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Hellblaue und dunkelblaue Plakette Umweltbundesamt: Weniger Fahrverbote mit zwei blauen Plaketten

Monatelang wurde darüber diskutiert, ob eine blaue Plakette für saubere Diesel-Autos eingeführt werden soll. Neuester Stand im Durcheinander um Diesel-Fahrverbote: Nicht eine, sondern zwei Plaketten sollen kommen. Warum der Vorschlag des Umweltbundesamtes zahlreiche Diesel-Fahrer entlasten könnte.

Während die einen noch darüber diskutieren, ob eine blaue Plakette eingeführt werden soll, bringt das Umweltbundesamt bereits eine weitere Lösung ins Spiel: Zwei Plaketten müsse es nach Meinung der Behördenchefin Maria Krautzberger geben.

Für wen die hellblaue, für wen die dunkelblaue Plakette?

Krautzberger schlägt vor, eine hellblaue Plakette für nachgerüstete Euro-5-Diesel und bereits zugelassene Euro-6-Diesel einzuführen. Eine dunkelblaue Plakette sollen Diesel-Fahrzeuge mit der besonders "sauberen" Abgasstufe Euro-6d-TEMP oder Euro-6d bekommen. "Damit hätten die Städte eine Möglichkeit, auf ihre jeweilige lokale Belastung zu reagieren", erklärte Krautzberger im Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Städte, in denen die Stickoxid-Belastung verhältnismäßig gering über den Grenzwerten liegt, könnten den Verkehr somit für Diesel-Fahrzeuge mit hellblauer Plakette freigeben. Die Chefin des Umweltbundesamtes schätzt, dass diese Maßnahme in vielen Kommunen bereits genügen könnte, um die Grenzwerte bis 2020 einzuhalten.

Die Richter des Bundesverwaltungsgerichts hatten bei ihrem Urteil vergangene Woche ein Verkehrsverbot für alle Euro-5-Autos angeregt. Das wäre bei einer Zwei-Plaketten-Lösung zumindest teilweise vom Tisch: Halter von nachgerüsteten Euro-5-Diesel würden in Städten, die Grenzwerte nur gering überschreiten, vorerst von Fahrverboten verschont bleiben. Die Kosten für entsprechende Nachrüstungen müsse "natürlich die Autoindustrie" tragen, betonte Krautzberger.

Wer in stark belasteten Städten wie etwa München oder Stuttgart wohnt, muss allerdings auch bei der Zwei-Plaketten-Lösung mit Fahrverboten für Diesel-Fahrzeuge mit einer Abgasstufe unter Euro-6d rechnen.

Diesel-Fahrverbote: Verkehrsministerium gegen blaue Plakette

In ihrem Urteil rügten die Leipziger Richter, dass es derzeit keine bundeseinheitlichen Regelungen wie etwa eine blaue Plakette gebe. "Wie sollen die Städte unterscheiden, ob da gerade ein Euro 5 vorbeifährt oder der sauberste Euro-6d-Wagen", kritisiert auch Krautzberger. Ihrer Meinung nach drohe ohne eine Plakette ein Flickenteppich kommunaler Lösungen, mit abgesperrten Streckenabschnitten, die den Verkehr nur verlagern. Die Bundesregierung kündigte bereits an, über eine blaue Plakette für saubere Autos beraten zu wollen. Das Verkehrsministerium lehnte eine solche Maßnahme bislang ab.

Rufe nach einer einheitlichen Lösung kommen auch von Seiten der Grünen. Im Gespräch mit dem SWR begrüßte Partei-Chefin Annalena Baerbock die Idee des Umweltbundesamtes: "Jeder Vorschlag, der in die Richtung geht, dass wieder Ordnung ins System kommt, ist gut." Eine einheitliche Regelung sei wichtig, um Verwirrung bei Autofahrern zu vermeiden. fre

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