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Digitalisierung im Handwerk Zwischen CNC-Fräse und 3D-Drucker

Zentrale Datenbanken, digitale Fertigungstechnologien. Viele Betriebe stellt die Digitalisierung vor eine Herausforderung. Sie sollten aber nicht davor zurückschrecken, sondern die Möglichkeiten für sich nutzen, wie ein Beispiel aus dem Metallhandwerk zeigt.

Digitalisierung Jens Loll
Thorsten Hojer ist der Leiter des Bereichs Werkzeugbau bei Loll Feinmechanik. -

"Die Digitalisierung steigert die Effizienz und Flexibilität unserer Arbeit", sagt Christina Bichel, Leiterin Finanzen und Personal bei Loll Feinmechanik aus Tornesch in Schleswig-Holstein. "In der Verwaltung etwa hat jeder Mitarbeiter über ein zentrales System schnellen Zugang zu allen notwendigen Unterlagen und kann so schnell auf Kundenanforderungen oder Fragen reagieren."

Ein weiterer Punkt ist, dass man durch die Bestrebungen in Richtung eines "papierlosen Büros" eine weitere Vergrößerung des physischen Archivs vermeiden will. Das hat nicht nur platztechnische Vorteile, sondern auch ganz praktische: "Es muss wesentlich weniger Zeit für Ablage und Suchen von Unterlagen aufgewendet werden. Das ist eine deutliche Erleichterung", so Bichel.

Systeme multimedial vernetzen

Digitalisierung gehört auch im Metallhandwerk immer mehr zum Geschäftsalltag. "In den Betrieben wird zunehmend intensiver daran gearbeitet, Produkte durch die Integration von Hard- und Software 'intelligent' zu machen", sagt Karlheinz Efkemann, Pressesprecher beim Bundesverband Metall.

Unter Digitalisierung versteht man in den betrieblichen Geschäftsprozessen ganz allgemein die Überführung analoger Inhalte ins Digitale. Dazu gehören unter anderem die Arbeitsorganisation, die Auftragsbearbeitung und der Verkauf. Es geht darum, wie Systeme multimedial vernetzt und betrieblich integriert werden können. In den vergangenen Jahren haben solche neue Informations- und Kommunikationstechnologien immer stärkeren Einzug in den Betrieben erhalten.

Effizienz und Flexibilität

Während die Kommunikation per E-Mail und die Nutzung des Internets für bestimmte Zwecke längst zum Geschäftsalltag gehören, wurden zum Beispiel die Möglichkeiten des Bereichs Online-Verkauf laut einer Umfrage des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) im ersten Quartal 2014 noch nicht besonders weit verbreitet genutzt. Nur 8,1 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, das Internet für den Direktverkauf zu verwenden. 83,4 Prozent der Betriebe nutzten die Kommunikationsmöglichkeiten per E-Mail, 71,1 Prozent das Online-Banking.

"Durch neue Software-Lösungen kann die Effizienz in den Unternehmen deutlich gesteigert werden", merkt Efkemann an. Diese Entwicklung bringe aber auch einen steigenden Aufwand im Datenschutz mit sich. "Der Bundesverband Metall will seine Mitglieder künftig noch stärker in Fragen der Digitalisierung zu unterstützen", versichert der Diplom-Ingenieur.

3D-Druck eröffnet neue Wege


Auch in der Fertigung erhalten neue Methoden und Techniken wie der 3D-Druck immer mehr Einzug. Besonders im Metallhandwerk ist das der Fall. "Bei der Entwicklung der 3D-Drucktechnologie beispielsweise wirken Betriebe der Feinwerkmechanik intensiv mit. Hier liegen Chancen von der Materialoptimierung in der Serienfertigung bis hin zu Kostensenkung und Flexibilisierung in der Produktion", so Efkemann. Die Anschaffungskosten für 3D-Drucker oder für die Schulung der Mitarbeiter, können sich mittel- und langfristig lohnen, wenn die neuen Wege die Produktion von Einzelteilen effektiver und kostengünstiger macht.

Beim 3D-Druck ist die sogenannte "Additive Fertigung" das große Schlagwort. Statt bei der Herstellung eines Bauteils wie bisher das Material durch Fräsen oder Drehen abzutragen (subtraktive Fertigung), wird von der Maschine nach Eingabe eines digitalen Datensatzes das Bauteil Schicht für Schicht aufgebaut. Zum Einsatz kommen dazu je nach Produkt verschiedene Materialpulver. In dünnen Schichten wird im Entstehungsprozess nach und nach das gewünschte Bauteil auf der Bauplattform aufgetragen.

"Mit der Investition in diese neue Technologie haben wir unser Angebotsportfolio erweitern können. Sie war für uns ein großer Schritt in einen vollkommen neuen Bereich, der ein Umdenken bei der Konstruktion erfordert", sagt Geschäftsführer Jens Loll. "In Kombination mit unseren Kompetenzen im CNC-Drehen und -Fräsen ergeben sich jetzt für unsere Kunden ganz neue Lösungsansätze für ihre Aufträge."

Die Umstellung planen


Diese Fertigungstechnik hat vor allem dann echte Vorteile, wenn das Produkt speziell im Hinblick auf die Verwirklichung mittels 3D-Druck geplant wurde. So können Teile nur in diesem Verfahren etwa mit Hohlräumen gebaut werden. Das spart Gewicht und oft auch Kosten, da hierdurch weniger Werkstoffe im Müll landen.

Betriebe, die auf die digitale Schiene mit aufspringen wollen, sollten sich im Vorfeld gründlich Gedanken dazu machen, rät Bichel: "Man muss im Allgemeinen darauf achten, wo sich eine Umstellung wirklich lohnt und welche Abteilungen und Bereiche sich überhaupt für eine Umstellung eignen. Man sollte jeden Bereich ausgiebig prüfen und im Team die einzelnen Schritte besprechen – als Einzelperson kann man nur schwer alle Facetten abschätzen."

Zudem sollte man die gesetzlichen Anforderungen in jedem Falle beachten. Auch bei Loll Feinmechanik gebe es noch viele Bereiche, die mit Papier arbeiten, sagt Bichel: "Wir sind also noch lange nicht am Ende unserer Umstellung angekommen."

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