Freiburg -

Betriebsbesuch Digitalisierung als Pluspunkt

Katrin Schütz, Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg, besuchte am ersten Tag ihrer Digitalisierungs- und Ausbildungsreise die Firma Karl Burger Bau GmbH in Waldkirch.

Ziel ihrer Reise war es, sich vor Ort mit Firmenchefs, Auszubildenden und Ausbildern auszutauschen. Auf dem Programm standen elf Betriebe aus allen Bereichen der Wirtschaft, die sich besonders für die Ausbildung engagieren und die Digitalisierung aktiv mitgestalten.

Am 30. Juli empfing Firmeninhaber Christof Burger die Staatssekretärin und ihre Delegation auf dem Firmengelände: „Ich freue mich aufrichtig, dass Sie in so hochrangiger Besetzung in unser ‚staubiges‘ mittelständisches Bauunternehmen gekommen sind.“ Auch zahlreiche Gäste waren gekommen, darunter der Präsident der Handwerkskammer Freiburg, Johannes Ullrich, die Geschäftsführer der Kammer, Wolfram Seitz-Schüle und Rainer Botsch, der Oberbürgermeister der Stadt Waldkirch, Roman Götzmann, sowie regionale Vertreter von Politik, Wirtschaft und Arbeitsagenturen.

„Es ist mir eine große Freude, hier sein zu dürfen, denn das Handwerk liegt mir sehr am Herzen“, konstatierte Katrin Schütz. Bedauernd fügte sie hinzu, dass es schon auffalle, dass man heute nur noch maximal zehn handwerkliche Berufe im Blick habe. „Dabei hat das Handwerk so viel mehr an Tiefe zu bieten.“ Es gebe so viele tolle Berufe. Sie sei gekommen, um sich ein Bild zu machen, mit welchen Maßnahmen die Unternehmen die Nachwuchsgewinnung und das herausragende Ausbildungsniveau sicherstellen.

Es sei ihr sehr wohl bewusst, dass „unsere baden-württembergischen Betriebe bei der Ausbildung junger Menschen sehr engagiert sind. Die Ausbilderinnen und Ausbilder stecken viel Herzblut in die Qualifizierung des Fachkräftenachwuchses. Das möchte ich würdigen.“

Christof Burger bekräftigte: „Die Lehrlingsausbildung ist das Rückgrat des Handwerks. Sie ist so wichtig für uns, weil wir Facharbeiter brauchen.“ Das herausragende Ausbildungsniveau sei einzig und allein durch die duale Ausbildung gewährleistet, die immer wieder auf den neusten Stand gebracht werde. Die Aufnahme digitalisierter Arbeitsabläufe in die Lerninhalte sei dafür das beste Beispiel.

Gedankenaustausch beim Firmenrundgang

Beim Rundgang erläuterte Christof Burger die Arbeitsabläufe im Unternehmen. Vieles werde hier in der Fertigungshalle vormontiert; dies erleichtere die Arbeit auf der Baustelle immens. Auch könne dies eine Antwort auf den Fachkräftemangel sein. „Wir bauen hier alles, außer Straßen“, beschreibt Burger das Firmenprofil. „Dafür haben wir Partner. Beteiligungsgesellschaften und Kooperationen machen uns einfach stärker und besser, um die Dinge, die für den Einzelnen zu groß werden, gemeinsam bewältigen zu können.“ Diese Form der Zusammenarbeit sei ihm sehr wichtig. Er stellte fest, dass das Handwerk nicht immer alle seine Möglichkeiten ausschöpft. Was ihn zusätzlich ärgere, sei die zunehmende Bürokratisierung.

Im regen Austausch taten sich viele weitere Möglichkeiten auf, dem Fachkräftemangel zu begegnen. Man sprach über erste Erfolge, zum Beispiel bei der grenzüberschreitenden Ausbildung, der Fachkräfteallianz, der Einstellung von Geflüchteten und allen voran natürlich bei der Umsetzung der Digitalisierung.

Für Katrin Schütz war das Thema Digitalisierung ein wichtiger Punkt ihrer Reise: „Ich möchte mich auch gezielt darüber informieren, wie die Ausbildungsbetriebe die Chancen der Digitalisierung für sich nutzen. Gerade im Wettbewerb um den Fachkräftenachwuchs ist die Digitalisierung ein Plus, um als Arbeitgeber attraktiver zu sein.“ Mit der „Personaloffensive Handwerk 2025“ sei hier ein probates Mittel für die Handwerkskammern geschaffen worden. Sie umfasst die Förderung von Personalberatern, die die Betriebe kostenlos beraten. Bei der Handwerkskammer Freiburg ist Kerstin Wadehn diese Expertin.

„Ich verstehe unter Digitalisierung digitale Transformation. Wie mache ich meinen Betrieb fit für das, was in der Zukunft kommt, und wie mache ich meine Mitarbeiter fit, diese digitalen Tools dann auch zu nutzen?“, ergänzte Christof Burger. Die Digi­talisierung werde seiner Ansicht nach auch nicht – wie oft befürchtet – dazu führen, dass Personal abgebaut werde, stattdessen seien die durch Aus- und Weiterbildung in hohem Maße kompetenten Mitarbeiter vielseitiger und anderweitig einsetzbar.

Die Digitalisierung ist mittlerweile Bestandteil der Lerninhalte zahlreicher Berufe. Bei den Fachleuten in seinem Unternehmen, auch bei den Jüngeren, war dies noch nicht so, bedauerte Christof Burger. Es sei daher sehr wichtig, die Mitarbeiter zu motivieren, sich weiterzubilden. Mit berechtigtem Stolz berichtete er, wie einer seiner Maurergesellen „ganz vorn bei der Einführung und Anwendung des digitalen Vermessungssystems mit dabei war und ist“.

Bauleiter Rocco Schmidt ist ebenfalls Experte. Er stellte den staunenden Besuchern die sogenannte Totalstation – eine digitale Messstation – vor, die den Vermessungsprozess auf Baustellen dank aktuellster Technik und digitaler Kommunikation erheblich erleichtert und verkürzt.

Auch Schreiner Manuel Rombach erzählte, dass er sich nach seiner Ausbildung umgeschaut hat, was das Handwerk, „außer Möbel zusammenbauen“, noch so zu bieten habe. Er bewarb sich bei Burger Bau, wurde eingestellt und weder er noch sein Chef haben diese Entscheidung bereut. „Herr Rombach hat erkannt, dass Bauen das letzte echte Abenteuer ist“, scherzte Burger abschließend.

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