wie in den Gesundheitsberufen. Und nirgendwo anders wird das Potenzial so gut ausgeschöpft. Schon heute werden mithilfe von 3D-Scan und -Druck passgenauer Zahnersatz oder Hörsysteme angefertigt, Orthopädieschuhmacher nutzen digitale Laufganganalysen für maßgeschneiderte Einlagen und Brillengläser können unterstützt von Virtual Reality ausgewählt und an das Gesicht des Kunden angepasst werden.

Mehr als 1.000 Betriebe befragt

Das ifh Göttingen hat im Auftrag des Kompetenzzentrums Digitales Handwerk die Digitalisierungspotenziale der einzelnen Gewerke in den Bereichen Kunden und Lieferanten, interne Prozesse, Geschäftsmodelle, Mitarbeiter sowie IT-Sicherheit untersucht. Zudem wurden regionale Unterschiede beim Digitalisierungsgrad der Betriebe herausgearbeitet. Für die Studie wertete das ifh Göttingen die Angaben von mehr als 1.000 Handwerksbetrieben aus, die beim Digitalisierungscheck teilgenommen haben, der online oder gemeinsam mit den Betriebsberatern der Handwerkskammern durchgeführt werden kann.

Neben den Gesundheitshandwerken ist der Bedarf an Digitalisierungsmaßnahmen insbesondere im Kfz-Handwerk und den Ausbauberufen ausgeprägt. Allerdings gibt es auch innerhalb der Gewerke deutliche Unterschiede. So sehen etwa Zimmerer mehr Potenzial in der Digitalisierung als Dachdecker. Während das Ausbauhandwerk vor allem interne ­Prozesse und die Kommunikation der Mitarbeiter mithilfe von mobilen Endgeräten effizienter gestalten will, richtet sich der Fokus der Lebensmittelhandwerke auf den digitalen Kontakt zu den Kunden. Unter allen Handwerksbranchen weisen Bäcker, Konditoren und Co. das höchste bislang un­­genutzte Digitalisierungspotenzial auf.

Größere Betriebe einen Schritt voraus

Die Studie zeigt zudem, dass die Betriebsgröße und der Umsatz durchaus eine Rolle bei der Digitalisierung spielen. In aller Regel sind die großen Handwerksunternehmen den kleineren einen Schritt voraus. Auf der niedrigsten Stufe der Digitalisierung richten die Betriebe ihr Augenmerk vor allem auf die IT-Sicherheit und die digitale Kundenansprache. Die Digitalisierung kompletter Unternehmensprozesse scheint hingegen erst bei Firmen ab 250.000 Euro Jahresumsatz und mit mehr als 20 Mitarbeitern interessant zu werden.

Auch regional betrachtet zeigen sich Unterschiede. Bundesländer mit großen Ballungszentren und hoher Wirtschaftsleistung liegen in der Umsetzung der Digitalisierung deutlich vorne. In den Betrieben aus östlichen Bundesländer – mit Ausnahme von Berlin – wird die Bedeutung der der Digitalisierung hingegen insgesamt schwächer eingeschätzt.

Die Studie kann unter www.ifh.wiwi.uni-­goettingen.de heruntergeladen werden.

Wer über Vorreiter der Digitalisierung spricht, hat lange Zeit ganz sicher nicht an Deutschland gedacht. Ob die dürftige Ausstattung in den Schulen, die mangelhafte Modernisierung der öffentlichen Verwaltung oder die weißen Flecken beim Breitband- und Mobilfunkausbau. Die Bundesrepublik hat sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Und auch in vielen Betrieben ging die Digitalisierung nur schleppend voran.

Steffen Guthardt

Doch die Corona-Krise hat sich als Wendepunkt erwiesen. Die Bundesregierung investiert so viel wie nie zuvor in eine digitale Offensive. Auch Handwerksbetriebe haben aus der Not eine Tugend gemacht und damit begonnen ihre Prozesse zu digitalisieren. Was aber bleibt davon übrig, wenn die Krise mit der Einführung eines Impfstoffes überwunden wird?

In alte Muster zu verfallen wäre fatal. Vielmehr gilt es den aktuellen Schwung mitzunehmen und noch deutlich mehr zu tun. Nur so kann die deutsche Wirtschaft international wettbewerbsfähig bleiben.

steffen.guthardt@holzmann-medien.de

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