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Virtuelles Erbe 80 Prozent der Deutschen regeln ihren digitalen Nachlass nicht

Was geschieht mit meinem virtuellen Ich, wenn ich mal sterbe? Eine Studie zeigt, dass nur rund 20 Prozent der Deutschen festgelegen, wie nach ihrem Tod mit ihren Online-Daten umgegangen werden soll. Die Verwaltung des digitalen Erbe vorab zu regeln, ist aber wichtig. Bestatter stehen mit Tipps zur Seite.

Unser Alltag ist digital, ständig sind wir "online" und mit zahlreichen Konten im Internet angemeldet. Wenn ein Mensch stirbt hinterlässt er also nicht nur seine Erbstücke, sondern auch einen Berg voller Daten im Netz. Aber was passiert mit dem eigenen Interneterbe nach dem Tod? Für viele Internetnutzer ist das unklar.

Nur eine Minderheit beschäftigt sich zu Lebzeiten damit, was nach dem Tod mit den eigenen digitalen Daten geschehen soll, etwa mit den Social-Media-Profilen oder dem E-Mail-Konto. Laut einer Studie des Digitalverbands Bitkom sagen acht von zehn Internetnutzern (80 Prozent), dass sie ihren digitalen Nachlass noch überhaupt nicht geregelt haben. Dabei zeigen sich vor allem die jüngeren und die älteren Generation relativ unbedarft. 88 Prozent der 14- bis 29-Jährigen und 96 Prozent der Generation 65 Plus, die im Internet aktiv sind, haben sich um ihren digitalen Nachlass noch überhaupt nicht gekümmert.

Bestatter als Ratgeber bei wichtigen Fragen

Zudem gaben in der Umfrage sieben von zehn Internetnutzern (69 Prozent) an, dass ihnen schlichtweg die Informationen fehlen, um den digitalen Nachlass zu regeln. Hier können Bestatter helfen: "Unsere Aufgabe ist es, die Angehörigen darüber aufzuklären welche Möglichkeiten es gibt, die Konten und Daten des Verstorbenen im Netz zu verwalten oder zu löschen", sagt Christian Streidt, Präsident des Bundesverbands Deutscher Bestatter.

Spezielles Verfahren für digitale Nachlassverwaltung

Um den Hinterbliebenen bei der schwierigen Verwaltung helfen zu können, haben die Bestatter-Landesinnungen eine Kooperation mit der Firma Columba geschlossen. Streidt: "Columba hat ein spezielles Verfahren entwickelt, dass die Nachlassverwaltung im Internet ermöglicht."

Zunächst können die Daten des Verstorbenen bei Columba hinterlegt werden. In regelmäßigen Abständen gleichen Unternehmen dann die Daten ihrer Nutzer mit den Eintragungen bei Columba ab. Erkennt das System eine Übereinstimmung erhält das Unternehmen eine Nachricht über das Ableben der Person. "Anschließend nehmen die Firmen mit Columba Kontakt auf und melden, dass der Verstorbene dort einen Account hatte. Dann kann das weitere Vorgehen mit den Angehörigen abgestimmt werden", erläutert Streidt.

Wie wichtig eine ausführliche Beratung der Angehörigen ist, zeigt ein Blick auf die Regelungen einzelner Online-Anbieter wie Facebook, Google oder Yahoo. Denn: Einen einfachen Zugriff auf die Konten für die Hinterbliebenen gewähren nur die wenigsten. In der Regel müssen Hinterbliebene die Betreiber von sozialen Netzwerken benachrichtigen, wenn sie entsprechende Mitgliedschaften des Verstorbenen kennen. Dabei wird oftmals die Vorlage einer Sterbeurkunde verlangt. Bei beruflichen Netzwerken wie etwa Xing wird das Profil deaktiviert, sobald der Betreiber vom Tod eines Mitglieds erfährt.

Was geschieht mit dem digitalen Nachlass?

Das sollten Sie beachten.

Im Jahr 2065 mehr Tote als lebende Personen bei Facebook

Bei Facebook ist es Nutzern möglich, zu Lebzeiten einen Nachlasskontakt zu bestimmen, der das Profilfoto des Verstorbenen ändern oder auf Freundschaftsanfragen reagieren darf. Eine Anmeldung unter dem Konto des Verstorbenen oder das Lesen von dessen Chats ist aber auch dem Nachlasskontakt nicht möglich. Angehörige können darüber hinaus beantragen, das Profil in einen "Gedenkzustand" zu versetzen. Die Profilinhalte bleiben dann erhalten und Freunde oder Familienmitglieder können in der Chronik Erinnerungen teilen. Laut einer Studie der Website "what if?" könnte es bei Facebook bereits ab dem Jahr 2065 mehr Accounts von Toten als von lebenden Personen geben.

