Mobilität -

Dienstwagen verstoßen gegen EU-Zielwert Diese Autos fahren Spitzenpolitiker

Klimaverträgliche Politik predigen, doch mit dicken Limousinen durchs Land kutschieren. Bei der Auswahl ihrer Dienstwagen greifen viele Spitzenpolitiker unnötigerweise zu Modellen mit hohem CO2-Ausstoss. Dabei zeigen einige Minister dass es auch anders geht.

Jutta Blankau (SPD), Senatorin für Stadtentwicklung in Hamburg
Fährt vorbildlich: Jutta Blankau (SPD), Senatorin für Stadtentwicklung in Hamburg, hat einen Dienstwagen, der den EU-Zielwert für Treibhausgasemissionen einhält. -

Die meisten Spitzenpolitiker haben Dienstwagen der deutschen Hersteller Audi, BMW und Mercedes. Die Bundesminister und Ministerpräsidenten wählten alle Modelle, die den EU-Zielwert von maximal 130 g CO2/km für überschreiten. Das Ranking der Emissionen berechnete die Deutsche Umwelthilfe.

Gelbe Karte für Bundesminister

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU)
© Lennart Preiss/dapd

Unter den Bundesministern fährt Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) mit einem Ausstoß von 149 g CO2/km am klimafreundlichsten. Die Justizministerin fährt einen Audi A6. Alle anderen Bundesminister, wie zum Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) nutzen einen Audi A8 oder einen 7er BMW. Den höchsten CO2-Ausstoss unter den Bundesministern hat der BMW von Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) mit 183 g/km.

Dabei sind die Dienstwagen keine Standardmodelle, sondern teilweise gepanzert und haben als rollende Büros häufig eine Sonderausstattung. Der Dienstwagen der Bundeskanzlerin und anderer sicherheitssensibler Ressorts wie dem Außenministerium bewertete die Deutsche Umwelthilfe nicht, weil sie eine besondere Schutzausrüstung haben. Insgesamt lagen aber erstmals alle untersuchten Bundesminister im gelben Bereich (131 bis 195 g/km) der Wertung der Deutschen Umwelthilfe.

Rote Karte für Ministerpräsidenten

Weniger Rücksicht aufs Klima legt die Hälfte der deutschen Ministerpräsidenten und zwölf der Landesminister. Eine Rote Karte bekam sie für einen CO2-Ausstoß von mehr als 196 g/km.

Die größte Dreckschleuder fährt NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD). Sein Audi A8 bläst 324 g CO2/km in die Atmosphäre. Zum Vergleich: Das ist mehr als doppelt so viel wie der Dienstwagen von Hamburgers Innensenator Michael Neumann (SPD) ausstößt.

Grüne Karten für Landesminister

Mit 123 g/km fährt Neumann das klimafreundlichste Auto der Landesminister. Er hat für dieses Jahr einen BMW 520d geleast. Auch seine Hamburger Kollegin Jutta Blankau liegt mit ihrem Merdes C-Klasse Fahrzeug unter der EU-Zielvorgabe und bekam eine grüne Karte. Insgesamt haben es nur fünf Landesminister aus Hamburg, Bremen und Brandenburg geschafft, den Zielwert einzuhalten.

Hamburgers Innensenator Michael Neumann (SPD)
© Foto: Michael Zapf

Am südlichen Ende der Republik, in Bayern, war das Bewusstsein für klimaschonende Autos dagegen am kleinsten. Fünf rote Karten gingen an die bayerischen Minister. Die Spitzenreiter des CO2-Ausstoßes sind hier Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Innenminister Joachim Hermann (CSU), die beide 278 g CO2/km in die Umgebung abgeben. Dabei kündigte Seehofer noch letztes Jahr in seiner Regierungserklärung an: "Wir wollen auch beim Megathema Umwelt- und Energietechnik Nummer eins sein - in Deutschland und Europa."

Dennoch halten manche Politiker ihre Versprechen: Die größte Verbesserung bei der Umstrukturierung der Flotte schaffte die neue grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg. Der durchschnittliche CO2-Ausstoß verringerten sie von 224 g/km auf 168 g/km. Alle Dienstwagen der Landesregierung im Autoland Baden-Württemberg sind damit im gelben Bereich. Der Dienstwagen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) emittiert allerdings mit 195 g CO2/km immer noch 50 Prozent mehr als die EU-Zielwert vorsieht.

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