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Dieseldiskussion Dieselnachrüstung: Wollseifer attackiert Autoindustrie

Beim Thema Dieselnachrüstung sind immer noch viele Fragen offen. Und finanzielle Unterstützung für Hardware-Nachrüstungen soll es erst ab 2021 geben. ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer spricht von einer Politik der Tatenlosigkeit.

Dem Handwerk reist beim Thema Dieselnachrüstung bald der Geduldsfaden: "Was sich die Autoindustrie bisher geleistet hat, ist höchst beschämend und wird flankiert von einer Politik der Tatenlosigkeit", sagte ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer im Interview mit der Deutschen Handwerks Zeitung. Nach dem Oktober-Dieselkompromiss sei weiter völlig unklar gewesen, wer, wann, was bei einer Pkw-Nachrüstung bezahlt. Das November-Treffen habe immerhin Zusagen von VW und Daimler gebracht, sich an der Finanzierung der Nachrüstung für ihre Kunden beteiligen zu wollen. Noch immer aber fehlten Einzelheiten und Zusagen anderer – insbesondere auch ausländischer Hersteller. Unklarheiten gebe es auch noch bei der Förderung der Nachrüstung von Nutzfahrzeugen.

Beim jüngsten Treffen zwischen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und deutschen Autoherstellern verständigten sich die Beteiligten darauf, bis zu 3.000 Euro für Abgasverbesserungen an älteren Dieselfahrzeugen mit der Abgasstufe Euro 5 zu bezahlen. Das Geld sei für "herstellerspezifische Maßnahmen" gedacht, sagte Scheuer. Dazu könnten Hardwarenachrüstungen zählen. Daimler und Volkswagen hätten sich dazu grundsätzlich bereiterklärt. BMW wolle nach wie vor keine Hardwarenachrüstung von Pkws, würde aber dennoch bis zu 3.000 Euro diesen Diesel-Fahrzeughaltern zur Verfügung stellen.

Generell gilt das jetzt ausgehandelte Angebot der drei deutschen Autohersteller nur für die so genannten 15 "Intensivstädte", in denen der Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickoxid je Kubikmeter Luft überschritten wird. Zu ihnen zählen Stuttgart, München, Frankfurt und Köln.

Hardwarenachrüstungen für Diesel sollen erst 2021 auf den Markt kommen

Dabei wird es die finanzielle Unterstützung für Hardwarenachrüstungen nach den Worten Scheuers erst ab 2021 geben. Erst dann seien entsprechende Nachrüstsets auf dem Markt. Bis dahin könnten Umtauschprämien der Hersteller in Anspruch genommen werden. Auch der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, Bernhard Matthes, teilte mit, derzeit gebe es serienreife Lösungen für Pkw-Hardwarenachrüstungen noch nicht zu kaufen. Wegen der erforderlichen Entwicklungs- und Zulassungszeit sei mit derartigen Lösungen erst "um das Jahr 2021" zu rechnen.

Beim Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK) stoßen derlei Fristen auf großes Unverständnis. Nach Einschätzung des ZDK könnte man jetzt schon für die rund 1,3 Millionen der Euro-5-Dieselfahrzeuge auf die wesentlichen Hardwareteile aus den Regalen der Fahrzeughersteller zurückgegriffen. Sie ließen sich im Baukastenprinzip zu einem SCR-System zusammenstellen und für Nachrüstung anbieten. Vielen "umrüstwilligen Dieselfahren und Autohändlern" sei diese weitere zeitliche Verzögerung und die Beschränkung auf die Intensivstädte nicht mehr zu vermitteln. Jetzt müsse endlich die angekündigte Nachrüstrichtlinie auf den Weg gebracht werden. Auch sollte die "Allgemeine Betriebserlaubnis" für diejenigen Nachrüstsysteme qualifizierter Anbieter zügig erteilt werden, die schon jetzt erfolgreich erprobt worden seien.

Für VDA-Präsident Matthes geht es neben den notwendigen rechtlichen Rahmenbedingungen auch darum, die "Importmarken" in die Pflicht zu nehmen. Auch beim Handwerk wartet man auf die Antworten ausländischer Hersteller. Lange wird die Hängepartie nicht mehr währen. "Ich rechne damit, dass die Politik mehr Dampf bekommt, wenn die Bürger nicht mehr in die Innenstädte fahren können", sagte Wollseifer.

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