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Fragen an die "Generation Mitte" Diese Erwartungen an den Job haben deutsche Arbeitnehmer

Zu wenig betriebliche Altersvorsorge, zu wenig Rücksicht auf die Familie und zu viel Stress: Arbeitnehmer im Alter zwischen 30 und 59 Jahren werden im Berufsleben manches Mal enttäuscht. Zwar fühlen sie sich relativ sicher im Job und auch die gute wirtschaftliche Lage erlaubt eine gewisse Entspanntheit. Viele Erwartungen werden dennoch nicht erfüllt.

Sie sind zwischen 30 und 59 Jahre alt. Sie profitieren von der gute Lage auf dem Arbeitsmarkt und dennoch sieht die sogenannte Generation Mitte einiges zu verbessern, wenn man sie nach ihrem aktuellen Befinden im Job befragt. Das hat nun zum fünften Mal das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) getan. Die zentralen Ergebnisse in Bezug auf das Wohlbefinden im Job: die Arbeitsplatzsicherheit verliert an Bedeutung, denn die meisten der Befragten sehen ihre aktuelle Beschäftigung als sehr sicher an. Viel wichtiger werden den Arbeitnehmern dagegen eine gute Altersversorgung, viel Freizeit und flexible Arbeitszeiten.

Ein wichtiges Fazit der Befragung: Die Anforderungen an die Arbeitgeber wachsen, denn die Arbeitnehmer trauen sich mehr und mehr auch Forderungen zu stellen bzw. eigene Anforderungen an ihr berufliches Umfeld zu stellen. Die gute Beschäftigungslage macht es möglich. Das heißt aber noch lange nicht, dass auch eine hohe Zufriedenheit vorherrscht. Die hohen Anforderungen, die Generation Mitte an ihren Arbeitsplatz hat, werden nämlich bisher nur zum Teil erfüllt.

Job: Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Nach Angabe der Studienautoren besteht die größte Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit in Bezug auf die betriebliche Altersversorgung. 76 Prozent der Befragten gaben an, dass das Thema wichtig für sie sei. "Aber nur 26 Prozent sehen dies als erfüllt an", meldet der GDV. Das Thema Rente macht der Mehrheit der „Generation Mitte“ Sorgen und so sehen 59 Prozent der Befragten das Rentensystem als eine Schwäche Deutschlands. Dies steigert jedoch nicht die Bereitschaft mehr selbst vorzusorgen – viele sehen trotz guter wirtschaftlicher Lage bei sich selbst keinen finanziellen Spielraum, der es erlauben würde, mehr für die Altersvorsorge zurückzulegen.

Zurück zu den Erwartungen und Tatsachen der Beschäftigungsverhältnisse: Weitere große Abstände zwischen Wunsch und Wirklichkeit gibt es nämlich bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf – 74 Prozent ist diese wichtig, aber nur 37 Prozent sehen sie als erfüllt an – bei den guten Aufstiegschancen (51 Prozent zu 14 Prozent) und beim beruflichen Stress, den 49 Prozent gerne vermeiden würden, aber nur 14 Prozent schaffen das auch. Als Auslöser für den Stress nennen die Befragten Ärger, Leistungs- und Termindruck. 28 Prozent von ihnen gaben an häufig, 51 Prozent gelegentlich unter Stress zu leiden.

Arbeitnehmer wollen Freizeit und flexibel arbeiten

Fasst man die Erwartungen zusammen, die die "Generation Mitte" an die Arbeitswelt von heute hat, so verliert dabei die Arbeitsplatzsicherheit an Relevanz. Sie ist vor dem Hintergrund der guten Beschäftigungslage nur noch ein Faktor neben vielen anderen. Dazu gehören nette Kollegen und gute Vorgesetzte, eine gute Altersversorgung und die Vereinbarkeit der beruflichen Anforderungen mit der Familie. Laut GDV sind im Vergleich zur letzten Befragung im Jahr 2015 fast sämtliche Anforderungen an den Arbeitsplatz gewachsen. Wichtiger geworden sind den Befragten unter anderem wenig Überstunden, ein kurzer Arbeitsweg, ein hohes Einkommen und flexible Arbeitszeiten.

Das selbstbestimmte Arbeiten und auch ein mehr an freier Zeit wird also wichtiger. Das zeigt sich auch beim Thema Renteneintritt. So können sich zum jetzigen Zeitpunkt nur wenige der Befragten vorstellen, länger als nötig zu arbeiten – viele haben noch gar keine klare Vorstellung vom Renteneintritt. 24 Prozent wollen bis zum gesetzlichen Eintrittsalter arbeiten, 29 Prozent früher aufhören und nur sieben Prozent gaben an, länger arbeiten zu wollen.

Grundsätzlich lässt sich dennoch sagen, dass es der mittleren Generation in Deutschland noch nie so gut ging wie jetzt. Denn im Vergleich zu den Umfrageergebnissen der Jahre zuvor, machen sich die 30- bis 59-Jährigen geringere Sorgen um ihren Lebensstandard und haben weniger Angst vor Arbeitslosigkeit. In der Allensbach-Studie bewerteten zudem vier von fünf Befragten ihre Lebensqualität als gut oder sehr gut. dhz

Mehr zu den Umfrageergebnissen und was die "Generation Mitte" bewegt, können Sie hier lesen.>>>

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