Wiesbaden -

Instrumentenbau Dieter Hopf hat den Bogen raus

Der Gitarrenbaumeister baut Instrumente für renommierte Musiker und vertraut seit 40 Jahren der "Virtuoso".

Dieter Hopf
Immer noch aktiv: Dieter Hopf ist auch mit 77 Jahren beinahe täglich in der Werkstatt seines Gitarren-Ateliers anzutreffen. -

Für Dieter Hopf aus Taunusstein hängt der Himmel voller Geigen, Gitarren, Mandolinen, Flöten der Spitzenklasse. Er ist 77 Jahre alt und noch nicht müde. Beinahe täglich ist er in Werkstatt und Büro seines Gitarren-Ateliers im Stadtteil Wehen anzutreffen. Der Gitarrenbaumeister liebt den Geruch von Holz und Harz, das Schmirgeln des Papiers über den Hohlkörpern, den Klang der fertigen Werke und die Betriebsamkeit in dem kleinen Betrieb mit seinen in Werkstatt und Büro zehn Mitarbeiterinnen und Mit­arbeitern.

In diesem Jahr feierte die ­Gitarre "Virtuoso" ein rundes Jubiläum: Seit vier Jahrzehnten wird sie in dem Atelier in der Platter Straße von Könnern für Könner handwerklich ge­fertigt. 1973 war die Geburtsstunde der "Virtuoso". Da war der junge Hopf ­gerade einmal seit fünf Jahren Meister. Heute gibt es in dem familiären Traditionsunternehmen auch Mandolinen, umfangreiches Zubehör und Konzertgitarren, E-Gitarren- und Westerngitarren.

Bis zu 120 Stunden dauert der Bau einer durch und durch handwerklich hergestellten Gitarre, zumeist ein individuell gefertigtes Einzelstück. Dazu braucht es Hingabe, Ruhe und Geduld. Und natürlich meisterliches Können. Etwa 60 Stück davon werden pro Jahr im Atelier Hopf von Musikern aus dem In- und Ausland bestellt.

Deutsche Gitarre mit brasilianischer Seele

Joe Sander von der "Johnny Cash Experience" spielt mit einer Gitarre aus dem familiären Traditionsunternehmen Hopf. Gerry Saulter hat bei Auftritten im In- und Ausland musikalisch mit der "Virtuoso" den Bogen raus. Echo-Klassik-Preisträger Michael Tröster und viele andere mehr vertrauen auf ein Wehener Meisterstück. Vom brasilianischen Instrumentalisten Baden Powell ist folgender Ausspruch überliefert: "Ich liebe meine Hopf-Gitarre. Weil sie, obwohl deutscher Herkunft, eine brasilianische Seele hat."

Eine Gitarre schickte Powell handsigniert an Hopf zurück, der das ausgemusterte und vom Leben gezeichnete Stück seither wie seinen Augapfel hütet – in einem original Gitarrenkoffer, der ebenfalls Powell gehörte. Powells Sohn Louis Marcel, der musikalisch seinen Vater beerbte, zählt mittlerweile ebenfalls zur Kundschaft des Wehener Meister­betriebs.

Das Credo von Dieter Hopf lautet: "Der Ärger über schlechte Qualität währt länger als die kurze Freude über einen niedrigen Preis." Selbstredend ist eine auf Bestellung gefertigte Gitarre nicht zum Schnäppchenpreis zu haben. Doch das wissen die Kunden und Musiker aus aller Welt. Gute Pflege und Instandsetzungsarbeiten vorausgesetzt, halten die handwerklichen Meisterstücke auch viele Jahre lang.

Laut Tochter Sabine Häffner, die im Büro des väterlichen Betriebes arbeitet, entstehen die Instrumente in drei Klassen: dem Schüler-, Oberklasse- und Meisterklassesegment. Zu letzterem ­gehört die "Virtuoso", die sehr traditionell gebaut wird.

Verschiedene Patente und Schutzansprüche hat Dieter Hopf im Laufe seines Arbeitslebens erfunden und ­angemeldet, unter anderem ein frei schwingendes Deckensystem, den ­Rosettensteg und die Membrandecke. Innovation mit Traditionellem zu ­verbinden, das war und ist stets die Triebfeder von Dieter Hopf gewesen. In Sachen Zupfinstrumentenbau hat er den Bogen raus und den Taktstock noch längst nicht aus der Hand gelegt. Zwar ist sein Sohn nicht in seine beruflichen Fußstapfen getreten, doch gibt es Enkel, die vielleicht einmal die Familientradition fortsetzen wollen. Hofft Hopf. hopfguitars.com

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