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Kuriose Gerichtsverhandlungen Diese 5 Fälle landeten tatsächlich vor Gericht

Wegen Unordnung den Betrieb des Nachbarn anzünden oder klagen, weil ebenjener etwas Schnee auf das eigene Grundstück schaufelt. Nachbarschaftsstreitigkeiten gehören zu den skurrilsten Fällen die vor Gericht verhandelt werden.

Im Gegensatz zu Fernsehrichtern, wie Barbara Salesch und Alexander Hold, werden vor "echten" Gerichten meist ernste Dinge verhandelt. Hin und wieder finden sich aber auch Richter und Anwälte außerhalb des Nachmittagsprogramms privater Sender in kuriosen Situationen wieder. Markus Mingers, Rechtsanwalt und Inhaber der Kanzlei Mingers & Kreuzer, hat in seinem bisherigen Berufsleben auch schon den ein oder anderen merkwürdigen Fall mitbekommen. Das sind seine Top 5:

1. Ordnung muss sein

Weil das Grundstück einer Bäckerei unaufgeräumt war, setzte eine Seniorin den Betrieb in Brand. Das Amtsgericht Bautzen verurteilte die Brandstifterin zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung. Sie soll sich mittlerweile bei den Geschädigten entschuldigt und den Schaden beglichen haben.

2. Ärger mit dem Nachbarn

Ein weiterer Nachbarschaftsstreit wurde vor dem Amtsgericht München ausgetragen. Ein Nachbar ließ beim Schneeschippen des Öfteren eine Schaufel Schnee auf den Rasen des Klägers fallen. Offenbar mit Absicht, denn er habe dem Kläger dabei "hämisch in die Augen" geschaut. Vor Gericht verlangte er die Unterlassung, mit der Begründung, der zusätzliche Schnee verzögere im Frühjahr die Begrünung der Rasenfläche. Die Richter waren nicht überzeugt. Zwar führe die Provokation durch das absichtliche Abschieben des Schnees über den angrenzenden Zaun zu einer Verschlechterung des nachbarschaftlichen Verhältnisses. Dennoch handle es sich bei Schnee letztendlich nur um Wasser, welches bei der ohnehin zugeschneiten Fläche keine größeren Schäden anrichten könne.

3. Schlechter Verlierer

Die brandenburgische Kleinstadt Guben kürt jedes Jahr eine neue Apfelkönigin. Seit 2016 haben auch Männer die Möglichkeit zum Apfelkönig gekrönt zu werden – dennoch gewann wieder eine Frau. Ein männlicher Mitbewerber witterte Wahlbetrug und klagte vor dem Amtsgericht Cottbus. Handfeste Beweise hatte er allerdings nicht: Grundlage für seine Klage waren bloße Vermutungen. Ein aus seiner Sicht schwerwiegendes Argument gegen die Krönung der Dame war, dass sie in einer so ländlichen Gegend wie Guben keinen Führerschein besaß. Das Gericht ließ die Argumentation kalt – eine Fahrerlaubnis sei keine zwingende Voraussetzung für die Bewerbung als Apfelkönigin.

4. Gefährliches Schuhwerk

Eine Mutter wollte ihrer Tochter in deren Mietwohnung einen Besuch abstatten. Dabei blieb sie mit ihren High Heels im Gitterrost zum Fußabtreten des Gebäudes stecken und stürzte – daraufhin verklagte sie die Hauseigentümerin vor dem Oberlandesgericht Schleswig-Holstein. Allerdings ohne Erfolg: Das Gericht sah die Schuld bei der Mutter und nicht bei der Eigentümerin, denn mit solchen Gitterrosten sei bei älteren Gebäuden zu rechnen. Zusätzlich gab es den Tipp, das nächste Mal seitlich am Gitter vorbei zu gehen oder nicht mit dem Absatz, sondern mit dem Fußballen darauf zu treten.

5. Ein schlechter Deal

Vor dem Oberlandesgericht Hamm stand ein Zahnarzt, der seinen gerade volljährig gewordenen Sohn um sein Erbe bringen wollte. Er hatte ihm Folgendes vorgeschlagen: Der Junge verzichtet auf sein Erbe, bekommt dafür im Gegenzug aber einen schicken Sportwagen. Dies allerdings auch erst im Alter von 25 Jahren und nachdem er seine Ausbildung und Meisterprüfung zum Zahntechniker mit der Note "sehr gut" abgeschlossen hat. Sein Sohn war einverstanden und wenige Tage nach seinem 18. Geburtstag wurde die Vereinbarung von einem Notar beurkundet. Dem jungen Erwachsenen dämmerte später, dass er, angesichts der gut bezahlten beruflichen Tätigkeit des Vaters, einen schlechten Deal eingegangen war. Die Richter erklärten die Vereinbarung für nichtig: Sie sei sittenwidrig, da sie ein erhebliches Ungleichgewicht zu Lasten des Sohnes darstelle. Die damit verbundenen Bedingungen seien dem jungen Mann zu diesem Zeitpunkt wohl nicht vollständig bewusst gewesen. dhz

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