Google führt Kontoinaktivitätsmanager ein

Google hat für den Umgang mit Online- Konten Verstorbener einen so genannten Kontoinaktivitätsmanager eingerichtet. Hier kann der Nutzer bis zu zehn Personen benennen, die über die Inaktivität benachrichtigt werden sollen. Der Nutzer kann festlegen, wer auf welche Daten Zugriff haben darf oder ob das Konto komplett mit allen Inhalten automatisch gelöscht werden soll. Hat der Verstorbene keinen Kontoinaktivitätsmanager eingerichtet, müssen sich Hinterbliebene direkt an Google wenden.

E-Mails fallen unter das Briefgeheimnis

"Äußerst kompliziert ist es bei E-Mail-Konten. Diese fallen unter das Briefgeheimnis", sagt Bestatter Streidt. Bei E-Mail-Postfächern, wie beispielsweise Yahoo, wird in der Regel der Zugriff auf das Konto verweigert. Durch Vorlage der Sterbeurkunde können Erben den Account lediglich löschen lassen.

Digitalen Nachlass verwalten

Um den Familienangehörigen die Organisation und Verwaltung zu erleichtern, ist es sinnvoll sich bereits vorab um den digitalen Nachlass zu kümmern und Passwörter sowie Anweisungen für den Umgang mit den Online-Konten anzulegen.

Digitalen Nachlassverwalter bestimmen

Zum einen sollte eine Liste mit allen relevanten Passwörtern und Benutzerkonten an einem sicheren Ort deponiert werden. "Wir empfehlen hier oftmals einen Notar", so Streidt. Zum anderen sollte eine Vollmacht für die Personen ausgestellt werden, die Zugang zu den Accounts bekommen sollen. Wichtig: Diese Vollmacht muss ausdrücklich auch über den Tod hinaus gültig sein.

Außerdem ist es sinnvoll, in der Vollmacht genau festzulegen, was mit Endgeräten, wie Smartphone, Laptop oder Tablet und den darauf gespeicherten Daten geschehen soll. "In seiner Vollmacht einen d igitalen Nachlassverwalter zu bestimmen und detailliert festzulegen, wer Zugriff auf die Sachen bekommt, ist unerlässlich, sonst sind einige Daten womöglich für immer verloren", erklärt der Bestatter.

Davon betroffen könnten beispielsweise jene aus einer digitalen Cloud sein. Als Cloud wird das Speichern von Daten in einem entfernten Rechenzentrum bezeichnet. Gegenüber Cloud-Anbietern haben Hinterbliebene in der Regel Sonderkündigungsrechte. Bei der Online-Kommunikation gilt zugleich jedoch das Fernmeldegeheimnis, das auch die Rechte der Kommunikationspartner des Verstorbenen schützt.

Kampagne zur Aufklärung

Um die Menschen darin zu bestärken sich rechtzeitig um ihren digitalen Nachlass zu kümmern, hat der Bundesverband der Verbraucherzentralen eine Kampagne gestartet. Unter machts-gut.de hilft ein Fragebogen, die wichtigsten Fragen rund um den digitalen Nachlass zu klären.

Das sollten Sie bei Ihrem digitalen Nachlass beachten:

  • Fertigen Sie eine Übersicht aller Accounts mit Benutzernamen und Kennwörtern an.
  • Speichern Sie die Übersicht auf einem Kennwort geschützten USB-Stick, den Sie an einem sicheren Ort deponieren. Beispielsweise in einem Tresor, beim Notar oder in einem Bankschließfach.
  • Bestimmen Sie eine Person Ihres Vertrauens zu Ihrem digitalen Nachlassverwalter.
  • Legen Sie in einer Vollmacht fest, wer sich um ihr digitales Erbe kümmern soll.
  • Regeln Sie in der Vollmacht detailliert, wie mit Ihrem digitalen Nachlass umgegangen werden soll. Bestimmen Sie ebenfalls, was mit Ihren Endgeräten (Computer, Smartphone, Tablet) geschehen soll.
  • Die Vollmacht muss handschriftlich verfasst und mit einem Datum versehen sein. Wichtig: sie muss unterschrieben und "über den Tod hinaus" gültig sein.
  • Teilen Sie Ihrer Vertrauensperson mit, wo Sie die Zugangsdaten zu Ihren Accounts findet.
  • Denken Sie daran, die Auflistung Ihrer Accounts immer aktuell zu halten.

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